MOPO24 beim Bäcker, der sich mit Lidl anlegt

Bäcker Stefan Richter (35) in seiner Backstube.
Bäcker Stefan Richter (35) in seiner Backstube.

Von Juliane Bauermeister und Ben Sommer

Bautzen - Die neue Werbekampagne vom Discounter Lidl traf Bäcker Stefan Richter (35) direkt ins Herz - allerdings eher schmerzlich. Er beschloss, sich gegen den Lebensmittel-Riesen zu wehren: Jetzt ist er ein Star im Netz!

Im 2585-Einwohner-Ort Kubschütz bei Bautzen führt Richter eine kleine Bäckerei. Seit fünf Generationen wird hier das Backhandwerk praktiziert.

Die neue Werbung des Supermarktriesen machte den Ladenchef wütend. Lidl erklärt auf Werbeplakaten und auf der Homepage, woran man gutes Brot erkennt: An den Zutaten, am Aussehen, an der Frische und an einem guten Preis.

„Die Kampagne von Lidl richtet sich ganz explizit gegen das Handwerk“, sagt der Bäckermeister.

„Die Behauptung, dass gutes Brot billig sein muss, bringt mich auf die Palme. Lidl kauft die Backzutaten in großen Mengen billig ein, produziert zentralisiert und setzt auf Maschinen statt Fachpersonal. Da fehlt mir der Respekt vor dem Produkt.“

In seiner Wut veröffentlichte Richter auf Facebook eine ironische Bewerbung an die Supermarktkette. „Ab dem Zeitpunkt, an dem Ihre Werbekampagne mehr als 50 Prozent unserer jetzigen Kundschaft überzeugt hat, stehe ich Ihrem Unternehmen zur Verfügung“, heißt es in dem Schreiben.

„Gern nehme ich auch den Weg in einen Ihrer Produktionsstandorte außerhalb Deutschlands in Kauf. So mobil wie ein tiefgefrorener Teigling bin ich ebenfalls.“

Der Discounter hat sich dazu bereits zu Wort gemeldet.

Lidl-Sprecherin Eva Groß: „Es liegt uns absolut fern, uns bei unserer Positionierung gegen das traditionelle Backhandwerk und dessen zweifelsfrei anerkannte Leistungen auszusprechen. Wir stellen keinesfalls die Produkte aus traditioneller Herstellung oder deren Qualität infrage.“

Damit ist das Thema allerdings noch lange nicht beendet. Wer bei Facebook aktuell #lidllohntnicht eingibt, landet mitten in einer großen Diskussion über Qualiät von Supermärkten, gespritztem Obst, giftigen Konservierungsstoffen und unfreundlichen Verkäufern.

Fazit: Ein kleiner Bäcker aus Sachsen hat erreicht, was Organisationen wie "Foodwatch" (Die Essensretter) gern wollen, aber oft nicht schaffen: nämlich eine nachhaltige und wahrhaftige Diskussion auslösen. Ein großer Erfolg!

Hier nochmal der Brief des Bäckers an Lidl

Fotos: Ben Sommer


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