Bahn-Irrfahrt durch Bonn hat nun Folgen für ganz NRW

Düsseldorf/Bonn – Nach der kilometerlangen Fahrt einer außer Kontrolle geratenen Straßenbahn in Bonn (TAG24 berichtete) sollen alle rund 1700 Straßenbahnen in Nordrhein-Westfalen umgerüstet werden.

Im Dezember 2019 war eine Bahn in Bonn nach der Ohnmacht des Fahrers minutenlang ohne Kontrolle gefahren (Archivbild).
Im Dezember 2019 war eine Bahn in Bonn nach der Ohnmacht des Fahrers minutenlang ohne Kontrolle gefahren (Archivbild).  © Roberto Pfeil/dpa

Das hat die Bezirksregierung Düsseldorf als Konsequenz aus dem Vorfall angeordnet. Die sogenannte Totmann-Schaltung müsse künftig vom Fahrer regelmäßig alle 15 Sekunden betätigt werden.

Bisher musste sie permanent betätigt werden. Weil der bewusstlose Fahrer in Bonn sie trotz Ohnmacht gedrückt hielt, war die Bahn mit Tempo 80 unkontrolliert 6,5 Kilometer weit die Nacht gerast. Erlaubt sind auf der Strecke 70 Stundenkilometer.

Dabei seien 13 Bahnübergänge überfahren worden, fünf davon waren nicht vollständig gesichert, berichtete die technische Aufsichtsbehörde am Dienstag nach der Untersuchung des "bisher bundesweit einmaligen Vorfalls". Zwar hätten die Ampeln auf der Strecke für den Straßenverkehr bereits Rot gezeigt, aber die Schranken seien noch nicht alle geschlossen gewesen.

Fahrgäste hatten die Tür zur Fahrerkabine aufgebrochen und die Bahn nach fünfeinhalb Minuten zum Stehen bringen können. Auch das mehrfache Ziehen der Notbremse war zuvor wirkungslos geblieben. Insgesamt waren rund 20 Fahrgäste in der Bahn. Sie kamen mit dem Schrecken davon.

Umrüstung der Bahnen soll bis 2022 erfolgen

Nach dem Vorfall in Bonn sollen alle 1700 Straßenbahnen in NRW umgerüstet werden (Archivbild).
Nach dem Vorfall in Bonn sollen alle 1700 Straßenbahnen in NRW umgerüstet werden (Archivbild).  © Roberto Pfeil/dpa

Technisch hätten die Systeme aber einwandfrei funktioniert. Es habe kein Defekt vorgelegen, auch organisatorisch seien keine Fehler entdeckt worden.

Die Notbremse sei bewusst überbrückt gewesen, damit die Bahn nicht beispielsweise in einem brennenden Tunnel voller Rauch zum Stehen kommt, wenn sie von einem Fahrgast gezogen wird. Das Ziehen der Notbremse habe beim Fahrer wie geplant ein Warnsignal ausgelöst, das er hätte bestätigen müssen.

Künftig muss die Totmann-Schaltung alle 15 Sekunden ein Lebenssignal des Fahrers erhalten. Andernfalls wird eine Zwangsbremsung eingeleitet. Die Nahverkehrsunternehmen bekommen für die Umrüstung zwei Jahre Übergangsfrist. Die durch die Maßnahme entstehenden Kosten konnte die Behörde nicht beziffern.

Modernere Züge könnten wahrscheinlich umprogrammiert werden, berichteten die Experten der Behörde. Bei älteren Bahnen könne es sein, dass ein neuer Stromkreis eingebaut werden müsse.

Titelfoto: Roberto Pfeil/dpa


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