Kommt jetzt die Zuckersteuer? Kinderärzte schlagen Alarm

Bad Orb - Die Einführung des Nutri-Scores, einer neuen Kennzeichnung zum Nährwert von Lebensmitteln, begrüßt der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte. Doch die Mediziner fordern noch mehr Regulierung. Beispiele im Ausland zeigten, dass dies funktioniere.

Besonders Kinder und Jugendliche sind gefährdet (Symbolfoto).
Besonders Kinder und Jugendliche sind gefährdet (Symbolfoto).  © DPA

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert zur Vorbeugung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Heranwachsenden die Einführung einer Zuckersteuer.

Mit Blick ins Ausland zeige sich, dass dies ein wirksames Vorgehen sei, sagte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach der Deutschen Presse-Agentur. "Durch die Einführung von Zucker-Abgaben und damit höheren Preise ist den Verbrauchern dort die Lust auf Süßes weitgehend vergangen, die Absatzzahlen an Süßgetränken gehen seit Einführung der Steuer deutlich zurück."

Dass gesetzliche Verbote wirkten, habe das Rauchverbot gezeigt und auch die Alkopops-Steuer. "Nachdem die Politik die bei Jugendlichen beliebten Schnapsmischgetränke mit einer Sondersteuer belegt hatte, sank der Absatz binnen eines Jahres um 80 Prozent.

Das Beispiel, aber auch die Beispiele Mexiko, Frankreich, Finnland, Ungarn und Großbritannien zeigen, dass Steuerungsmechanismen die Gesundheit wirksam schützen können", sagte Fischbach, der mit dem Verband vom 10. bis 13. Oktober seinen Herbstkongress im hessischen Bad Orb (Main-Kinzig-Kreis) abhält.

So funktioniert der Nutri-Score

Der Nutri-Score dient künftig als Orientierung.
Der Nutri-Score dient künftig als Orientierung.  © DPA

Der Verband begrüßte unterdessen die Einführung des Nutri-Scores, ein Kennzeichnungssystem zum Nährwert von Lebensmitteln. "Seine Wirksamkeit ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen worden. Eltern werden es künftig leichter haben, ihre Kinder gesund zu ernähren", sagte Fischbach.

Nutri-Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe und Proteine in eine Gesamtbewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Skala von "A" auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes "C" bis zu einem roten "E" für die ungünstigste.

Das zutreffende Feld wird hervorgehoben. Das neue Logo soll eine Ergänzung für die EU-weit verpflichtende Nährwerttabelle sein, die meist auf der Rückseite von Packungen steht. Erste Produkte damit sind bereits in deutschen Supermärkten zu kaufen.

Nutri Score "reicht allein nicht aus"

BVKJ-Präsident Thomas Fischbach.
BVKJ-Präsident Thomas Fischbach.  © DPA

Nach Ansicht Fischbachs reicht ein Nutri-Score alleine nicht aus zur Vorbeugung von Fettleibigkeit. Um Kinder und Jugendliche vor Übergewicht und seinen Folgeerkrankungen zu schützen, würden weitere Maßnahmen benötigt.

BVKJ-Vizepräsidentin Sigrid Peter ergänzte: "Wir brauchen so schnell wie möglich ein Werbeverbot für speziell an Kinder gerichtete Lebensmittel, weiterhin darf es den Verkauf von zuckerhaltigen Getränken in Schulen nicht mehr geben."

Bei seinem Herbstkongress kümmert sich der Verband um viele weitere Themen. "Es geht um den Hype um Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Fructose, Laktose und Gluten, aber auch um die Kontroversen beim Thema Homöopathie", sagte der Bad Orber Kongressleiter Klaus-Michael Keller.

Zudem geht es bei den politischen Überlegungen um das Masernschutzgesetz. Fischbach: "Wir fragen uns, ob die Maßnahmen, die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplant sind, ausreichen."

Titelfoto: DPA


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