Tagebau-Bagger bedrohen die Totenruhe!

Pfarrer Ulrich Seidel (63) hat Angst, dass durch den neuen Tagebau die Gräber auf dem örtlichen Friedhof absacken.
Pfarrer Ulrich Seidel (63) hat Angst, dass durch den neuen Tagebau die Gräber auf dem örtlichen Friedhof absacken.

Von Andrzej Rydzik

Leipzig - In einem kleinen Ort bei Leipzig regt sich heftiger Widerstand. Das örtliche Tonwerk will über eine Dauer von mindestens 60 Jahren eine neue Tongrube erschließen. Für den Stadtpfarrer ein Frevel sondergleichen. Denn die Grube soll bis auf 30 Meter an den Friedhof herankommen, Gräber könnten absacken.

Brandis ist bekannt für seine reichen und hochwertigen Tonvorkommen. Seit 15 Jahren schon geistern Pläne um die neue und 30 Hektar große Tongrube durch die Kleinstadt - nun werden sie konkreter. Schon in diesem Jahr könnte der Abbau beginnen, was viele Bürger und den evangelischen Pfarrer Ulrich Seidel (63) nicht nur wegen zu erwartenden Lärm- und Staubbelästigungen verunsichert.

Der Brandiser Pfarrer Ulrich Seidel (63) ist empört. Nur rund 30 Meter vom städtischen Friedhof (Kreis) entfernt soll über Jahrzehnte auf 30 Hektar Fläche (gelb) Ton abgebaut werden.
Der Brandiser Pfarrer Ulrich Seidel (63) ist empört. Nur rund 30 Meter vom städtischen Friedhof (Kreis) entfernt soll über Jahrzehnte auf 30 Hektar Fläche (gelb) Ton abgebaut werden.

„Die Folgen des Tagebaus sind klar. Die Würde des angrenzenden städtischen Friedhofs als Ort des Gedenkens und eben des Friedens wäre dahin“, schimpft der Geistliche und sieht noch größeres Unheil kommen: „Bei Erdbestattungen gibt es ohnehin schon Probleme mit hohem Grundwasser. Durch die künftigen Baggerarbeiten befürchte ich, dass die Gräber plötzlich absacken. Wir müssten den Friedhof tatsächlich auflösen und verlegen.“

Mahnendes Beispiel sei der Friedhof in Zöbigker bei Markkleeberg, der in jüngster Vergangenheit von Tagebau-Baggern verdrängt wurde. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt dem Pfarrer aber noch: „Für den Tonabbau in Brandis liegt noch keine Genehmigung vor.

Derzeit wird bei der Landesdirektion Sachsen ein Raumordnungsverfahren hierfür geführt. Erst nach Abschluss des Verfahrens kann ein Abbau-Antrag beim Oberbergamt gestellt werden“, erklärt Oberberghauptmann Bernhard Cramer (49) vom Sächsischen Oberbergamt.

Fotos: fotojump, google earth


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