Wird der Tierquäler-Schlachthof jetzt dauerhaft stillgelegt?

Bad Iburg - Nach den Vorwürfen gegen einen Schlachthof in Bad Iburg wegen Tierquälerei will der Landkreis Osnabrück den Betrieb dauerhaft stilllegen. Dem Unternehmen soll per Verfügung unbefristet verboten werden, zu schlachten und Lebensmittel in den Verkehr zu bringen.

Die gequälten Rinder wurden anschließend geschlachtet.
Die gequälten Rinder wurden anschließend geschlachtet.  © DPA

Der Landkreis halte es aufgrund der von Tierschützern aufgenommenen Videoaufnahmen für erwiesen, dass auf dem Betrieb gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wurde, auch wenn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch nicht beendet seien, sagte Kreissprecher Burkhard Riepenhoff am Montag. Der Anwalt des Schlachtbetriebs äußerte sich zunächst nicht.

Auch die Staatsanwaltschaft Oldenburg weitete ihre Untersuchungen aus. Die Ermittlungen richteten sich nun auch gegen zwei Tierärzte, die im Auftrag des Landkreises Osnabrück den Schlachthof kontrolliert hätten, sagte am Montag ein Sprecher der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Landwirtschaftsstrafsachen in Oldenburg.

Nachdem heimlich aufgenommene Videofilme von Tierschützern veröffentlicht worden waren, hatte der Landkreis Osnabrück vorvergangene Woche den Betrieb zunächst vorläufig still gelegt. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium war am 1. Oktober von der Organisation "Soko Tierschutz" über die Vorwürfe informiert worden und hatte Strafanzeige erstattet.

In Bad Iburg wurden die Tiere brutal in den Schlachthof gezogen.
In Bad Iburg wurden die Tiere brutal in den Schlachthof gezogen.

Die Tierrechtsorganisation wirft dem Schlachtbetrieb vor, dass Tiere mit einer Art Seilwinde vom Transporter gezerrt, mit Elektroschockern gequält und geprügelt worden sein sollen.

Auch das Niedersächsische Landesamt für Verbrauchersicherheit und Lebensmittelsicherheit hatte deswegen eine Anhörung des Betriebs auf den Weg gebracht. "Die Anhörung ist noch nicht abgeschlossen", sagte eine Sprecherin der Behörde in Oldenburg. Die Frist läuft nach ihren Angaben noch bis zum 1. November. Am Ende könnte ein Entzug der EU-Genehmigung für den Schlachthof stehen.

Der Landkreis Osnabrück stellt derzeit sein Kontrollsystem für Schlachthöfe auf den Prüfstand, wie Kreissprecher Riepenhoff erläuterte. "Wir haben uns dazu auch externe Berater und Sachverstand ins Haus geholt."

Die auf Honorarbasis für den Landkreis tätigen Veterinäre hätten auf dem Schlachthof Missstände erkennen müssen, wenn es sie gegeben habe. Auch wenn die strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche des Schlachthofes und die Tierärzte noch nicht abgeschlossen seien, habe der Landkreis keinen Zweifel daran, dass die Videos der "Soko Tierschutz" von dem Schlachthof stammten und tatsächlich Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zeigten.

Auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz setzt sich in dem Zusammenhang für mehr Transparenz und Überwachung der Schlachthöfe ein.

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