Heiliger Bimbam! In Callcentern redet die Kirche jetzt sonntags mit

Bautzen - Sieg für die evangelische Landeskirche: Sie darf bei Entscheidungen zur Genehmigung von Sonntagsarbeit in Callcentern mitreden. Der Freistaat muss sie beteiligen, entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) und wies damit eine Berufung des Freistaats zurück.

Landesbischof Carsten Rentzing (51): Seine Kirche darf künftig bei Sonntagsarbeit in Callcentern mitreden.
Landesbischof Carsten Rentzing (51): Seine Kirche darf künftig bei Sonntagsarbeit in Callcentern mitreden.  © dpa/Sebastian Kahnert

Denn die Kirche sei im Grundrecht auf Religionsfreiheit betroffen. Hintergrund: Die Kirche hatte Wind von Ausnahmegenehmigungen der Landesdirektion für Callcenter bekommen, um Beteiligung gebeten.

Die Landesdirektion hatte dies aber abgelehnt - mit Verweis auf das Arbeitszeitgesetz. Das Bundesgesetz gestehe eine Beteiligung nur denjenigen zu, die in eigenen Rechten betroffen seien, so die Argumentation.

Die Kirche klagte erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht Dresden. Das OVG bestätigte das Urteil nun. Schon das Verwaltungsgericht hatte festgestellt, dass die Normen des Arbeitszeitgesetzes generell dem Schutz der Sonn- und Feiertagsruhe dienen. Die Einhaltung der Sonntagsruhe könne die Kirche aufgrund einer Bestimmung der Weimarer Reichsverfassung einfordern.

Diese Norm werde im Artikel 140 des Grundgesetzes für weiterhin anwendbar erklärt. Das Urteil gilt aber nur für Callcenter. Mitspracherecht bei anderen Branchen müsse die Kirche einfordern bzw. einklagen, so eine Gerichtssprecherin.

Sonntagsarbeit in Callcentern muss von der Landesdirektion genehmigt werden.
Sonntagsarbeit in Callcentern muss von der Landesdirektion genehmigt werden.  © dpa/Jörg Carstensen

Titelfoto: dpa/Sebastian Kahnert, dpa/Jörg Carstensen

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