Das passiert mit den Babys aus der Klappe

Nicole Baumgärtel (40), Mitarbeiterin des Vereins „Karo“ in Plauen. Sie und ihre Mitstreiter kümmern sich um die Neugeborenen. In der Babyklappe „Käferle“ in Plauen wurden seit 2008 fünf Babys abgegeben.
Nicole Baumgärtel (40), Mitarbeiterin des Vereins „Karo“ in Plauen. Sie und ihre Mitstreiter kümmern sich um die Neugeborenen. In der Babyklappe „Käferle“ in Plauen wurden seit 2008 fünf Babys abgegeben.

Von Stefan Ulmen und Martin Friedmann

Dresden - „Baby in Klappe abgegeben!“ Nachrichten wie diese jüngst aus Plauen berühren uns bis tief ins Herz. Wir fühlen mit der verzweifelten Mutter, denken an das Neugeborene und die Zukunft beider. Doch was steckt noch alles hinter dem Thema Babyklappe? Hier der Morgenpost-Report zum Thema.

Wie viele Kinder wurden bislang abgegeben?

Eine komplette aktuelle Zahlenübersicht gibt es im Ministerium leider nicht, weil dies nicht meldepflichtig ist. Und da es sich um eine rechtliche „Grauzone“ handelt, ebenfalls nicht beim Statistischen Landesamt.

Aue: 1 Baby (seit 2009)
Bautzen: keine
Chemnitz („Babykorb“): 25, darunter 1 toter Säugling. 4 Kinder kamen zurück in ihre Herkunftsfamilie, 16 in Adoption
Dresden („Findelbaby“): 16 (bis 2012), alle Adoption (dauerhaft)
Leipzig („Babynest“, seit 2004): 12
Plauen („Käferle“, seit 2008): 5.

In Chemnitz befindet sich der „Babykorb“ an der Frauenklinik in der Flemmingstraße.
In Chemnitz befindet sich der „Babykorb“ an der Frauenklinik in der Flemmingstraße.

Wie viele Babyklappen gibt es in Sachsen?

Insgesamt gibt es laut Sozialministerium in Sachsen aktuell sechs Orte, an denen Babys anonym abgegeben werden können. Teilweise bestehen sie (wie in Dresden) bereits seit 14 Jahren: Aue (Helios Klinikum), Bautzen (Klinikum), Chemnitz (Klinikum), Dresden (Kaleb), Leipzig (Klinikum „St. Georg“), Plauen (Karo).

Was passiert mit den abgelegten Babys?

Sobald das Jugendamt eingeschaltet ist, nimmt die Behörde das Kind in Obhut und Kontakt mit dem Familiengericht wegen der Bestellung eines Vormundes auf. Dann wird geprüft, welche Perspektive für das Kind die beste ist - dazu gehört auch, nach der Mutter des Kindes zu suchen. Wenn eine Rückkehr nicht möglich ist, weil die Mutter entweder unauffindbar ist oder aber Kindeswohlaspekte dagegensprechen, wird dauerhaft eine anderweitige Lösung gesucht. Hier kommt dann die Möglichkeit für eine Adoption ins Spiel.

Wie lange kann eine Mutter ihr Kind zurückholen?

Ralph Schreiber (44, Foto), Pressesprecher Sozialministerium
Ralph Schreiber (44, Foto), Pressesprecher Sozialministerium

Ralph Schreiber (44, Foto), Pressesprecher Sozialministerium: „Grundsätzlich gilt: Entgegen mancher Verlautbarungen gibt es hierfür keine Fristen. Erst wenn eine Adoption rechtlich vollzogen ist, hat die leibliche Mutter jegliche Ansprüche an das Kind verwirkt. Es wird darauf verwiesen, dass die Mutter in diesem Fall aber zumindest die Möglichkeit behält, bei der Adoptionsvermittlungsstelle eine Nachricht für ihr Kind zu hinterlegen.“

Fotos: Andreas Wetzel, Christof Heyden, Laurence Chaperon


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