Babyleiche aus Weißenfels: Hat sich die Mutter ins Ausland abgesetzt?

Weißenfels - 779 Tage der quälenden Ungewissheit liegen hinter den Ermittlern im Fall des ermordeten Säuglings aus Weißenfels (Sachsen-Anhalt). Auch mehr als zwei Jahre nach dem Fund des toten Babys ist die Mutter noch immer auf freiem Fuß. Höchstwahrscheinlich wird auch ein zweiter DNA-Test unter mehr als 2000 Frauen nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Die Stadt Weißenfels hatte sich um die Beerdigung des toten Babys gekümmert.
Die Stadt Weißenfels hatte sich um die Beerdigung des toten Babys gekümmert.  © Katharina Vokoun/Stadt Weißenfels/dpa

2217 Frauen wurden seit Mai 2018 zur zweiten DNA-Reihenuntersuchung geladen (TAG24 berichtete). "203 schieden von vornherein aus, weil sie in der fraglichen Zeit ein Kind geboren haben", sagte der zuständige Naumburger Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Neufang zu TAG24.

1762 Speichelproben seien seinen Angaben zufolge ohne Übereinstimmung untersucht worden, 14 Frauen hätten die Abgabe bislang verweigert, 94 weitere auf zwei Einladungen der Polizei nicht reagiert.

Zudem gäbe es 64 potenzielle und angeschriebene Mütter, die mittlerweile ins Ausland gezogen sind. "Daher können sie nicht mehr eingeladen werden", so Neufang.

80 Proben sind zudem noch nicht ausgewertet worden, auf das Ergebnis wird aktuell gewartet. Mit jeder negativen Probe sinkt jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, die mutmaßliche Mörderin eines Säuglings doch noch zu finden. Erst nach Abschluss der zweiten Reihenuntersuchung wird über eine eventuell dritte entschieden. Weitere Aufrufe über das Fernsehen seien laut des Oberstaatsanwalts aktuell auch nicht geplant.

Lebendiges Baby durch "massive Gewalteinwirkung" umgebracht und über Zaun entsorgt

Die Leiche des Säuglings wurde an der Zeitzer Straße in Weißenfels gefunden.
Die Leiche des Säuglings wurde an der Zeitzer Straße in Weißenfels gefunden.  © Google Maps

Bei einem ersten Test im Jahr 2017 verweigerten zwei der insgesamt 200 geladenen Frauen in einem Umkreis von 250 Metern um den Fundort der Babyleiche an der Zeitzer Straße die Abgabe einer DNA-Probe.

Bei der zweiten wurde der Radius auf 2,5 Kilometer erweitert, wodurch zehnmal so viele Frauen infrage kamen.

Die Leiche des Babys wurde am 24. April 2017 gefunden. Offenbar wurde es über den Zaun eines Grundstücks geworfen. Dort wurde es später im Laub unter einem Obstbaum entdeckt. Laut Obduktion hatte es nach der Geburt gelebt und kam durch "massive Gewalteinwirkung" gegen den Körper ums Leben.

Hinweise nimmt die Kripo Halle unter Tel. 03452241291 entgegen. Sie will vor allem wissen, wer eine Frau kennt, die vor Ostern 2017 einen Bezug zu Weißenfels hatte, damals schwanger war und jetzt kein Kind hat.

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