Hat HSV-Spieler Bakery Jatta beim Asyl-Verfahren getrickst?

Hamburg - Wer ist Bakery Jatta wirklich? Diese Frage werfen Recherchen der Sport Bild auf.

Pierre-Michel Lasogga bejubelt mit Bakery Jatta (rechts) ein Tor. (Archivbild)
Pierre-Michel Lasogga bejubelt mit Bakery Jatta (rechts) ein Tor. (Archivbild)  © dpa/Friso Gentsch

Demnach könnte der Fußball-Profi, der für den Hamburger SV spielt, falsche Angaben zu seiner Identität gemacht haben.

Die wochenlangen Recherchen von Sport Bild hätten zahlreiche Indizien hervorgebracht, die dafür sprechen.

Dem Bericht zufolge könnte Bakery Jatta in Wirklichkeit Bakary Daffeh heißen und statt 21 bereits 24 Jahre alt sein.

Grund für die mutmaßlich falschen Angaben könnte sein Asylverfahren gewesen sein.

Als Jatta im Sommer 2015 bei Bremen als Flüchtling aufgenommen wurde, soll er angegeben haben, minderjährig zu sein. Somit konnte er besonderen Schutz in Anspruch nehmen und im Land bleiben.

Nach den Recherchen von Sport Bild könnte er zu dem Zeitpunkt aber bereits volljährig gewesen sein.

HSV-Sportchef äußert sich zur Recherche

Bakery Jatta spielt seit 2016 für den HSV.
Bakery Jatta spielt seit 2016 für den HSV.  © dpa/Christian Charisius

Außerdem soll Jatta entgegen vorheriger Behauptungen in seiner vorherigen Heimat Gambia Fußball - sogar für die U20-Nationalmannschaft - und bei Clubs im afrikanischen Ausland gespielt haben.

Seit 2016 ist Jatta beim HSV. Damals stellte er sich als Flüchtling beim Probetraining vor und wurde aufgenommen. Kürzlich wurde sein Vertrag bis 2024 verlängert.

Mehrmalige Versuche mit Jatta ins Gespräch zu kommen, um ihn mit den Vorwürfen zu konfrontieren, seien laut Sport Bild abgelehnt worden.

Dafür hat sich HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann geäußert.

Er sagte der Sport Bild: "Wir haben Bakery Jattas gültigen Reisepass inklusive Aufenthaltsgenehmigung vorliegen."

Ob damit alle Zweifel ausgeräumt sind, wird sich zeigen. Die Sport Bild hat sogar mehrere Zeugen für ihren Verdacht ausfindig gemacht.

Update, 10.45 Uhr

Der HSV wird sich nach derzeitigem Stand nicht weiter zu den Vorwürfen äußern, machte ein Sprecher klar.

Einzig das oben genannte Zitat von Bernd Hoffmann wird bestätigt.

Außerdem sagte der Klubchef: "Bakery hat sich seit seiner Ankunft bei uns als tadelloser Sportsmann und als verlässlicher Mitspieler gezeigt. Er hat sich schnell in unsere Mannschaft und in unseren Club integriert. Wir schätzen ihn als Spieler und Menschen."

Dennoch ist davon auszugehen, dass der HSV die Angelegenheit nicht so einfach aussitzen kann.

Update, 15.30 Uhr: DFB und Behörde nehmen Ermittlungen auf

Der Fall Jatta beschäftigt mittlerweile nicht mehr nur den Hamburger SV, sondern auch den Deutsche Fußball-Bund (DFB) und das Bezirksamt Hamburg-Mitte. Wie eine Sprecherin mitteilte, werde die Behörde nun "den Fall intensiv prüfen und den Hinweisen nachgehen".

Der DFB bestätigte am Mittwoch ebenfalls, dass er sich mit dem Fall beschäftigen werde. "Der Kontrollausschuss wird den Sachverhalt untersuchen", sagte Gremiumsvorsitzender Anton Nachreiner.

Update, 18.18 Uhr: Nürnberg erwägt Protest

Weil Bakery Jatta am Montag im Spiel beim 1. FC Nürnberg in der Startelf stand, erwägen die Franken offenbar einen Protest. "Natürlich sollten die Punkte grundsätzlich auf dem grünen Rasen und nicht am grünen Tisch verteilt werden", sagte Sportvorstand Robert Palikuca.

Die Chancen sind jedoch sehr gering, da die HSV-Verantwortlichen den DFB sogar über die Veröffentlichung des Berichtes über Jatta informierten und keinerlei Einspruch gegen einen Einsatz erhoben wurde.

Update, 19.25 Uhr: Einspruch offiziell

Nun ist es amtlich! Der 1. FC Nürnberg hat Einspruch gegen die Wertung des Punktspiels gegen den Hamburger SV eingelegt. Der Club begründet dies laut einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vom Mittwochabend mit der Berichterstattung über die Zweifel an der Identität von HSV-Spieler Bakéry Jatta.

Die Hamburger hatte am Montag in Nürnberg mit 4:0 gewonnen. Jatta stand in der Startelf und spielte 65 Minuten.

Das zuständige DFB-Sportgericht habe den Hamburger SV bereits angeschrieben und um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten, hieß es in der DFB-Mitteilung. Das Gremium werde zu gegebener Zeit über den Einspruch zu befinden haben.

Titelfoto: dpa/Friso Gentsch

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