Bayern - Bremen: Das war keine Werbung für den deutschen Fußball!

Bremen - Zugegeben, ich bin kein inbrünstiger Fußballfan. Ich weiß nicht aus dem Stegreif, wer 1974 die Meisterschaft gewann oder wie lang ein Fußballfeld ist. Aber ich schaue ihn gern, diesen Fußball. Weil es meist unterhaltsam ist. Es oft taktisch, intensiv, clever, hochtalentiert und auch hitzig zugeht. Das war zwar auch gestern so. Trotzdem war das aus meiner Sicht keine Werbung für den deutschen Fußball, wie es im Anschluss wieder gepredigt wurde.

Müller hatte Grund zur Freude. Er wurde auch "Man of the Match".
Müller hatte Grund zur Freude. Er wurde auch "Man of the Match".  © Roland Krivec/DeFodi.eu

Ganz klar, der Kampf war schon eindrucksvoll. Bayern zeigt seine Klasse, geht zurecht in Führung. Und auch der Gegner ist inspiriert: Wer schließlich 0:2 gegen den FC Bayern München zurückliegt, der findet nur selten noch die Moral, das aufzuholen. Bremen schafft es aber in wenigen Sekunden. Beeindruckend. Und das war es dann auch schon mit meinen positiven Eindrücken des Abends.

Denn schon vor der Bremer Aufholjagd bin ich von "Randerscheinungen" der Begegnungen angewidert. Wenn ich zum Beispiel sehe, dass bei einem schnellen Konter-Einwurf der Bremer von der Trainerbank der Bayern ein zweiter Ball in das Feld geworfen wird. Nur, um deren Spiel zu unterbrechen. Mag ja sein, dass sowas üblich ist. Aus meiner Sicht ist es primitiv, unfair und eines Teams, das ins Pokal-Finale einziehen will, unwürdig. Da es ungestraft bleibt, machen das jetzt wohl einfach alle in Situationen, in denen der Gegner plötzlich zu gefährlich erscheint.

Die Aufholjagd der Bremer sorgt wieder für Spannung und entschädigt sicher so manchen Zuschauer. Dann die Elfmeter-Entscheidung, die übereinstimmenden Experten-Meinungen eine Fehlentscheidung war. Ganz klar, Bayern kann nichts für diese Fehlentscheidung, so es denn eine war.

Bremen hätte sie zu seinen Gunsten auch gern angenommen, das ist wohl klar. Jedes Team hätte das. Aber ich frage mich schon als Zuschauer, für wen dieses Spiel ja nun angeblich so eine Werbung für den Fußball gewesen sein soll, warum wir einen Video-Schiri haben, wenn er nicht eingesetzt wird?

Gilt der Video-Schiri für alle, außer die Bayern?

Heftige Diskussion nach der umstrittenen Elfmeter-Entscheidung
Heftige Diskussion nach der umstrittenen Elfmeter-Entscheidung  © Jan Huebner

Monatelang diskutiert die Sportnation Deutschland über Sinn und Einsatz dieses Mittels. "Fußball wird endlich noch fairer", wird als Begründung mitgegeben.

Und tatsächlich, der Video-Schiri sorgt in der Regel für mehr Transparenz und Fairness. Denn Schwalben, Abseitspositionen und böse Fouls werden sekundengenau analysiert, bewertet und bleiben nicht folgenlos.

Wozu aber, wenn er in eben solch strittigen Szenen, in solch brisanten Spielen, einfach nicht eingesetzt wird?

Der Schiri "vergisst" einfach, dass er am Spielfeldrand nur kurz auf den Schirm eine Wiederholung anschauen könnte. Er stellt sich über die ihm zur Verfügung stehenden Mittel. Ein Betrug am Zuschauer! Nicht nur am betroffenen Team und deren Fans.

Die Mätzchen zwischen den Spielern sind dann üblich und nicht selten ja auch ganz unterhaltsam. Trotzdem waren auch diese keine Werbung für den Fußball. Ein Müller, der eine zügige Auswechslung verhindert, indem er während der finalen Phase des Spieles, sich stehend auf dem Spielfeld von den Fans feiern lassen will. Auf den Hinweis eines Bremers, doch mal weiterspielen zu wollen, brüllt er ihn an und tickt aus. Nach Abpfiff dann ähnliches Theater.

Werder Bremen Coach Florian Kohfeldt völlig entgeistert.
Werder Bremen Coach Florian Kohfeldt völlig entgeistert.  © Alex Gottschalk/DeFodi.eu

Wenn ein Team, das 2:0 führt, nur ganz knapp 3:2 durch eine Schiri-Fehlentscheidung gewinnt, bedankt man sich beim verlorenen Team für den knappen Kampf und respektiert deren Leistung.

Dieses selbstgefällige Verhalten einiger Bayern-Spieler, unter anderem Jerome Boateng, der dann auch noch großkotzig auf Kruse zugeht und meint, man hätte eigentlich 4:0 gewinne müssen, sind einfach nur peinlich. Erinnerte etwas an das prollig-primitive Verhalten nach dem Pokal-Finale im letzten Jahr gegen Frankfurt. Unnötig und ganz weit weg von sportlichem Fair-Play, das auch nach dem Abpfiff gilt.

Ich höre jetzt schon die Stimmen, "das ist doch ganz normal". Mag sein, als unsinnig und unnötig empfinde ich es trotzdem. Und wenn dieses selbstgefällige Verhalten normal wird, ist für Fußballromantik dann offensichtlich kein Platz mehr.

Ich schaue gern Fußball, und sehe auch den Bayern gern zu, wenn sie als bessere Mannschaft gewinnen. Weil es sich oft wirklich gut anschaut, wie sie mit Ball und Gegner umgehen. Aber gestern war das ein Fußballabend zum Abgewöhnen. Anti-Werbung für den deutschen Fußball.


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