"Feine Sahne Fischfilet"-Konzertabsage: Bauhaus zeigt sich wenig reumütig

Dessau-Roßlau - Der Stiftungsrat des Bauhauses Dessau hält die Absage des Konzerts der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet in dem Traditionsbau im Nachhinein für übereilt.

Lange wurde über die Konzertabsage für Feine Sahne Fischfilet im Bauhaus diskutiert. Nun hat die Punkband in der Alten Brauerei Dessau gespielt. Der Bauhaus-Stiftungsrat gibt sich reumütig - aber nur ein wenig. Wird das die Kontroverse beenden?
Lange wurde über die Konzertabsage für Feine Sahne Fischfilet im Bauhaus diskutiert. Nun hat die Punkband in der Alten Brauerei Dessau gespielt. Der Bauhaus-Stiftungsrat gibt sich reumütig - aber nur ein wenig. Wird das die Kontroverse beenden?  © DPA

"Das heißt nicht, dass die Entscheidung falsch gewesen ist", sagte der Stiftungsratsvorsitzende, Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU), am Mittwoch nach einer Sitzung des Gremiums.

Man hätte sich aber mehr Zeit nehmen, die materiellen und ideellen Aspekte abwägen sowie lokale Akteure und fachliche Partner einbeziehen müssen. Bauhaus-Direktorin Claudia Perren stehe für den Stiftungsrat jedoch in keiner Weise in Frage.

Laut Robra hat das Gremium aus Vertretern von Bund, Land und der Stadt Dessau-Roßlau am Mittwoch intensiv diskutiert.

Am Ende stehe eine einstimmige Erklärung. Darin wird bedauert, dass die vielfältige Arbeit des Bauhauses im Moment nicht ausreichend wahrgenommen werde. Der Stiftungsrat will in Zukunft bei Entscheidungen von erheblicher kulturpolitischer Tragweite umgehend eingebunden werden. Zudem hebt er hervor, dass das Bauhaus "in Erinnerung an seine Geschichte und als lebendiger Debatten-Ort heute für eine moderne, offene und vielfältige Gesellschaft steht und für deren Werte eintritt".

Am Vorabend hatte Feine Sahne Fischfilet das vom Bauhaus wegen befürchteter rechter Proteste abgesagte Konzert in der Alten Brauerei gespielt. Dort feierten Hunderte Besucher am Dienstagabend ausgelassen mit den Musikern.

Sänger Jan "Monchi" Gorkow sagte, auf diese Weise könnten sie nicht nur vor 120 Menschen spielen wie es auf der Bauhausbühne möglich gewesen wäre, sondern vor sechsmal so vielen. Er dankte allen, die gegen Rechts Position bezögen und nicht einknickten.

v.l.n.r.: Der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin, Umweltministerin von Sachsen-Anhalt Claudia Dalbert, Britta-Heide Garben und Susan Sziborra-Seidlitz, beide Landesvorsitzende der Grünen in Sachsen-Anhalt.
v.l.n.r.: Der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin, Umweltministerin von Sachsen-Anhalt Claudia Dalbert, Britta-Heide Garben und Susan Sziborra-Seidlitz, beide Landesvorsitzende der Grünen in Sachsen-Anhalt.  © DPA

Vor rund drei Wochen hatte die Stiftung Bauhaus Dessau unter Verweis auf ihr Hausrecht die Absage eines geplanten ZDF-Konzerts auf der historischen Bauhaus-Bühne gefordert.

Sie argumentierte, die Design- und Architekturschule als Unesco-Weltkulturerbestätte solle nicht zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden (TAG24 berichtete). Direktorin Claudia Perren befürchtete Demonstrationen vor der Tür. Rechte Gruppierungen hatten zuvor in sozialen Netzwerken gegen das Konzert mobil gemacht.

Kurz vor dem Dessauer Konzert am Dienstagabend war eine aus dem rechten Spektrum angemeldete Demonstration gegen den Auftritt abgesagt worden. Fischfilet-Frontmann Gorkow reagierte mit einem "hammergeil" auf die Nachricht. Er war zuvor überraschend bei einer Demonstration gegen Rechts und für Kunstfreiheit in Dessau aufgetaucht und hatte den Dessauern und Menschen aus der Region für ihr Engagement gedankt.

Zum Konzert am neuen Ort kamen auch mehrere Politiker der Grünen und Linken, etwa der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin und Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (TAG24 berichtete). Trittin sagte mit Blick auf die Konzertabsage: "Wer die Tradition des Bauhauses ernst nimmt, kann das nicht machen."

Das ZDF zeichnete das Konzert auf und will es am 1. Dezember auf 3sat ausstrahlen - im Rahmen der von Jo Schück moderierten Musiksendung "zdf@bauhaus".


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