Behindertes Kind ertrinkt bei Schwimmkurs: Führte eine Vorerkrankung zum plötzlichen Herztod?

Bad Oeynhausen - Der Prozess gegen den Schwimmlehrer, unter dessen Aufsicht ein sechsjähriger Junge mit Behinderung gestorben ist (TAG24 berichtete), wird fürs Erste ausgesetzt. Die Verteidigerin des 25-Jährigen überraschte mit einem Beweisantrag, der jetzt erst einmal von einem Experten überprüft werden muss.

Der sechsjährige Junge wurde Tod auf dem Grund des Beckens gefunden. (Symbolbild)
Der sechsjährige Junge wurde Tod auf dem Grund des Beckens gefunden. (Symbolbild)  © DPA

Anwältin Kathleen Heine verlangte am zweiten Verhandlungstag, dass überprüft werde, ob nicht eine Vorerkrankung zum plötzlichen Herztod im Wasserbecken geführt habe, zumal der Sechsjährige aus dem Kalletal unter einem seltenen Gendefekt litt.

Sowohl das Gericht als auch die Staatsanwältin stimmten dem Antrag zu, während die Nebenklagevertreter der Eltern, die Rechtsanwälte Detlev Binder und Christina Lang, Unverständnis zeigten.

Detlev Binder erklärte gegenüber der Neuen Westfälischen: "Für die Eltern ist es wichtig, endlich mit der Trauerarbeit anfangen zu können."

Ob das Gutachten den 25-Jährigen, der wegen fahrlässiger Tötung und wegen der Verletzung der Aufsichtspflicht angeklagt ist, entlasten wird, wird sich zeigen.

Der Junge ertrank während des Schwimmunterrichts im Rehmer Hallenbad.
Der Junge ertrank während des Schwimmunterrichts im Rehmer Hallenbad.

Zuvor hatte die Rechtsanwältin Kathleen Heine darauf hingewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen einem Gendefekt und einem plötzlichen Herztod geben kann, nachdem sie von einer Kardiologin aus Minden darauf hingewiesen wurde. Diese teilte Heine im Gespräch mit: "Bitte gehen Sie dem nach, bevor ein Mensch auf die Anklagebank gesetzt wird!"

Der Gendefekt könne laut der Kardiologin alleine schon beim Schwimmen zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen, die dann wiederum den plötzlichen Herztod auslösen.

Der Angeklagte beteuerte bereits mehrfach seine Unschuld und erklärte, dass er die Kinder stets "im Drei-Minuten-Takt" durchgezählt habe, da er es so in seiner Ausbildung gelernt habe.

Wegen des Gutachtens wird der Prozess wohl aller Voraussicht nach für mehrere Monate unterbrochen, um dann wieder von vorne loszugehen.

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