Kind neben Tischtennisplatte geboren: Mutter wegen Totschlags vor Gericht

Rostock - Wegen der Tötung ihres Neugeborenen muss sich von Dienstag an eine 26-Jährige vor dem Landgericht Rostock verantworten.

Auf dem Spielplatz unweit der Fundstelle wurden Blutflecken mit Sand abgedeckt (Archivbild).
Auf dem Spielplatz unweit der Fundstelle wurden Blutflecken mit Sand abgedeckt (Archivbild).  © Bernd Wüstneck/ZB/dpa

Sie soll laut Anklage in der Nacht zum 25. Mai 2019 im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen neben einer Tischtennisplatte ein Mädchen entbunden und es dann seinem Schicksal überlassen haben (TAG24 berichtete).

Nach der Geburt habe sie das Kind auf einem Rasenstück nackt hinter Sträuchern bei Temperaturen zwischen 11 und maximal 19 Grad abgelegt.

Sie habe dabei in Kauf genommen, dass das Neugeborene bei den niedrigen Temperaturen und wegen der fehlenden Versorgung sterben könnte. Sie habe den Ablageort so gewählt, dass das Kind nicht schnell gefunden werden konnte. Damit hat sie sich laut Anklage des Totschlags schuldig gemacht.

Möglicherweise hätte sein Leben gerettet werden können, wenn die Mutter in ihrer Notlage über Hilfen informiert gewesen wäre.

Wie die Rostocker Rechtsmedizinerin und Betreuerin der Opferambulanz, Verena Kolbe, sagte, handelt es sich möglicherweise um einen Fall einer verleugneten Schwangerschaft. "Das ist ein gut bekanntes Phänomen, das immer wieder vorkommt", sagte Kolbe.

Es sei aber meist schwierig, an die betroffenen Frauen heranzukommen und sie über die vielfachen Möglichkeiten der Hilfe zu informieren.

Es könne auch sein, dass das Umfeld der Mutter nichts von der Schwangerschaft mitbekommen habe. Hilfe fänden Frauen etwa bei Jugendämtern, Pro Familia oder über eine Hotline des Bundesfamilienministeriums.

Die Angeklagte sitzt neben ihrer Anwältin im Gerichtssaal.
Die Angeklagte sitzt neben ihrer Anwältin im Gerichtssaal.  © Rostock News/ Benjamin Vormeyer

Update, 14.21 Uhr

Unmittelbar nach Verlesung der Anklage wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigerin von der Verhandlung ausgeschlossen.

Bei der Befragung ihrer Mandantin kämen Umstände aus ihrem höchstpersönlichen Lebensbereich zur Sprache, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien, argumentierte die Rechtsanwältin. Das Gericht schloss sich dieser Meinung an.

Auch im weiteren Verlauf des Prozesses sei es möglich, dass bei der Befragung von Familienangehörigen oder Bekannten Besucher im Gerichtssaal nicht zugelassen werden, sagte der Vorsitzende Richter.

Für den Prozess sind vier weitere Verhandlungstage vorgesehen, das Urteil soll am 6. Februar gesprochen werden.

Titelfoto: Rostock News/ Benjamin Vormeyer