Plädoyers beendet: Fällt im NSU-Prozess schon im Juli das Urteil?

München - Nach mehr als 430 Verhandlungstagen steuert der NSU-Prozess auf das Urteil zu.

Die Plädoyers sind beendet, schon im Juli könnte ein Urteil über Beate Zschäpe gesprochen werden.
Die Plädoyers sind beendet, schon im Juli könnte ein Urteil über Beate Zschäpe gesprochen werden.  © DPA

Am Donnerstag beendete die Anwältin der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, Anja Sturm, das letzte Plädoyer in dem seit Mai 2013 laufenden Mammutverfahren.

Nun muss sich das Oberlandesgericht München noch mit letzten Beweisanträgen der Zschäpe-Verteidiger befassen und will auf deren Antrag am nächsten Dienstag noch einmal einen Sachverständigen hören. Danach haben die Angeklagten das letzte Wort.

Damit wäre Anfang Juli der Weg frei für ein Urteil gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Zschäpe und vier mitangeklagte mutmaßliche Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" - sollte es nicht wieder zu neuen Verzögerungen kommen.

Die Plädoyer-Phase in dem Prozess um die Morde und Anschläge des NSU dauerte rund elf Monate: Ende Juli 2017 hatte die Bundesanwaltschaft mit ihrem Schlussvortrag begonnen und am Ende die Höchststrafe für Zschäpe gefordert: lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen des NSU. Anschließend folgten mehrere Dutzend Nebenkläger, dann die Verteidiger. Zschäpes Anwälte forderten einen Freispruch ihrer Mandantin von sämtlichen Morden und Anschlägen. Zu verurteilen sei die heute 43-Jährige aber wegen der Brandstiftung in der letzten Fluchtwohnung des Trios in Zwickau im November 2011.

Die Rechtsanwältin forderte die Richter auch auf, keine Sicherungsverwahrung gegen Zschäpe zu verhängen. Dafür gebe es keine Grundlage. Auch der psychiatrische Sachverständige habe keine geliefert. Dessen Gutachten sei überdies teils unvollständig, teils unlogisch und tauge nicht, Zschäpes Persönlichkeit zu beurteilen.

Zudem argumentierte Sturm, eine Verurteilung Zschäpes wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung würde europäischem Recht widersprechen (TAG24 berichtete). Die Taten von Mundlos und Böhnhardt nannte sie die "Begehung von Serienmorden".

Titelfoto: DPA


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