Awo-Skandal in Frankfurt: Geschäftsführer tritt zurück, OB bricht sein Schweigen

Frankfurt am Main - Nach Kritik wegen überhöhter Gehälter und teurer Dienstwagen bei der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat der langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter seinen sofortigen Rücktritt erklärt.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) beantwortet Fragen der Stadtverordneten zur Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo)
Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) beantwortet Fragen der Stadtverordneten zur Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo)  © Frank Rumpenhorst/dpa

Der Zeitpunkt sei gekommen, an dem dieser Schritt "für die Arbeiterwohlfahrt und die laufende Diskussion meines Erachtens hilfreich sein wird", heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung Richters.

Der in der Affäre ebenfalls mit Vorwürfen konfrontierte Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) räumte unterdessen Fehleinschätzungen ein.

Die "ständigen personalisierten Angriffe in den Medien" hätten ihn schwer getroffen, erklärte Richter. Er könne und wolle sich dem nicht länger aussetzen.

Gleichwohl nehme er die Vorwürfe ernst, erklärte Richter, und verwies auf Maßnahmen, die die Awo ergriffen habe, darunter Sonderprüfungen durch den Bezirksverband sowie Wirtschaftsprüfer und eine vorgezogene Neuwahl des Präsidiums als Aufsichtsgremium.

Es seien auch Fehler öffentlich gemacht worden, dazu zählten die bisherige Dienstwagenrichtlinie und mangelnde Kommunikation. Mit seinem Schritt sei aber kein Schuldanerkenntnis verbunden, erklärte Richter. Kürzlich erhobene Mobbingvorwürfe wies er zurück. Richter wäre nach Angaben des Kreisverbands zum Jahresende in den Ruhestand gegangen; seine Nachfolge soll im Januar geregelt werden.

Awo-Skandal in Frankfurt: Oberbürgermeister Peter Feldmann in der Kritik

Das Logo der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist an einem Gebäude im Ostend der Stadt zu sehen.
Das Logo der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist an einem Gebäude im Ostend der Stadt zu sehen.  © Frank Rumpenhorst/dpa

Der Frankfurter Awo-Kreisverband steht seit Wochen in der Kritik.

Es laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Betruges und der Untreue mit Geldern der Stadt. Hinzu kommen Medienberichte über Luxus-Dienstwagen und ungewöhnlich hohe Gehälter für einige Mitarbeiter.

In dem Zusammenhang war auch der Frankfurter Oberbürgermeister Feldmann in die Kritik geraten, unter anderem, weil seine heutige Ehefrau als Leiterin einer Awo-Kindertagesstätte einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt bekam.

Dies bestätigte Feldmann am Donnerstag auf entsprechende Fragen von Abgeordneten in der Stadtverordnetenversammlung. Seine Frau habe den Dienstwagen auch noch während einer Elternzeit genutzt.

Hier wäre im Nachhinein betrachtet sicherlich "mehr Sensibilität angebracht" gewesen, sagte Feldmann. Er selbst habe keinen Einfluss auf die Bezahlung seiner Frau gehabt – deren Höhe ebenfalls kritisiert wird – und sei davon ausgegangen, dass diese angemessen gewesen sei und sich die Awo an tarifliche Bestimmungen halte.

Feldmann sagte, er bedauere, zu lange zu den Vorwürfen geschwiegen zu haben. Sie hätten ihn erschüttert und müssten aufgeklärt werden. Stellten sie sich als zutreffend heraus, müssten Konsequenzen gezogen werden.

Heftige Kritik an Oberbürgermeister Feldmann in Debatte um Awo-Skandal

Update, 22 Uhr: In der Debatte über möglicherweise überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat es im Frankfurter Stadtparlament heftige Kritik an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gegeben.

CDU-Fraktionschef Nils Kößler kritisierte am Donnerstagabend mangelnde Transparenz des Oberbürgermeisters und sprach von zerstörtem Vertrauen sowohl in ihn als auch in die Awo. Es habe weiter keine genauen Informationen zu Feldmanns persönlicher Rolle gegeben, nur Nebelkerzen.

Aus der Grünen-Fraktion wurde Feldmann "selbstgerechtes Argumentieren", aus der FDP "demonstrative Arroganz" vorgeworfen. In Frankfurt regiert eine Koalition aus CDU, SPD und Grünen.

Titelfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

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