Auf eigene Rechnung. Baselitz lässt seine Kunstwerke abholen!

„Mondrians Schwester“, die drei Meter hohe Skulptur aus Lindenholz, ist Dreh- und Angelpunkt des Baselitz-Raums.
„Mondrians Schwester“, die drei Meter hohe Skulptur aus Lindenholz, ist Dreh- und Angelpunkt des Baselitz-Raums.

Von Guido Glaner

Dresden - Abgehängt und abtransportiert. Die Leihgaben des Malers Georg Baselitz (77), zehn aus Dresden, zwei aus Chemnitz, sind nun alle nicht nur aus den Ausstellungen entfernt, sondern per Spedition an den Künstler zurückgegangen.

Die Abholung fand am Montag statt, in Chemnitz und in Dresden, ein und dieselbe Spedition. Die Kosten für den Rücktransport habe Georg Baselitz übernommen, sagt die Chemnitzer Generaldirektorin Ingrid Mössinger.

Die Kunstsammlungen müssen nun die aufgerissenen Lücken füllen. Anstelle der entfernten Dauerleihgaben „Rotgrüner“ und „Blick aus dem Fenster“ werden Werke des Malers aus eigenem Bestand gehängt.

Ingrid Mössinger: „Wir besitzen 46 Arbeiten von Baselitz, darunter wunderbare Arbeiten auf Papier, wie etwa eine Reihe Porträts der Brücke-Künstler Schmidt-Rottluff, Heckel und Kirchner. Außerdem großformatige Aquarelle zum Bühnenbild der Oper ’Le Grand Macabre’, das Baselitz vor zwei Jahren für die Oper entworfen hat. Wir werden diese Arbeiten bis Freitag in die Ausstellung integrieren.“

Der ehemalige Baselitz- Raum in der Dresdner Galerie Neue Meister. Einsam prangt Thomas Bayrles „Euro“ an einer Wand.
Der ehemalige Baselitz- Raum in der Dresdner Galerie Neue Meister. Einsam prangt Thomas Bayrles „Euro“ an einer Wand.

Die Chemnitzer Kunstsammlungen gehen damit einen anderen Weg als die Dresdner Galerie Neue Meister, die auf das Hervorholen des eigenen Baselitz-Bestandes (vier Werke) aus dem Depot bewusst verzichtete.

Stattdessen setzt das bekannte „Euro“-Bild von Thomas Bayrle den einzigen Kunsttupfer in dem Raum mit sonst kahlen Wänden.

Wo man in Dresden die Lücke betont, die sich aufgetan hat - möglicherweise auch, um dem Maler Baselitz zu signalisieren, dass seine Rückkehr mit diesen oder anderen Arbeiten willkommen wäre -, will Chemnitz auch weiterhin eine geschlossene Baselitz-Formation präsentieren, die den dramatischen Hintergrund des Bildertausches nicht erkennen lässt.

Die Generaldirektorin: „Ich möchte unseren Museumsbesuchern leere Wände nicht zumuten. Unser Bestand macht es möglich, die Lücken zu schließen. Also tun wir es.“

Noch keine Entscheidung im Leipziger Beckmann-Fall

Mayen Beckmann, Enkelin des Malers Max Beckmann, der auf dem Plakat im Hintergrund zu sehen ist.
Mayen Beckmann, Enkelin des Malers Max Beckmann, der auf dem Plakat im Hintergrund zu sehen ist.

Leipzig - Während der Fall Baselitz mit seinen drei Elementen Aufforderung (durch den Künstler), Abhängung und Abtransport (der Werke) in Dresden und Chemnitz binnen einer Woche abgeschlossen war, erweist sich der Fall Beckmann in Leipzig als Hängepartie.

Kurz nach Baselitz hatte Mayen Beckmann, Enkelin des Malers Max Beckmann (1884-1950), angekündigt, die Werke ihres Großvaters gleichfalls aus den Museen zu holen, was das Museum der bildenden Künste in Leipzig empfindlich träfe.

Die Angelegenheit habe aber „noch keine konkreten Formen“ angenommen, sagte Museumssprecherin Ulrike Otto MOPO24. Eine direkte Aufforderung an das Museum, die betreffenden Arbeiten aus der Ausstellung zu entfernen, sei bisher nicht eingegangen. Direktor Hans-Werner Schmidt sei im Gespräch mit Frau Beckmann, die sich aber momentan im Ausland aufhalte. Ulrike Otto: „Die Sache ruht zurzeit“.

Machte Mayen Beckmann ihre Ankündigung dennoch wahr, wären die Folgen für das Leipziger Museum dramatisch. Von den 400 Beckmann-Werken im Bestand wären als Leihgaben 360 Arbeiten betroffen.

Im Übrigen verfügen auch die Chemnitzer Kunstsammlungen über einen Beckmann-Bestand: zehn Arbeiten auf Papier, dazu einige Werke im Gunzenhauser-Museum. Darunter aber nur eine Leihgabe der Beckmann-Familie, für die, sagt Generaldirektorin Ingrid Mössinger, bisher kein Rückgabeanspruch erhoben worden ist.

Fotos: dpa, Eric Münch


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