Baby gegen Möbel geschlagen? Vater (22) wegen Mordes vor Landgericht

Kempten - Im Allgäu soll ein Vater seinen acht Monate alten Sohn zu Tode geprügelt haben. Der 22 Jahre alte Mann muss sich nun von Donnerstag (9 Uhr) an in Kempten wegen Mordes vor dem zuständigen Landgericht verantworten.

Ein 22 Jahre alter Mann muss sich in Kempten vor Gericht verantworten. (Symbolbild)
Ein 22 Jahre alter Mann muss sich in Kempten vor Gericht verantworten. (Symbolbild)  © Stefan Puchner/dpa

Nach den Ermittlungen der Beamten hatte der Vater den Säugling im August des Jahres 2018 in Kaufbeuren brutal misshandelt, als er einen Abend lang einmal auf den Jungen aufpassen sollte, während die Mutter des Kindes unterwegs war.

Der Mann soll nicht nur wegen des Weinens des Säuglings aufgebracht gewesen sein. Er habe sich mit den Gewalttaten auch an der Mutter, die sich von ihm getrennt habe, rächen wollen, führt die Staatsanwaltschaft im Zuge der Anklage aus.

Nach den Angaben der Ermittler schüttelte der Angeklagte das Baby zunächst so stark, dass es ein Schütteltrauma erlitt. Danach soll der Deutsche seinen Sohn noch weiter gequält haben, indem er ihm absichtlich Schmerzen zugefügt habe.

Er soll das Kind gepackt und gegen Möbel geschlagen haben, zudem soll er dem Säugling auch mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers hatte der Vater bei der Kripo zu den Vorwürfen gesagt, dass er den Säugling lediglich fest gedrückt und ins Bett geworfen habe.

Der Säugling kam an jenem Abend in einem lebensbedrohlichen Zustand zunächst ins Krankenhaus Kaufbeuren. Dann wurde der kleine Junge ins Augsburger Klinikum geflogen, dort starb er zwei Tage später an schweren Hirnverletzungen.

Das Urteil gegen den 22-Jährigen ist in dem aufsehenerregenden Prozess für nächsten Mittwoch (7. August) geplant.

Update 13 Uhr: Angeklagter schweigt vor Landgericht

Vor dem Landgericht in Kempten findet in Bayern ein aufsehenerregender Prozess statt.
Vor dem Landgericht in Kempten findet in Bayern ein aufsehenerregender Prozess statt.

Zu Beginn der Verhandlung blieb der Angeklagte stumm. Er sagte zu den Vorwürfen kein Wort. Das Geschehen im Gerichtssaal in Kempten verfolgte der junge Mann oftmals mit gesenktem Kopf.

Die Ex-Freundin des Mannes ist Nebenklägerin in dem Verfahren. Als sie als Zeugin aussagte, brach sie einmal in Tränen aus. Das junge Paar hatte seit der Jugendzeit eine mehrjährige Beziehung geführt, etwa zwei Wochen vor der Tat trennte sich die Frau von ihrem damaligen Freund. Dennoch bat sie ihn an jenem Abend darum, in ihrer Wohnung auf den kleinen Bub aufzupassen.

Die Frau wollte zum Sport und dann eine Freundin besuchen. Als aggressiv sei der Ex-Partner ihr nicht bekannt gewesen, sagte sie.

Laut Anklage erlebte der Säugling an jenem Abend eine Tortur. Der Angeklagte soll ihn so heftig geschüttelt haben, dass er ein Schütteltrauma erlitt. Dann habe der Mann das hilflose Kind mit dem Gesicht gegen die Gitter des Kinderbettes geschlagen und mit der Faust ins Gesicht geprügelt.

Er soll den Kleinen absichtlich mit Schmerzen gequält haben. Vor der Tat soll der Mann einiges an Alkohol getrunken und auch Marihuana genommen haben.

Dann meldete er sich bei seiner Ex-Freundin und berichtete von dem leblosen Sohn. "Es kam der Anruf von ihm, nach etwa einer Stunde, dass er ihm weh getan hat", erklärte die Frau. Sie eilte nach Hause und fand den schwer verletzten Sohn bewusstlos, nur noch mit Schnappatmung. "Ich habe sofort die Polizei gerufen." Den Beamten erklärte der Vater die schweren Verletzungen damit, dass er seinen Sohn "fest an sich gepresst" habe, wie es einer der Streifenpolizisten erläuterte.

Verteidiger Werner Hamm erläuterte der Strafkammer, warum er seinem Mandanten geraten habe, sich vor Gericht zu den Vorwürfen nicht zu äußern. Er begründete dies damit, dass die Staatsanwaltschaft den Vater wegen Mordes angeklagt habe. Üblicherweise werde ein solcher Sachverhalt nur als Totschlag gewertet, meinte er.

Der Anwalt deutete damit an, worauf er in dem Prozess hinaus möchte. Bei einem Urteil nur wegen Totschlags könne sein Mandant mit einer deutlich kürzeren Zeit im Gefängnis rechnen. Bei Mord sieht das Gesetz normal die lebenslange Haft vor.

Doch für solch eine Verurteilung ist mindestens ein sogenanntes Mordmerkmal nötig. Die Staatsanwaltschaft sieht in der Anklage gleich zwei davon - niedrige Beweggründe wegen des Racheaspekts und Grausamkeit wegen der besonders brutalen Tat. Die Strafkammer wies zudem darauf hin, dass bei dem Fall auch das Mordmerkmal der Heimtücke möglich sei. Er sehe trotzdem eher einen Totschlag als einen Mord, sagte Hamm.

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