Wut über Selfie-Wahn in KZ-Gedenkstätten

Seeon - Besucher von ehemaligen Konzentrationslagern und jüdischen Einrichtungen müssen sich nach Ansicht der Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, besser benehmen.

Provozierte mit seiner "Yolocaust"-Aktion: Shahak Shapira
Provozierte mit seiner "Yolocaust"-Aktion: Shahak Shapira  © Gregor Fischer/dpa

Antisemitische oder gar "nazistische Aussagen" seien nicht zu akzeptieren, sagte sie am Donnerstag laut dpa-Meldung nach ihrem Besuch bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion im oberbayerischen Kloster Seeon.

"Es sei ein Problem, dass etwa Schüler in Gedenkstätten an sensiblen Orten immer mehr Selfies von sich machten, die sie dann in sozialen Netzwerken veröffentlichten", so Knobloch.

Dies war bereits vor drei Jahren dem Kabarettisten Shahak Shapira ein Dorn im Auge. Weil seit dem Aufkommen von immer besseren Handy-Kameras und sozialen Netzwerken wie Instagram die Gedenkstätten immer häufiger zur Selfie-Kulisse degradiert wurden, hatte er sich eine besondere Aktion ausgedacht.

Unter dem Namen "Yolocaust" veröffentlichte er im Januar 2017 Fotos von Besuchern der Gedenkstätten, kombiniert mit historischen Aufnahmen, auf denen abgemagerte, misshandelte oder verstorbene KZ-Häftlinge zu sehen waren.

Laut eines Berichts der Plattform "Vice" hatten sich innerhalb weniger Tage alle Personen hinter den Selfies bei dem Künstler gemeldet und sich für ihr Verhalten entschuldigt. Shapira nahm die Bilder wieder von seiner Homepage.

Schüler oft nicht richtig vorbereitet für KZ-Besuche

Charlotte Knobloch (l.) und Josef Schuster, bei der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion.
Charlotte Knobloch (l.) und Josef Schuster, bei der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion.  © Peter Kneffel/dpa

Einen Langzeiteffekt hatte diese ungewöhnliche Protestaktion jedoch offenbar nicht - das Problem mit dem unsensiblen Umgang besteht weiter.

Ein weiterer Grund zur Kritik ist, laut des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die mangelnde Vorbereitung auf diese Besuche. Lehrer würden die Schüler nicht ausreichend über die Hintergründe informieren.

Zum Abschluss der Klausurtagungen im Kloster Seeon verabschiedete die CSU eine Resolution, die sich klar zum Schutz des jüdischen Lebens in Bayern und Deutschland bekannte und eine Null-Toleranz-Grenze für Antisemitismus beinhalte.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betonte, Deutschland habe eine besondere historische Verantwortung für das Judentum, dies bedeute neben dem Schutz des Lebens auch eine echte Erinnerungskultur.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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