Bahn ändert Service: Kostenfreies Angebot für Behinderte wird eingestellt

Schwerin - Die Organisation einer Bahnfahrt ist für Behinderte seit dem 1. Februar 2019 noch aufwendiger geworden. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind die beeinträchtigten Menschen die Verlierer in einem Streit zwischen einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn und weiteren Privatanbietern.

Ein Mann hilft einer Frau im Rollstuhl aus einem Regionalzug.
Ein Mann hilft einer Frau im Rollstuhl aus einem Regionalzug.  © DPA

Bisher konnten geh- oder sehbehinderte Menschen Hilfe - etwa beim Einsteigen - unter einer einheitlichen Rufnummer bei der Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) der Deutschen Bahn beantragen, egal mit welcher Bahngesellschaft sie reisen wollten.

Der Service war auch für die anderen Bahnen kostenlos und unter einer Rufnummer gebündelt. Seit dem 1. Februar will die DB nun Geld dafür haben, wie der Geschäftsführer der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG), Arnulf Schuchmann, am Dienstag sagte.

"Wir haben das nicht kalkuliert, wir können uns das nicht leisten", erklärte er. Zudem habe die ODEG eine eigene Servicenummer und Personal, das ebenfalls Hilfe gewähre. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband nennt die Änderung einen Skandal.

Die Reisenden müssten bei einer Fahrt mit der ODEG oder einer anderen Gesellschaft jetzt immer direkt deren Nummer wählen. Zuvor hatte der Sender NDR 1 Radio MV über die Bahn-Änderung berichtet.

Der Verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Schulte, forderte, den Streit zwischen der Deutschen Bahn und einigen Privatbahnen nicht auf den Rücken von Menschen mit Beeinträchtigungen auszutragen.

"Die SPD-Landtagsfraktion wird daher beantragen, dass sich der Verkehrsausschuss des Landtages mit dem Thema beschäftigt", sagte er.

"Wir werden mit den Verkehrsbetrieben und den Behindertenverbänden gemeinsam diskutieren, wie eine Übergangsregelung bis zur Klärung der rechtlichen Fragen aussehen kann."

Schuchmann sagte hingegen, auch bisher hätten schon viele Behinderte die ODEG-Nummer gewählt. So erhalte der Servicemitarbeiter im Zug bei Dienstantritt eine Meldung, wo und wann Hilfsbedürftige zusteigen.

Eine Sprechstelle neben einem Platz für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste soll die Fahrt erleichtern.
Eine Sprechstelle neben einem Platz für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste soll die Fahrt erleichtern.  © DPA

Titelfoto: DPA


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