Neuer Hafen in Hessen: Rettung oder Verschwendung?

Blick über den historischen Hafen von Bad Karlshafen. Seit fast 90 Jahren gibt es hier keine schiffbare Verbindung mehr.
Blick über den historischen Hafen von Bad Karlshafen. Seit fast 90 Jahren gibt es hier keine schiffbare Verbindung mehr.  © dpa/Uwe Zucchi

Bad Karlshafen - Der Bau des neuen Hafens in der nordhessischen Kleinstadt Bad Karlshafen beginnt: An diesem Mittwoch soll der Startschuss für das 6,5-Millionen-Euro-Projekt fallen.

Dabei bekommt das alte Hafenbecken der Kurstadt wieder eine Anbindung an die Weser. Befürworter erträumen sich die Rettung eines hessischen Kleinods. Doch Kritiker sehen darin eine gigantische Steuerverschwendung.

Tatsache ist, dass die nördlichste Stadt Hessens es in den vergangenen Jahren schwer hatte. Die Zahl der Einwohner sank auf unter 4000, einige Hotels schlossen bereits. Das Hafenbecken war sogar zeitweise leer.

Zwar liegt Karlshafen direkt an der Weser, doch seit 1930 hat das Hafenbecken keine schiffbare Verbindung mehr. Die Hafenöffnung bezeichnet Bad Karlshafens Bürgermeister Ullrich Otto als "letzte Chance, um touristisches Potenzial" zu entwickeln.

Der Tourismus in Bad Karlshafen geht immer weiter zurück und auch die Einwohnerzahl sinkt.
Der Tourismus in Bad Karlshafen geht immer weiter zurück und auch die Einwohnerzahl sinkt.  © dpa/Uwe Zucchi

Das lassen sich Bund, Land und die EU einiges kosten. Denn die verschuldete Stadt ist zwar Bauherr, muss aber laut Otto nur 720.000 Euro beisteuern, der Rest ist Zuschuss.

Mit dem Geld sollen die frühere Schleuse reaktiviert und die Bundesstraße, die den Weg zur Weser blockiert, über eine Brücke geführt werden.

Seit 2016 wurde das Projekt ins Schwarzbuch der Steuerverschwendungen aufgenommen. Seitdem sind die veranschlagten Kosten um eine halbe Million Euro gestiegen und die Kritik ist groß: Ob die Öffnung der Schleuse dauerhaft deutlich höhere Besucherzahlen bringen kann wird angezweifelt.

Ende 2018 soll der Hafen offen sein. Dann braucht die Stadt Boote, die das Becken mit Leben füllen.

Titelfoto: dpa/Uwe Zucchi


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