Nach Horror-Unfall mit zwei toten Kindern: Psychologe erklärt, was nun wichtig ist

Balderschwang - Aus einer Gaudi wurde schlagartig eine Tragödie, als zwei Kinder in Balderschwang in Bayern von einem Traktor überrollt wurden. Zwei weitere Jugendliche mussten den tödlichen Unfall miterleben. Kinderpsychologe Simon Finkeldei ist auf solche Krisen spezialisiert - und weiß deshalb, was genau nun wichtig ist.

Die zuständige Polizei untersucht den Traktor in der Folge des Unfalls.
Die zuständige Polizei untersucht den Traktor in der Folge des Unfalls.  © dpa/Benjamin Liss

Kinder brauchen nach einem fürchterlichen Ereignis wie dem Traktorunfall in erster Linie haltgebende Eltern, damit ihre Seele in der Folge nicht dauerhaft Schaden nimmt.

"Bei jüngeren Kindern ist die Kompetenz der Großen, an denen sich das Kind orientiert, entscheidend dafür, ob sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt oder nicht", betonte der Finkeldei von der Aetas-Kinderstiftung in München. Und: "Es hängt sehr davon ab, wie es in den nächsten vier, fünf Wochen weitergeht."

Bei dem Unfall vom Wochenende hatte ein 13-Jähriger drei Freunde im Frontcontainer eines Traktors umhergefahren, als ein 10 Jahre alter Junge und ein 13 Jahre altes Mädchen herausgeschleudert und überrollt wurden. Eine 12-Jährige blieb körperlich unverletzt, wurde aber ebenso wie der Fahrer des Gefährts schwer traumatisiert.

Sie werden derzeit von Psychologen betreut.

Finkeldei ist auf Krisenintervention bei Kindern spezialisiert und weiß auch aus diesem Grund, dass es für sie nun vor allem auf ihr engstes Umfeld ankommt."Wir haben kleine Seefahrer in einem traumatischen Sturm, da versuchen die sich am Leuchtturm zu orientieren, und von dessen Qualität hängt jetzt viel ab", verwendete der Psychotherapeut ein Bild aus der Seefahrt. Eltern hätten für Kinder per se eine zentrale Orientierungsfunktion, und sie hätten jetzt zwei wichtige Funktionen.

Hilfe für Kinder nach Tragödie von enormer Bedeutung

Bei einem Traktorunfall sind zwei Kinder tödlich verletzt worden.
Bei einem Traktorunfall sind zwei Kinder tödlich verletzt worden.  © News5/Liss

"Es geht zum einen um Verbindung: Ich sehe dich, ich habe eine Idee, was das für dich bedeutet", erläuterte Finkeldei. Und darüber hinaus auch um Orientierung: "Wir sind die Großen, wir wissen, wie das geht, wie man auch mit heftigen Gefühlen wie Trauer, Schuld oder Scham umgeht."

Damit Erwachsene lernen können, wie das geht, und neben dem eigenen Schmerz dazu in der Lage sind, sei nicht selten für sie Unterstützung sinnvoll.

Die Kinder etwa in Balderschwang müssten jetzt nicht nur den Verlust ihrer Freunde verkraften, sondern auch damit klarkommen, schlagartig im Mittelpunkt zu stehen und Etiketten angeheftet zu bekommen oder gar vorverurteilt zu werden.

Zwar mache längst nicht jedes schlimme Ereignis psychisch krank, betonte Finkeldei. Doch oft bräuchten betroffene Kinder Hilfe, um zum einen auch mal abschalten zu können, zum anderen um sich angemessen mit dem so grauenhaften und tragischen Ereignis auseinandersetzen und gute Antworten auf ihre Fragen finden zu können.

Oft hätten Kinder zum Beispiel massive Schuldgefühle, erzählte Finkeldei. "Dann ist die Frage, wie ich mit der Verantwortung, die ich habe, umgehe - und auch die Verantwortung, die ich nicht habe, von mir weisen kann."

In Balderschwang ist es am Wochenende zu einem tödlichen Traktorunfall gekommen.
In Balderschwang ist es am Wochenende zu einem tödlichen Traktorunfall gekommen.  © News5/Liss

Titelfoto: News5/Liss

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