Tierschutz-Skandal: Alles, was Du zu den misshandelten Kühen im Allgäu wissen musst

Bad Grönenbach - Geschlagen, getreten, gequält - Videoaufnahmen von misshandelten Milchkühen (TAG24 berichtete) schocken im Juli die Verbraucher. Mittlerweile stehen drei Betriebe aus derselben Allgäuer Ortschaft im Fokus der Ermittler. Das wirft Fragen auf.

Wie wurde der Skandal aufgedeckt?

Ein Whistleblower informiert eine Tierschutzorganisation über mutmaßliche Missstände bei einem Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach. Heimlich gedrehte Videoaufnahmen zeigen das Leiden der Nummer 38540 – einer Kuh, die mehr als eine Woche lang leidet - bis sie stirbt. Die Bilder zeigen zudem Kühe, die getreten und geschlagen werden, einen offenen Bruch haben oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden. Die Aufnahmen wurden im Juli veröffentlicht und sollen aus einem Stall des Großbauern stammen.

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Wer ist verwickelt?

Die Staatsanwaltschaft leitet zunächst Ermittlungen gegen den Inhaber sowie Mitarbeiter des Betriebs und drei Hoftierärzte ein. Mittlerweile stehen insgesamt 3 Unternehmen und 15 Menschen im Fokus der Ermittler. Die Betriebe sollen unabhängig voneinander arbeiten. Betrieb 1, aus dem die Videoaufnahmen stammen sollen, hält etwa 2800 Rinder an mehreren Standorten in Bayern und Baden-Württemberg. Betrieb 2 hat rund 1800 Kühe und Betrieb 3 hatte zu Beginn der Ermittlungen etwa 600 Rinder. Durchschnittlich halten bayerische Milchviehbetriebe etwa 40 Kühe.

© Benjamin Liss/dpa

Was wird den Betrieben vorgeworfen?

Das Ausmaß der Verstöße soll sich den Behörden zufolge unterscheiden. Neben den Videoaufnahmen der misshandelten Kühe ist Betrieb 1 bereits bei früheren Kontrollen durch das Veterinäramt aufgefallen: Tiere litten unter Verletzungen, Haut- und Eutererkrankungen, nicht jedem Tier stand ein Liegeplatz zur Verfügung. In einer der Betriebsstätten gab es zudem große Kot- und Urinansammlungen nahe des Futtertischs. Lahmen Tieren wurde kein Futter oder Wasser in erreichbarer Nähe vorgelegt. Die Kälbersterblichkeit lag wegen einer Viruskrankheit etwa doppelt so hoch wie im bayerischen Durchschnitt. Zudem soll der Großbauer Felder überdüngt haben.

In Betrieb 2 hatten die Verstöße nach ersten Erkenntnissen nicht das Ausmaß wie bei Betrieb 1. Details sind jedoch nicht bekannt. Bei früheren Kontrollen durch das Veterinäramt waren unter anderem "nicht stimmige Liegeboxenabmessungen" festgestellt worden, wodurch einige Tiere an den Sprunggelenken verletzt wurden. Zudem soll die Zahl der Fressplätze im Verhältnis zu den Kühen nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprochen haben.

In Betrieb 3 stießen Kontrolleure auf kranke Kälber, die zum Teil keinen Zugang zu Futter und Wasser hatten. Zudem standen Rinder bis zu den Fesselgelenken in einer Pfütze aus Wasser, Kot und Urin. Der Betreiber räumte im Oktober ein, aussortierte Kälber preisgünstig von anderen Landwirten erworben zu haben. Diese waren teilweise krank und die Kosten für Behandlungen konnte er nicht mehr stemmen (TAG24 berichtete).

© Benjamin Liss/dpa

Welche Auswirkungen hat der Skandal für die Verbraucher?

Das Fleisch eines notgeschlachteten Tiers aus Betrieb 1 soll Berichten zufolge Mitte Juni von einem Tierarzt zum Teil für den menschlichen Verzehr freigegeben worden sein. Dieselbe Kuh lag demnach zuvor im Krankenstall im Kot. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe stellte ein Großschlachthof bis zur Klärung der Vorwürfe die Zusammenarbeit mit Betrieb 1 ein. Eine Käserei beendete die Zusammenarbeit mit Betrieb 1 aus "ethischen und moralischen Gründen".

Die Milch von Betrieb 2 wird weiterhin an ein Unternehmen geliefert, das Molkereiprodukte herstellt. Der Geschäftsführer betont, dass bisher nur ein Verdacht wegen weit geringerer Verstöße wie in Betrieb 1 vorherrsche und die Unschuldsvermutung bis zum Abschluss des Verfahrens gelte. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werde die Zusammenarbeit beendet bis die Missstände behoben sind. Betrieb 3 hat seine Milchviehhaltung mittlerweile eingestellt.

© Benjamin Liss/dpa

Wie sind die Bauern untereinander vernetzt und welche Rolle spielt Bad Grönenbach dabei?

Nach Angaben der Gemeinde ist es "Zufall", dass sich derartig große Unternehmen wie Betrieb 1 und 2 in der Ortschaft angesiedelt haben. Beides sind Familienbetriebe, die unabhängig voneinander arbeiten und sich über Generationen stetig vergrößert haben. Betrieb 3 führt vorwiegend eine Rindermast und hatte erst in den vergangenen Jahren begonnen, Kälber für seinen Milchviehbetrieb aufzukaufen.

Was droht den Bauern?

Sollten die Beschuldigten wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz verurteilt werden, müssen sie nach Paragraf 17 mit Geldstrafen oder Haftstrafen von bis zu drei Jahren rechnen. Zunächst müsste es aber zu einer Anklage kommen.

Mehr zum Thema Tiere:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0