Mitten in Berlin: Sieht so die Alternative zu Dieselverbot und Tempo 30 aus?

Ein autonom fahrender Elektro-Minibus im Testbetrieb auf einer Straße in Karlsruhe.
Ein autonom fahrender Elektro-Minibus im Testbetrieb auf einer Straße in Karlsruhe.  © DPA

Berlin - Kein Tag vergeht ohne Feinstaub-Debatte in Großstädten. Nachdem das Stuttgarter Verwaltungsgericht die Tür für ein eventuelles Dieselverbot geöffnet hat und München und Düsseldorf bereits daran arbeiten, suchen Unternehmen fieberhaft nach Alternativen zu Diesel-Stopp und Tempo-30-Zonen. Auf der Straße des 17. Juni, im Herzen von Berlin, könnte eine Lösung für die extreme Luftverschmutzung enstehen, wie der rbb berichtet.

Eine Teststrecke im Tiergarten? In der Not werden Menschen erfinderisch und machen aus der grünen Prachtmeile Straße des 17. Juni kurzerhand ein Versuchsgebiet für autonomes Fahren. Schon länger feilen Forscher an der filigranen Technik, die in den Anfängen störungsanfällig und immer wieder zu Unfällen führte.

Doch mit Zeit kam der Fortschritt und so entsteht im Tiergarten eine Teststrecke für das autonome Fahren, "die erste innerhalb einer Großstadt", wie Sahen Albayrak, Leiter des "Disztributed Artificial Intelligence Laboratory" (DAI-Labor) der Technischen Universität Berlin erklärte. "Bisher gibt es Teststrecken auf der A6, A7 und A9", so der Forscher.

"Autonomes Fahrzeug kreuzt!" - Ein Schild macht auf das Forschungsfahrzeug "Cocar" für autonomes Fahren aufmerksam.
"Autonomes Fahrzeug kreuzt!" - Ein Schild macht auf das Forschungsfahrzeug "Cocar" für autonomes Fahren aufmerksam.  © DPA

Bis zum September wird Albayrak und sein 150-köpfiges Team die etwa vier Kilometer lange Strecke vom Ernst-Reuter-Platz bis zum Brandenburger Tor digitalisiert haben. Dann startet der Testbetrieb für die nächsten drei Jahre.

"So eine komplizierte Strecke gibt's nur bei uns", so Albayrak. "Kreisverkehre mit fünf Eingängen, drei Spuren auf der einen und der anderen Seite" und auf dem Mittelstreifen wird das autonome Parken getestet.

"Wenn autonome Autos hier fahren können, dann können sie es auf der ganzen Welt", so die mutige Behauptung des Forschers. Jedoch wird der Streckenabschnitt nicht abgesperrt. Die autonomen Testfahrzeuge mischen sich unter dem normalen Verkehr, somit können Unfälle bei Fehlfunktionen des Systems durchaus vorkommen. "Unfälle können immer passieren und werden immer passieren. Dann kommt die Polizei und nimmt das auf."

Unbemannt werden die Fahrzeuge aber nicht auf die Straße des 17. Juni gelassen. Im Notfall greifen Testfahrer ein, um Schlimmeres zu verhindern. Doch bevor das autonome Fahren zur ernsthaften Alternative zu etwaigen Dieselverboten und Tempo-30-Zonen werden kann, wird bekanntlich noch viel Wasser die Spree runterfließen.

Ein Bosch-Mitarbeiter fährt mit einem Prototyp für autonomes Fahren auf der A81 bei Abstatt in Baden-Württemberg.
Ein Bosch-Mitarbeiter fährt mit einem Prototyp für autonomes Fahren auf der A81 bei Abstatt in Baden-Württemberg.  © DPA

Titelfoto: DPA


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