Angst vor Ratten: Omi zündet Fladenbrotbäckerei an

Anna S. (71) brach im Prozess immer wieder in Tränen aus. Sie hatte ob
des Unrates auf dem Nachbargrundstück die Nerven verloren.
Anna S. (71) brach im Prozess immer wieder in Tränen aus. Sie hatte ob des Unrates auf dem Nachbargrundstück die Nerven verloren.

Bautzen - Der Unrat vom Nachbargrundstück stank Anna S. (71) gewaltig. Mit reichlich Rotwein im Blut fasste sie einen folgenschweren Entschluss: Silvester 2016 legte die Omi in Scheckwitz bei Kubschütz Feuer im Hof der Fladenbäckerei. Am Dienstag saß die ehemalige Gärtnerin deshalb vorm Amtsrichter in Bautzen. Wegen Brandstiftung!

„Das Maß war voll“, schluchzte Omi Anna. „Alles lag voller Müll, überall waren Ratten. Ich hatte Angst um meine Hühner.“ Anna S. hatte beim Fladenbäcker sogar ab und an geputzt, die Nachbarschaft war gut miteinander. „Aber ich hab ihm aber immer wieder gesagt, dass es so nicht geht. Angeblich bemängelte auch die Hygiene nie was.“

Nach „ein paar Gläseln Rotwein“ schnappte sich Anna mit 1,2 Promille im Blut das Feuerzeug und stiefelte in den Nachbarhof. „Ich hab nur Mehlsäcke angezündet. Dass es so lodert, hab ich doch nicht gedacht.“

Am Neujahrsmorgen sah die Rückwand der
Fladenbrotbäckerei mächtig demoliert aus. Hier hatte die Seniorin am Abend
zuvor  Feuer gelegt.
Am Neujahrsmorgen sah die Rückwand der Fladenbrotbäckerei mächtig demoliert aus. Hier hatte die Seniorin am Abend zuvor Feuer gelegt.

Innerhalb von zwei Minuten fackelt es im Hinterhof, griffen die Flammen aufs Vordach über.

Sofort alarmierte Anna ihren Mann Erich (81) und Nachbarn Marvin R . (40), der bei der Feuerwehr aktiv ist. „Ich wollte gerade mit Frau und Kindern zur Silvesterfeier starten“, so der Nachbar, der stattdessen die Kollegen alarmierte und löschte.

Den Schaden von über 4000 Euro hat Anna bezahlt. Die Fladenbäckerei hat einen neuen Besitzer. „Jetzt ist dort alles ordentlich“, sagt auch Nachbar Marvin.

„Dennoch“, so Richter Dirk Hertle (54) zur Angeklagten. „Selbstjustiz geht nicht. Da hätte ja wer weiß was passieren können.“ Anne S. nickte: „Ja. Mein Mann hat geschimpft, meine drei Töchter auch. Denen hab ich gesagt, `Die Mutti hat das gemacht.‘` Es tut mir so leid.“

Mit der bisher nicht vorbestraften Seniorin ließ der Richter aber Milde walten. Urteil: acht Monate auf Bewährung.

Die Überwachungskamera filmte die Seniorin beim Zündeln. In Windeseile fackelte es am Anbau.


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