Abschiebelager? Ghettoisierung? Bayern startet Ankerzentren

München - Es ist soweit. Der Freistaat Bayern will als Vorreiter für das gesamte Land fungieren und startet am Mittwoch als erstes Bundesland mit den umstrittenen Ankerzentren. Die Kritik will allerdings nicht abreißen.

Horst Seehofer (CSU) verspricht sich von den neuen Ankerzentren einiges.
Horst Seehofer (CSU) verspricht sich von den neuen Ankerzentren einiges.  © DPA

Nach dem "Masterplan Migration" von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sollen die Einrichtungen die Asylverfahren und damit auch eine Abschiebung oder Rückführung von Migranten beschleunigen, die kein Bleiberecht haben.

Während andere Bundesländer noch zögern oder schon erklärt haben, vorerst nicht mitmachen zu wollen, setzt Bayern trotz erheblicher und vor allem anhaltender Kritik den Plan konsequent um.

In allen sieben Regierungsbezirken des Freistaats werden zu diesem Zweck frühere Transitzentren oder bislang als Erstaufnahmestation genutzte Einrichtungen in Ankerzentren umgewandelt.

Die Standorte sind Donauwörth, Zirndorf, Regensburg, Deggendorf, Schweinfurt, Bamberg und Manching. Etwa 1000 bis maximal 1500 Flüchtlinge sollen jeweils zentral untergebracht werden.

Das Wort "Anker" steht für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter, Justiz- und Ausländerbehörden sollen vertreten sein. Kurze Wege sollen Verfahren beschleunigen.

Kirchliche Organisationen, Flüchtlingshelfer und die Opposition haben die Ankerzentren hingegen als Abschiebelager kritisiert, sie warnen vor einer Ghettoisierung. Die Probleme würden dabei auf der Hand liegen.

Wenn mehrere Hundert Flüchtlinge ohne Perspektive und ohne Beschäftigung auf sehr engem Raum zusammenleben müssten, führe das unweigerlich zu Konflikten, warnte in diesem Kontext etwa die Caritas.

Sie begrüßte aber die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der Freistaat werde alle Ermessensspielräume nutzen, um eine bessere Balance zu finden, wenn die Flüchtlinge Integrationsleistungen bringen. Das könnten etwa Arbeitserlaubnisse und Möglichkeiten zur Ausbildung sein.

Die Ankerzentren sollen Asylverfahren und in diesem Kontext auch Abschiebungen und Rückführungen beschleunigen.
Die Ankerzentren sollen Asylverfahren und in diesem Kontext auch Abschiebungen und Rückführungen beschleunigen.  © DPA

Titelfoto: DPA


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