Erste Baumhäuser geräumt: Massive Polizeikräfte im Hambacher Forst

Hambach/Kerpen – Im Braunkohlerevier Hambacher Forst wollen die Behörden noch am heutigen Donnerstag mit der Räumung der Baumhäuser von Aktivisten beginnen. Das bestätigte eine Sprecherin der zuständigen Stadt Kerpen auf Anfrage. Die Waldbesetzer kündigten gewaltlosen Widerstand an. Am Donnerstagmorgen wurde die Räumung per Megafon angekündigt und begann dann gegen 10 Uhr.

Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz im Hambacher Forst am Donnerstag (13.09.) vor.
Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz im Hambacher Forst am Donnerstag (13.09.) vor.  © DPA

Das nordrhein-westfälische Bauministerium hatte die Stadt am Mittwochabend angewiesen, die Baumhäuser unverzüglich zu räumen (TAG24 berichtete). "Die Weisung wird jetzt umgesetzt", sagte die Stadtsprecherin.

In der Nähe des Waldgebietes, das zu einem Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle geworden ist, formierte die Polizei am Donnerstagmorgen massive Kräfte.

Waldbesetzer im Hambacher Forst haben gewaltlosen Widerstand gegen die geplante Räumung ihrer Baumhäuser angekündigt. "Für viele ist das ihr Zuhause. Es gibt Menschen, die hier seit sechs Jahren wohnen", sagte Freddy, der am Donnerstag auf einem Baumstamm in etwa zehn Metern Höhe ausharrte.

Die Baumhäuser seien ein europaweit bekanntes Symbol geworden.

Zahlreiche Umwelt- und Klimaschützer saßen vor der geplanten Räumung ihrer Baumhäuser zusammen und berieten über das weitere Vorgehen. In den sozialen Netzwerken riefen sie dazu auf, den Protest im Hambacher Forst zu verstärken.

Massives Polizeiaufgebot: Wasserwerfer stehen bereit

Auch Wasserwerfer und schwere Raumfahrzeuge stehen bereit.
Auch Wasserwerfer und schwere Raumfahrzeuge stehen bereit.  © DPA

Die Stadt Kerpen hat damit begonnen, die Baumbesetzer über den Räumungsbeschluss zu informieren. Per Megafon seien die Aktivisten am Donnerstag aufgefordert worden, die Baumhäuser innerhalb von 30 Minuten freiwillig zu verlassen, sagte ein Sprecher der zuständigen Stadt Kerpen am Donnerstag.

"Wenn sie dann nicht freiwillig runterkommen, dann werden wir mit Hilfe der Polizei die Baumhäuser räumen." Auf diese Weise werde man sich bei den 50 bis 60 Baumhäusern Schritt für Schritt vorarbeiten. "Anschließend werden die Baumhäuser unbrauchbar gemacht", sagte der Sprecher.

Die Polizei bringt sich bereits mit einem Großaufgebot in Stellung, wie dpa-Reporter berichten. Neben zahlreichen Einsatzkräften waren auch Wasserwerfer und schweres Räumgerät im Einsatz.

Der Einsatz gegen die Baumbesetzer im Braunkohlerevier Hambacher Forst gilt bei der Polizei als einer der größten in der jüngeren nordrhein-westfälischen Geschichte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur stehen für die Räumung der Baumhütten sogenannte Höheninterventionsteams bereit, die für derartige Einsätze ausgebildet sind. Aus dem gesamten Bundesgebiet wurden Einsatzkräfte zur Verstärkung in den Hambacher Forst geholt.

Update 9.55 Uhr: Ultimatum verstrichen

Nach Ablauf eines Ultimatums hat die Räumung des Hambacher Forsts begonnen.
Nach Ablauf eines Ultimatums hat die Räumung des Hambacher Forsts begonnen.  © DPA

Zahlreiche Baumbesetzer im Hambacher Forst haben ein Ultimatum der Behörden zur Räumung der Baumhäuser verstreichen lassen. Auch nach Ablauf der 30-minütigen Frist, die ihnen die Stadt Kerpen gegeben hatte, saßen sie am Donnerstag in den Bauten und kündigten Widerstand an. Nun beginnt der angekündigte Polizeieinsatz.

Update, 10.15 Uhr: Massenproteste angekündigt

Umwelt- und Klimaschützer haben als Reaktion auf die Räumung der symbolträchtigen Baumhäuser im Hambacher Forst große Proteste angekündigt.

"Damit beginnt heute eine bundesweite Massenmobilisierung. Tausende Menschen werden sich in den nächsten Tagen mit Demonstrationen, Sitzblockaden und Waldspaziergängen für den Erhalt des Waldes einsetzen", teilten die Initiative Buirer für Buir, Aktivist*innen der Besetzung im Hambacher Forst, Ende Gelände sowie die Aktion Unterholz am Donnerstag gemeinsam mit.

Update, 11.06 Uhr

Die Einsatzkräfte im Braunkohlerevier Hambacher Forst treffen letzte Vorbereitungen für die Räumung einer ersten Plattform der Baumschützer. Eine Arbeitsbühne wurde in Stellung gebracht und ein großes Luftkissen auf dem Boden aufgeblasen, wie dpa-Reporter vor Ort beobachteten. Einsatzkräfte mit Kletterausrüstung bereiteten sich auf den Einsatz vor.

