Nach Husarenhof-Brand: Erholt sich Bautzen jemals vom braunen Image?

Am Morgen des 21. Februar brannte der "Husarenhof".
Am Morgen des 21. Februar brannte der "Husarenhof".  © DPA

Bautzen - Zuerst war es nur ein Feuer: Vor einem Jahr, am Morgen des 21. Februar, brannte das ehemalige Bautzner Hotel „Husarenhof“ (TAG24 berichtete). Doch schnell stand der Vorfall für einen vermeintlich unzivilisierten Ort in Sachsen. Ein Stigma, gegen das die Stadt noch heute kämpft.

„Das Image von Bautzen ist langfristig beschädigt und bedarf eines intensiven Arbeitsprozesses aller demokratisch orientierten Kräfte in der Stadt“, sagt OB Alexander Ahrens (51, parteilos).

Auch wenn es keine nennenswerten Auswirkungen auf Buchungen oder Geschäftsbeziehungen gegeben habe.

Aber: Bis heute halten sich bundesweit Gerüchte. Von einer politisch motivierten Tat, von massiven Störern und Beifallsbekundungen durch Passanten. Daher kontert die Stadt zum Jahrestag mit einer Erklärung: Bislang stehe nichts fest. Es gab bestenfalls Störer, aus denen erst, weil sie den Aufforderungen der Polizei nicht Folge leisteten, ganze drei „massive Störer“ wurden, plus 15 bis 20 Gaffer.

Der richtige Mann am richtigen Platz: Stadtoberhaupt Alexander Ahrens (51, 
parteilos) kämpft weiter für das Image der Stadt.
Der richtige Mann am richtigen Platz: Stadtoberhaupt Alexander Ahrens (51, parteilos) kämpft weiter für das Image der Stadt.  © DPA

Trotzdem wurde die Stadt als „hasserfüllt und ausländerfeindlich“ bewertet.

Also lief die PR-Mühle: Ahrens ging in Talkshows; man richtete rund 50 Veranstaltungen wie die Demokratiewochen, Straßenfeste, Ausstellungen, Foren, Kino, Themenworkshops aus.

Doch da gibt es auch noch die Schattenseiten: Es existieren organisierte Neonazi-Gruppen, die gewaltsam gegen Flüchtlingsunterstützer vorgehen.

So wurde Ende 2016 ein Mitglied der Linksjugend durch einen Flaschenwurf so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus musste. Historikerin Annalena Schmidt unterstützt ehrenamtlich Flüchtlinge in Bautzen: „Die Übergriffe häufen sich, werden nur außerhalb Bautzens nicht so wahrgenommen“, sagt sie. „Ich selbst werde mitunter namentlich in der Innenstadt angesprochen und bedroht.“

Bei anderen wurden die Wohnhäuser mit Parolen beschmiert ...

Meine Meinung: Bautzen - mon amour...

Bautzen mit Herz: Bürger bilden eine Lichterkette für Toleranz.
Bautzen mit Herz: Bürger bilden eine Lichterkette für Toleranz.  © xcitepress

Kommenden Dienstag steht ein fragwürdiges Jubiläum an: Vor einem Jahr brannte der „Husarenhof“ in Bautzen. Ein Großfeuer, wie es durchaus mal vorkommt.

Doch der „Husarenhof“ sollte ein Asylbewerberheim werden. Das führte zu fatalen Reaktionen auf allen Seiten. Viele Leute wollten sehr schnell wissen, warum der Hof brannte. Viele orteten die Täter schnell im rechten Milieu. Weil Bautzen in Sachsen liegt, war schnell klar, dass das alles „wieder mal typisch ist“.

Aber nichts ist typisch und nichts ist klar. Bis jetzt ist unklar, ob’s überhaupt eine politisch motivierte Tat war. Dass am Rande Dumpfbacken pöbelten, ist wahr - aber eben nicht typisch sächsisch, typisch Bautzen. Gleich gar nicht berechtigt(e) es zu Verurteilungen einer ganzen Stadt.

Aber Fakt ist auch: Noch immer geraten rechte Gruppen mit jugendlichen Asylbewerbern aneinander. Was man aber keinesfalls auf alle Bautzner reproduzieren darf. Diese primitiven Gewaltakte sind - oft auf beiden Seiten - Ausdruck von Perspektiv- und Haltlosigkeit. Werte fehlen. Selbstüberhöhung dominiert. Vielleicht ist es auch ein primitiver Ersatz: Früher kloppte sich die Jugend mit der vom Nachbardorf.

Damit darf die anhaltende brutale Jagd Rechter auf Linke oder Ausländer nicht bagatellisiert werden. Auch das ausgerechnet in Bautzen Deutsche gegen Sorben hetzen, macht einen einfach sprachlos.

Aber Bautzen ist eben kein „Nest“ von Neonazis. Bautzen ist, seien wir gerecht, eine Stadt wie andere - in der sich die Probleme unserer Zeit im Zentrum bündeln. Die Stadt ist nicht besser oder schlechter. Ich liebe Bautzen.