Tödliches Drama im Plattenbau: Mann sticht mit Messer auf Baby ein

Rostock - Polizisten haben einen schrecklichen Einsatz in Rostock hinter sich.

Zahlreiche Polizisten waren in Rostock-Dierkow im Einsatz.
Zahlreiche Polizisten waren in Rostock-Dierkow im Einsatz.  © Stefan Tretropp

Ein Mann hat im Stadtteil Dierkow mit einem Messer auf einen Säugling eingestochen und dem Baby dabei schwerste Verletzungen zugefügt.

Als die alarmierten Polizisten den Mann überwältigen wollten, stieg er über die Brüstung des Balkons der Wohnung im fünften Stock eines Plattenbaus und stürzte in die Tiefe, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

Dabei kam er ums Leben.

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Die Tat ereignete sich dem Sprecher zufolge kurz vor Mitternacht am Samstagabend.

Zu den Hintergründen sagte die Polizei zunächst nichts.

Der Säugling wurde durch den Rettungsdienst sofort notfallmedizinisch behandelt und in der Universitätsklinik Rostock notoperiert.

Die Kriminalpolizei ermittelt.

Update, 11.15 Uhr

Rettungsdienst und Polizisten stehen vor dem Plattenbau.
Rettungsdienst und Polizisten stehen vor dem Plattenbau.  © Stefan Tretropp

Berichte von Zeugen vor Ort schildern eine dramatische Situation.

Demnach soll sich der Mann auf dem Balkon am Kurt-Schumacher-Ring mit dem Säugling verschanzt haben. Die Eingangstür zur Wohnung soll durch eine Waschmaschine blockiert gewesen sein.

Der Mann soll laut geschrien und gedroht haben, das Baby vom Balkon zu werfen.

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Anwohner holten Decken und nutzen sie als provisorische Sprungtücher.

Als Polizisten endlich die Wohnungstür öffnen konnten, eskalierte die Situation. Der Mann stieg auf den Balkon und stürzte.

Ein Polizist bekam noch ein Bein des Mannes zu fassen, hielt ihn kurze Zeit fest, konnte den Absturz aber nicht verhindern.

Möglicherweise ist der Mann wegen einer Trennung ausgerastet. Er soll mit der 18-jährigen Bewohnerin der Wohnung und Mutter des Babys erst kürzlich auseinandergegangen sein.

Update, 13.30 Uhr

Bei dem gestorbenen Mann handelt es sich um einen 40-Jährigen.

Die Ermittler schließen eine Beziehungstat nicht aus, obwohl zunächst unklar blieb, ob der Mann der Vater des Kindes war. Er habe sich regulär in der Wohnung aufgehalten und sei nicht eingedrungen, hieß es.

Die 18 Jahre alte Mutter des Babys, die zum Tatzeitpunkt auch in der Wohnung im Stadtteil Dierkow war, habe einen Schock erlitten und bislang nicht vernommen werden können, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock. Beide seien Deutsche. Mit weiteren Ermittlungsergebnissen sei frühestens am Montag zu rechnen.

Zu Details des Falls wollten sich Staatsanwaltschaft und Polizei zunächst nicht äußern.

Der Deutschen Kinderhilfe zufolge steht bei rund einem Viertel aller Kinder, die durch Mord oder Totschlag ums Leben kommen, eine Trennung der Eltern und ein Streit um das Sorge- und Umgangsrecht im Hintergrund.

Der Vorstandsvorsitzende Reiner Becker beruft sich bei dieser Angabe auf eigene Erhebungen und eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen.

"Wir brauchen mehr Sensibilität bei den Jugendämtern, Familiengerichten und bei der Polizei, auch an eine derartige Möglichkeit einer Eskalation einer Trennung zu denken, um dann so schnell wie möglich vorbeugend tätig zu werden", forderte Becker am Sonntag.

Normalerweise zieht die Redaktion es vor, nicht über mögliche Suizide zu berichten. Da sich der Vorfall aber komplett im öffentlichen Raum abgespielt hat, hat sich die Redaktion entschieden, es zu thematisieren.

Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, bei der Telefonseelsorge findet Ihr rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

Titelfoto: Stefan Tretropp

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