Von wegen "fast fertig": Wird BER auch 2018 nicht eröffnen?

Was werden Woidke (l) und Müller zu hören bekommen?
Was werden Woidke (l) und Müller zu hören bekommen?  © DPA

Schönefeld/Potsdam/Berlin - "Unser Ziel ist 2018", sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (60) noch in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur Mitte April. Einen Monat später sieht das schon wieder ganz anders aus. Überraschend? Eher selbstverständlich.

Wie die Potsdamer Neusten Nachrichten (PNN) berichtete, berät sich der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft am kommenden Montag, sowie das Berliner und Brandenburger Kabinett am Dienstag über die Zukunft des neuen Großflughafens, die nach wie vor nicht rosig aussieht.

Aktuell herrscht Baustopp auf der Großbaustelle, doch warum eigentlich? Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (52, SPD) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (55, SPD) erwarten Meldung von der neuen Führungsriege. Mit Schönmalerei wird Engelbert Lütke Daldrup diesmal nicht punkten können. Es geht um die Wahrheit und um realistische Prognose eines Eröffnungstermins. Und nicht zu vergessen, wie die finanzielle Lage des BER beschaffen ist.

Statt erhoffter und nicht zuletzt auch angekündigter Fortschritte (der Flughafen sei zu 89 Prozent fertig), geht es eigentlich nur rückwärts.

Spricht Daldrup endlich Tacheles?
Spricht Daldrup endlich Tacheles?  © DPA

Die Liste der Mängel ist lang. Neben zu gering dimensionierter Sprinkleranlagen und fehlerhafter Automatiktüren, ist vor allem das Zusammenspiel aus gescheiterten Tests und Abnahmen für die immer wieder auftretenden Verzögerungen in Sachen Eröffnung verantwortlich. Zudem kommt die schlampige Arbeitsweise von Baufirmen, die unter anderem auch von Technikchef Jörg Marks mitinitiiert werden - wie ein Gutachten von Roland Berger vom März aufdeckte.

Jüngst hatte Flughafenchef Daldrup ein "Risiko-Workshop" durchführen lassen, um weitere Fehlerquellen ausfindig zu machen mit wenigen neuen Erkenntnissen. Abgesehen davon, dass sich auch die Schnittstelle zwischen Bahnhof und Terminal im Falle eines Brandes als Risiko herausgestellt hat.

Es wird noch viel Wasser die Spree herunterfließen bevor das erste Flugzeug starten wird.
Es wird noch viel Wasser die Spree herunterfließen bevor das erste Flugzeug starten wird.  © DPA

Doch um die ganzen Mängel zu beseitigen, bedarf es Gelder in Milliardenhöhe.

Mit jedem Tag der ins Land streicht und der BER nicht eröffnet, wird ein Verlust von 500.000 bis zu einer Millionen Euro eingefahren. Zum Glück kann man in diesem Zusammenhang sagen, dass der Flughafengesellschaft weitere 2,2 Milliarden Euro bewilligt wurden. 1,1 Milliarden Euro sollen für die Ausbesserungen ausgegeben werden, weitere 1,1 Milliarden Euro sollen in die provisorischen Erweiterungen sowie der Schuldentilgung investiert werden, berichten die PNN.

Unter dem Strich kommt mit allen bisherigen Kosten eine stattliche Summe von insgesamt 5,4 Milliarden Euro zusammen. Ob es dabei bleibt, wird sich zeigen. Allein weitere Verschiebungen um jedes Jahr würden 400 Millionen Euro kosten.

Derzeit möchten sich die Verantwortlichen nicht festlegen, wann man in der Lage ist, einen BER-Eröffnungstermin zu nennen. Wie lange wird das noch gut gehen?


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