Mann bekommt seit drei Jahren die Post von Fremden

Bad Oeynhausen - Wenn Ulrich Eberlie an seinen Briefkasten geht, wird er regelmäßig von einer Flutwelle an Post überrollt. Das Problem: Ein Großteil davon ist gar nicht an ihn adressiert, sondern an Bewohner eines Mehrfamilienhauses.

Im Briefkasten von Ulrich Eberlie landet regelmäßig die Post anderer. (Symbolbild)
Im Briefkasten von Ulrich Eberlie landet regelmäßig die Post anderer. (Symbolbild)  © DPA

"Dieses Mehrfamilienhaus steht aber nicht nebenan, sonder an der Oberbecksener Straße und ist fast einen Kilometer entfernt", erzählt Eberlie gegenüber der Neuen Westfälischen. Er wohnt in einem Einfamilienhaus an der Weserstraße 147. Mit dem anderen Haus stimmt nur die Nummer überein. Seit drei Jahren geht das nun schon so.

"Wie kann das sein?", fragt wohl nicht nur er sich und fügt an: "Ich habe doch keine Lust, regelmäßig den Briefträger zu spielen." Ist der eigentliche Bote etwa an der falschen Zustellung schuld? Daran glaubt der Anwohner nicht. "Denn die Briefträger wechseln häufiger mal und es ist immer der gleiche Fehler." Schon mehrfach beschwerte er sich bei der Hotline der Deutschen Post. "Ich habe zwar als Wiedergutmachung ein Mal zehn Briefmarken bekommen, aber geändert [hat] sich nichts."

Nachdem er vor kurzem erneut ein Bündel an falschen Briefen zugestellt bekam, schnappte er sich dieses und fuhr zur Post an der Dr.-Neuhäusser-Straße, um es dort abzugeben. "Doch da habe ich die Auskunft bekommen, da sei nur noch die Postbank, ich könne aber Briefe und Pakete aufgeben, allerdings keine Reklamationen loswerden."

Rainer Ernzer, Sprecher der Deutschen Post, ist selbst überrascht, wie häufig Ulrich Eberlie falsche Post in seinem Briefkasten findet. "Der Fehler liegt offensichtlich im Postverteilzentrum, dort werden die Adressen falsch ausgelesen."

Post-Sprecher Rainer Ernzer versteht den Ärger von Ulrich Eberlie.
Post-Sprecher Rainer Ernzer versteht den Ärger von Ulrich Eberlie.

Und wie kann der Fall nun aufgeklärt werden? Das geht wohl nur, indem die Briefe reklamiert und an das Verteilzentrum in Herford, das auch für Bad Oeynhausen zuständig ist, zurückgeschickt werden. Dort könne dann der Code noch einmal ausgelesen werden.

Heutzutage erfolgt die Auslesung maschinell. Im Anschluss werden die Briefe für die Zusteller direkt in Auslieferungsfolge sortiert. "Grundsätzlich sind unsere Postboten angewiesen, noch mal stichprobenartig auf die Briefe zu schauen", sagt Ernzer. Das funktioniere in der Menge aber nicht immer.

Trotzdem stellt er klar, dass die maschinellen Schritte natürlich nicht dafür verantwortlichen sein dürfen, dass der Kunde am Ende selbst den Postboten spielen muss. Der Sprecher empfiehlt: "Der Kunde sollte die falsch zugestellten Briefe also entweder dem Postboten wieder mitgeben, wenn er ihn dann erwischt, oder mit einem Vermerk in den nächsten gelben Postkasten werfen."

Ansonsten könne man auch beim Kundenservice (0228/4333112) anrufen oder die falsche Post in der nächsten Postfiliale abgeben. Dabei ist zu beachten: "Die Postbankfinanzcenter wie das an der Dr.-Neuhäusser-Straße gehören zwar zur Deutschen Bank, die Center haben aber die Möglichkeit, die reklamierten Briefe wieder in unseren Poststrom zu bringen."

Immerhin hat die Post mit den Finanzcentern vertraglich beschlossen, dass dort Briefe und Pakete an- und abgenommen werden.

Der Fehler liegt offenbar beim Verteilzentrum in Herford.
Der Fehler liegt offenbar beim Verteilzentrum in Herford.

WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0