Kritik an Stolpersteinen: Auschwitz Komitee empört über AfD-Politiker

Ein Arbeiter verlegt einen Stolperstein in der Onkel-Bräsig-Straße in Berlin-Britz. Im vergangenem Jahr wurden in Neukölln mehrere der Gedenksteine gestohlen.
Ein Arbeiter verlegt einen Stolperstein in der Onkel-Bräsig-Straße in Berlin-Britz. Im vergangenem Jahr wurden in Neukölln mehrere der Gedenksteine gestohlen.  © DPA

Berlin - Nach der Kritik eines AfD-Politikers an Stolpersteinen zum Gedenken an NS-Opfer hat das Internationale Auschwitz Komitee die rechtspopulistische Partei scharf angegriffen.

"Die AfD bekämpft immer brachialer und skrupelloser, was die Überlebenden von Auschwitz als Zeitzeugen in der Deutschen Gesellschaft bewirkt haben", sagte der Vizepräsident des Komitees Christoph Heubner am Montag.

Diese werteten Jargon und Inhalte der "schäbigen Botschaften" als persönliche Angriffe. Sie seien ein Versuch, die Überlebenden und ihre Erinnerungen aus der Deutschen Gesellschaft herauszudrängen.

Der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon hatte ein Ende der Stolperstein-Aktionen gefordert.

In der AfD gilt der Politiker als Antisemit

Wolfgang Gedeon fordert ein Ende der Stolperstein-Aktionen.
Wolfgang Gedeon fordert ein Ende der Stolperstein-Aktionen.  © DPA

"Es gibt angemessenere Arten des Gedenkens im Rahmen von Gedenkstätten, von denen wir hier genügend haben", schrieb der 70-Jährige an den Oberbürgermeister und den Gemeinderat der Stadt Singen. Gedeon hatte den Appell auch auf seiner Internetseite veröffentlicht.

"Mit ihren Aktionen versuchen die Stolperstein-Initiatoren ihren Mitmenschen eine bestimmte Erinnerungs-Kultur aufzuzwingen und ihnen vorzuschreiben, wie sie wann wessen zu gedenken hätten. Wer gibt diesen oft sehr penetranten Moralisten das Recht dazu?", schreibt Gedeon.

Der Arzt Gedeon gilt auch parteiintern einigen als Antisemit. Ein Landesschiedsgericht der AfD hatte ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn im Dezember aus Mangel an Beweisen eingestellt. Der Abgeordnete bleibt im Landtag aber aus der Fraktion ausgeschlossen; er sitzt dort als Einzelabgeordneter.

Stolpersteine werden seit vielen Jahren deutschlandweit verlegt. Sie erinnern an die Opfer der NS-Herrschaft - in der Regel jeweils vor dem letzten Wohnsitz der Betroffenen.

Titelfoto: DPA


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