Wegen Nazi-Kontakten: Bautzens Landrat entmachtet seinen umstrittenen Vize

Udo Witschas (45, CDU) sorgt für bundesweite Schlagzeilen. Er beteuert, die 
rassistische Ideologie der NPD „entschieden“ abzulehnen.
Udo Witschas (45, CDU) sorgt für bundesweite Schlagzeilen. Er beteuert, die rassistische Ideologie der NPD „entschieden“ abzulehnen.  © Norbert Neumann

Bautzen -Der enge Kontakt zur rechtsextremen NPD (TAG24 berichtete) hat Konsequenzen für den Bautzner Vize-Landrat Udo Witschas (45, CDU). Er ist ab sofort nicht mehr zuständig fürs Ausländeramt. Einen Rücktritt hält sein Chef aber für unnötig. Daher schlagen die Wellen weiter hoch - auch in der Landespolitik.

Witschas hatte sich mit Marco Wruck (32) über drei Stunden ausgetauscht, der zu diesem Zeitpunkt noch Bautzner NPD-Chef war. Dabei ging es u.a. um Flüchtlinge und Asyl. MDR und „Sächsische Zeitung“ hatten auch Chats veröffentlicht, die von einem engen Verhältnis zeugten.

Landrat Michael Harig (56, CDU) hat seinem Vize nun das Ausländeramt entzogen und es sich selbst unterstellt. Über die künftige Zuständigkeit entscheidet der Kreistag. Harig bewertete Witschas’ Verhalten als „Fehlleistung“.

In Bautzen haben einige kein Problem mit Ex-NPD-Mann Marco Wruck (32). 
Mehrere Politiker trafen sich schon mit ihm.
In Bautzen haben einige kein Problem mit Ex-NPD-Mann Marco Wruck (32). Mehrere Politiker trafen sich schon mit ihm.  © Ove Landgraf

„Wir wollen damit das Vertrauen zu den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern wieder herstellen“, so Harig. „Willkommen in Bautzen“ hatte nämlich die Zusammenarbeit eingestellt.

Witschas selbst entschuldigte sich für „fehlerhafte Formulierungen“ und einen „komplett falschen Ton“. Er habe in guter Absicht falsche Entscheidungen getroffen. Vom Vorwurf, Dienstgeheimnisse verraten zu haben, sprach ihn sein Chef frei. Daher sei ein Rücktritt nicht verhältnismäßig, so Harig. Witschas bleibt damit sein Vize mit umfangreichen Kompetenzen. Dienstrechtliche Konsequenzen? Keine.

Genau das fordert der Fraktions-Chef der Linken im Landtag, Rico Gebhardt (54). Zur Not müsse die Landesdirektion für ein solches Verfahren sorgen. Witschas sei untragbar. Selbst Ministerpräsident Stanislaw Tillich (58) - auch Sachsens CDU-Chef - hatte Aufklärung gefordert. Er wollte die jüngsten Vorgänge nicht kommentieren.

Am Kornmarkt in Bautzen gibt es immer wieder Auseinandersetzungen. Auch dies 
ein Thema in dem umstrittenen Gespräch.
Am Kornmarkt in Bautzen gibt es immer wieder Auseinandersetzungen. Auch dies ein Thema in dem umstrittenen Gespräch.  © xcitepress

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