Update, 11.40 Uhr: Erstes Bauwerk entfernt

Polizisten im Hambacher Forst.
Polizisten im Hambacher Forst.  © DPA

Die Polizei hat im Braunkohlerevier Hambacher Forst ein erstes Bauwerk der Baumbesetzer abgebaut. Ein Aktivist, der zuvor auf der Plattform oben auf dem Baumstamm saß, sei unmittelbar vor dem Polizeieinsatz am Donnerstag weggeklettert, sagte ein Polizeisprecher.

Update, 11.55 Uhr: Eilanträge gegen Räumung

Mit zwei Eilanträgen wollen Privatpersonen die Räumung im Hambacher Forst in letzter Minute juristisch stoppen. "Es liegen mittlerweile zwei Anträge vor, die Kammer berät nun darüber", sagte eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts in Köln auf Anfrage.

Eine Entscheidung solle so schnell wie möglich getroffen werden. Unklar sei, ob dies noch im Laufe des Donnerstags möglich sei.

Update, 12.01 Uhr

Die Polizei rechnet mit einem tagelangen und schwierigen Einsatz zur Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst. Sogenannte Höheninterventionsteams aus mehreren Bundesländern seien in dem Wald am Braunkohlerevier im Einsatz, um die rund 50 Baumhäuser in 20 bis 25 Meter Höhe zu räumen, sagte die Polizeichefin NRW, Daniela Lessmeister, am Donnerstag in Düsseldorf. Das könne "viele Tage dauern".

Einsatz wird ausgeweitet

Polizisten und eine Aktivistin bei der Räumung eines Baumhauses.
Polizisten und eine Aktivistin bei der Räumung eines Baumhauses.  © DPA

Update, 13 Uhr

Die Polizei hat im Braunkohlerevier Hambacher Forst einen ersten Aktivisten von einer in der Höhe befestigten Plattform geholt. Der Mann habe keinen Widerstand geleistet und sei auf eine Arbeitsbühne der Polizei-Höhenretter gestiegen, berichtete ein dpa-Reporter.

Update, 14.03 Uhr

Die Einsatzkräfte weiten ihren Einsatz gegen die Baumbesetzer im Hambacher Forst aus. Nachdem am Donnerstagvormittag auf dem Stadtgebiet Kerpen erste Bauten in den Bäumen geräumt wurden, begannen die Behörden am frühen Nachmittag auch von Westen her, auf dem Gebiet des Kreises Düren, ihren Einsatz.

Update, 15.05 Uhr

Laut der Polizei Aachen wurden Beamte von Aktivisten Stahlkugeln aus Zwillen beschossen sowie mit Steinen beworfen. Beamte und Autos der Einsatzkräfte seien zudem mit Molotow-Cocktails beworfen worden.

Einsatz soll in der Dämmerung beendet werden

Der Demonstrant hatte sich mit einer Vorrichtung in dem Haus befestigt.
Der Demonstrant hatte sich mit einer Vorrichtung in dem Haus befestigt.  © DPA

Update, 16.39 Uhr

Inzwischen wurden drei Personen aus den Baumhäusern geholt. Die Polizei kündigt an, in der Dämmerung den Einsatz beenden zu wollen.

Update, 17.35 Uhr: Eilantrag abgelehnt

Das Verwaltungsgericht Köln hat einen Eilantrag gegen die Räumung eines Baumhauses im Hambacher Forst abgelehnt.

Das Einschreiten zur Gefahrenabwehr für den Bewohner selbst und wegen Waldbrandgefahr sei gerechtfertigt, teilte das Gericht mit.

Update, 17.40 Uhr

Ein Polizeifahrzeug aus dem Wald heraus mit zwei Molotowcocktails beworfen. Nur mit Glück wurde niemand verletzt.

Update, 18 Uhr

Für Umweltaktivisten ist der Beginn der Räumung im Hambacher Wald aus Brandschutzgründen ein politischer Skandal. Die Landesregierung schiebt "auf einmal Brandschutzmaßnahmen vor, um ihre Räumung und Rodung zu legitimieren. Das ist nicht nur lächerlich, das ist unverschämt und ein politischer Skandal“, sagte Jan Pütz von der Aktion Unterholz am Donnerstag bei Kerpen.

Dutzende Braunkohlegegner stürmen in Hambacher Wald

Aktivisten bewachen ihre Baumhäuser.
Aktivisten bewachen ihre Baumhäuser.  © DPA

Update , 20.03 Uhr

Mehrere Dutzend Braunkohlegegner sind am Donnerstagabend aus einer Demonstration am Hambacher Forst ausgeschert und zu den in Baumhäusern lebenden Aktivisten gerannt.

Die Polizei schätzte ihre Zahl auf 40 bis 50. An der genehmigten Demonstration gegen die Räumung und für den Erhalt des Hambacher Forstes hätten mehr als 1.000 Menschen teilgenommen, darunter Familien mit Kindern.

Die in den Wald gestürmten Braunkohlegegner wurden lautstark von den in Baumhäusern lebenden Aktivisten begrüßt, wie eine dpa-Reporterin berichtete.

Für den Polizeieinsatz habe dies keine Relevanz, sagte ein Sprecher der Aachener Polizei. Die Räumung von Hindernissen und Baumhäusern werde an diesem Freitag fortgesetzt.

Update, 21 Uhr: Am Donnerstagabend haben sich nach Veranstalterangaben rund 1.600 Menschen in der Nähe des Hambacher Forstes eingefunden und demonstrieren friedlich gegen die Rodung. Die Polizei lässt die Demonstranten allerdings nicht zum Wald durch.

Titelfoto: DPA


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