Baby wegen Schulden vor Gericht: Es geht um 13.000 Euro

Zwickau - Kurioser Prozess am Amtsgericht Zwickau: Die erst acht Monate alte Mila soll die Schulden ihres verstorbenen Opas zahlen - es geht um 13.000 Euro! Die Mutter (19) geht nun gerichtlich gegen die Forderungen der Gläubiger vor.

Mutter Sophie R. (19) war schockiert, als sie vom Schuldenberg ihrer Tochter erfuhr.
Mutter Sophie R. (19) war schockiert, als sie vom Schuldenberg ihrer Tochter erfuhr.  © RTL

RTL hatte zuerst über den Fall berichtet: Ein Baby auf der Anklagebank, das gibt's nicht alle Tage. Nicht wissend, was um sie passiert, nahm Mila auf dem Schoß von Mutter Sophie R. Platz.

Grund der irren Zahlungsforderung an das Baby war der Tod von Milas Opa Ronny A. im September 2018. Er hinterließ einen Schuldenberg von 13.000 Euro: Krankenkassenschulden, Sky-Abo, Bestattungskosten, Handyrechnung, offene Unterhaltszahlungen und vieles mehr. Als Ronny A. starb, war Mila noch gar nicht geboren - Sophie R. im sechsten Monat schwanger.

"Die Kindesmutter hat die Erbschaft ausgeschlagen", erklärte eine Gerichtssprecherin zum Zivilprozess. Ebenso ihr Ex-Freund. Also blieb nur Mila als mögliche Erbin und übernahm letztlich die Schulden des Opas.

Denn: Die Mutter hatte eine sechswöchige Frist verpasst, in der sie das Erbe ihrer Tochter hätte ausschlagen müssen! "Ich war schockiert. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht. Ich dachte nur so: Wie kriegst du die Kleine da jetzt wieder raus? Dann sind wir so schnell wie möglich zum Anwalt", erinnert sich Sophie R.

Nach dem Gerichtstermin gibt es nun aber Hoffnung für Mutter und Tochter. Einer der Gläubiger, die Gebäude- und Grundstücksgesellschaft Zwickau (GGZ), erlässt der Familie einen Teil der Schulden.

Mutter Sophie R. will solange weiterkämpfen, bis Mila schuldenfrei ist.

Wer Schulden erbt, hat nicht viel Zeit

Hurra, das Erbe ist da! Beim Thema Erbschaft denken die meisten an den großen Geldsegen. Potentielle Erben sollten aber genau hinschauen. Wessen Familienmitglied zum Zeitpunkt des Todes einen Schuldenberg hinterlässt, vererbt diesen weiter. Das Erbe muss ausgeschlagen werden, mit einer Frist von sechs Wochen!

Die Ausschlagung muss persönlich beim Nachlassgericht oder Notar erfolgen. Bei Minderjährigen müssen Eltern aktiv werden. "Die Ausschlagung kann nicht unter einer Bedingung erklärt oder auf bestimmte Gegenstände beschränkt werden", erläutert Manuel Kahlisch, Geschäftsführer der Notarkammer Sachsen.

"Es gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip. Bei Ausschlagung der Erbschaft bestehen also keinerlei Ansprüche mehr auf den Nachlass."

Die Mutter hätte Mias Erbe rechtzeitig ausschlagen müssen, um die Verschuldung zu verhindern. Nun klagt sie vor dem Amtsgericht Zwickau und hofft auf Schuldenerlass.
Die Mutter hätte Mias Erbe rechtzeitig ausschlagen müssen, um die Verschuldung zu verhindern. Nun klagt sie vor dem Amtsgericht Zwickau und hofft auf Schuldenerlass.  © Uwe Meinhold

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