Namens-Wirrwarr vor Gericht: Falscher "Adam" angeklagt, Prozess geplatzt

Bautzen - Eigentlich sollte am Amtsgericht Bautzen lediglich gegen einen Ahmad Adam (27) aus dem Sudan verhandelt werden. Er hatte laut Anklage Alkohol geklaut. Doch erstens war Adam gar nicht Adam und zweitens platzte der Prozess.

Da half auch kein Protest. Ibrahim M. (36) alias Ahmad Adam wurde noch im Saal verhaftet.
Da half auch kein Protest. Ibrahim M. (36) alias Ahmad Adam wurde noch im Saal verhaftet.  © kmk

Der Reihe nach: Um 9 Uhr trat der Angeklagte vor Amtsrichter Dirk Hertle (56) und erklärte: "Ich heiße Ibrahim M., bin 36 Jahre und Libyer. Ich gab mir den anderen Namen und ein jüngeres Alter aus Angst vor Abschiebung."

Der Richter genervt: "So kann ich nicht arbeiten! Ich muss doch wissen, wer hier auf der Anklagebank sitzt."

Prompt rückte die Polizei zum Identitäts-Schnelltest an. Ergebnis: Das ist nicht wirklich Adam, wie im Ausweis steht. Es ist tatsächlich Ibrahim M.

Nachdem das geklärt war, wurde endlich verhandelt und der erste Zeuge gehört. Dieser hatte als Kunde bei Netto Ibrahim erwischt, als er Wein aus dem Regal nahm.

Schnell war klar: Das war kein versuchter Diebstahl, sondern eine schwere räuberische Erpressung! Denn der Täter zog ein Messer, fuchtelte damit vorm Zeugen rum, der auch noch stürzte. Und Ibrahim konnte mit der Beute fliehen.

Damit droht dem falschen Adam aber eine viel höhere Strafe, als das Amtsgericht verhängen dürfte. Und so klappte der Richter die Akte gegen Mittag zu, gab den Fall ans höhere Landgericht ab.

Zuvor aber ließ Dirk Hertle den falschen Adam noch im Saal verhaften. Wegen Fluchtgefahr.

Amtsrichter Dirk Hertle (56) war alles anderer als amüsiert über den "falschen Adam". Er gab den Fall ans Landgericht ab.
Amtsrichter Dirk Hertle (56) war alles anderer als amüsiert über den "falschen Adam". Er gab den Fall ans Landgericht ab.  © Sebastian Kahnert/dpa

Titelfoto: kmk


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