Schwangere niedergestochen, Asylbewerber verdächtig: AfD-Politiker fragt: "‚bunt‘ genug?"

Bad Kreuznach/Frankfurt - Die furchtbare Attacke auf eine schwangere Frau in einem Krankenhaus in Rheinland-Pfalz wurde mutmaßlich von einem Asylbewerber aus Afghanistan begangen. Für einige in der AfD ist dies offenbar ein willkommener Anlass, um wieder einmal gegen Migration im Allgemeinen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Besonderen zu wettern.

Bei der hessischen Landtagswahl 2018 trat Rainer Rahn als Spitzenkandidat für die AfD an.
Bei der hessischen Landtagswahl 2018 trat Rainer Rahn als Spitzenkandidat für die AfD an.  © dpa/Frank Rumpenhorst

Der stellvertretende Vorsitzende der hessischen AfD, Rainer Rahn (68), veröffentlichte am Montag auf seinem Facebook-Profil eine Grafik, auf der in fetten Buchteten die Überschrift zu lesen ist "‚Bunt‘ genug?". Darunter steht geschrieben: "Asylbewerber sticht auf Schwangere ein" und "Ungeborenes Kind stirbt im Mutterleib". Als Bildelement ist ein scheinbar blutbeflecktes Krankenhausbett zu sehen.

Im erklärenden Text dazu schildert der Spitzenkandidat der AfD bei der hessischen Landtsgawahl 2018 zunächst die bekannten Fakten zu dem schrecklichen Vorfall:

Eine 25 Jahre alte schwangere Polin wurde am Freitagabend in einem Krankenhaus in Bad Kreuznach niedergestochen. Die Frau selbst überlebte die Attacke, das ungeborene Kind starb. Als mutmaßlicher Täter wurde noch am Freitag ein ebenfalls 25 Jahre alter afghanischer Asylbewerber verhaftete. Der Mann sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Soweit die bekannten Details zu dem Vorfall, die auch der AfD-Politiker Rahn in seinem Text korrekt als "Einzelfall" bezeichnet. Die Hauptüberschrift geht jedoch in eine gänzlich andere Tendenz.

Ein Einzelfall wird instrumentalisiert

Der Facebook-Screenshot zeigt die Grafik sowie den Text von Rainer Rahn.
Der Facebook-Screenshot zeigt die Grafik sowie den Text von Rainer Rahn.  © Screenshot/Facebook/Rainer Rahn

Die Formulierung "‚Bunt‘ genug?" Stellt automatisch einen Zusammenhang zwischen der blutigen Attacke in Bad Kreuznach und einer von migrationsfreundlichen Personen oft als "bunt" bezeichneten Einwanderungsgesellschaft her.

In diese Deutungslinie passt auch die Aussage von Rainer Rahn, der in dem Text neben der Grafik Einwanderern aus dem Nahen Osten ganz allgemein einen "hohen Magnetismus zu Messern" unterstellt sowie die Bereitschaft, diese auch zum Einsatz zu bringen.

Gleichzeitig wird die Attacke in Rheinland-Pfalz von Rahn zwar als "weiterer tragischer Einzelfall" bezeichnet, doch der Politiker stellt diesen in einen größeren Zusammenhang. Denn er schreibt, dass die Attacke nicht stattgefunden hätte, "wenn keine Generaleinladung durch die Bundeskanzlerin für sogenannte Flüchtlinge erfolgt wäre".

Implizit gibt Rahn damit Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Mitschuld an der Attacke in Bad Kreuznach. Der 68-Jährige beendet seine Auslassungen schließlich mit der Feststellung: "Wir brauchen Fachkräfteeinwanderung und keine Migration von Messermördern. Genausowenig brauchen wir eine Kanzlerin Angela Merkel."

Der Facebook-Eintrag von Rainer Rahn zielt offensichtlich darauf ab, eine wahrscheinlich von einem afghanischen Asylbewerber verübte, furchtbare Bluttat zu instrumentalisieren, um damit allgemein Ressentiments gegen Flüchtlinge und die Bundeskanzlerin zu schüren. Damit spricht der Politiker sicher auch Personen an, die er – nach eigener Aussage – gar nicht in der AfD haben möchte.

Im Oktober vergangenen Jahres zeigte sich der 68-Jährige noch besorgt wegen rechtsextremer Mitglieder der hessischen AfD (TAG24 berichtete).

Die Vorurteile gegenüber Migranten bedient Rainer Rahn aber offenbar sehr gerne.

Titelfoto: dpa/Frank Rumpenhorst

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