Warum musste Sophia sterben? Plädoyers im Prozess erwartet

Bayreuth - Affekt oder Absicht, Totschlag oder Mord? Was soll überhaupt das Motiv gewesen sein - das Verbergen einer sexuellen Straftat oder einer Körperverletzung?

Der Angeklagte beim Prozess in Bayreuth. Am heutigen Dienstag werden die Plädoyers erwartet.
Der Angeklagte beim Prozess in Bayreuth. Am heutigen Dienstag werden die Plädoyers erwartet.  © DPA, Daniel Karmann

Bei so vielen offenen Fragen werden die Plädoyers im Mordprozess um die erschlagene Tramperin Sophia Lösche am Dienstag vermutlich sehr unterschiedlich ausfallen. Staatsanwaltschaft, der Anwalt der Eltern, der Bruder Sophias und der Verteidiger des Fernfahrers werden sich dazu vor dem Landgericht Bayreuth äußern, wie ein Pressesprecher des Landgerichts mitteilte.

Sophia Lösche hatte vor gut einem Jahr von Leipzig in Richtung Nürnberg trampen wollen. Von dort wollte sie nach Aussage ihres Bruders zu ihrer Familie nach Amberg in der Oberpfalz fahren. Dort kam die 28-Jährige nie an. Ihre Leiche wurde in einem Straßengraben in Spanien entdeckt (TAG24 berichtete). Der Anklage zufolge hat ein 42-jähriger Fernfahrer die Tramperin ermordet, um eine sexuelle Straftat zu verdecken.

"Diese Arbeitshypothese der Staatsanwaltschaft hat sich nicht ganz so bestätigt", sagte der Gerichtssprecher. Für einen sexuellen Übergriff gab es bislang nur Indizien, keine konkreten Beweise. Die Untersuchung der Leiche ergab keine Spermaspuren, obwohl diese nach Angaben eines Rechtsmediziners selbst an einem verwesten Körper nachweisbar wären. Auch der Angeklagte bestritt bis zuletzt eine sexuelle Straftat.

Das Gericht erteilte deshalb einen rechtlichen Hinweis. Demnach könnte der Fernfahrer wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden. Das Gericht halte es für möglich, dass der Fernfahrer die 28-Jährige zunächst mit einem Eisen geschlagen habe, so der Gerichtssprecher. Um die Körperverletzung zu vertuschen, soll er nochmals zugeschlagen haben. "Ich bin gespannt, ob sich die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer dem Gericht anschließt", sagte der Sprecher.

Ein Urteil wird am 18. September erwartet.

Update, 13.35 Uhr: Die Staatsanwaltschaft hat für eine lebenslange Haftstrafe des angeklagten Fernfahrers wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung plädiert. Der Anwalt der Eltern schloss sich vor dem Landgericht Bayreuth der Forderung an. Er wies darüber hinaus auf eine besondere Schwere der Schuld hin. Der Verteidiger des 42-jährigen Marokkaners räumte ein: "Der Angeklagte hat große Schuld auf sich geladen." Er sprach sich für eine mehrjährige Haftstrafe wegen Totschlags aus.

Nur in einem Punkt stimmten die Plädoyers von Anklage und Verteidigung überein: Der Angeklagte soll Sophia Lösche mit einem Eisen erschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, er habe ihre Zurückweisung nicht ertragen und sie deshalb mit einem Radmutterschlüssel schwer verletzt. Um die Verletzungen zu vertuschen, habe er sie noch am Abend der Abfahrt erschlagen.

Doch gerade der Todeszeitpunkt blieb strittig: Während die Eltern und der Bruder an einen späteren Zeitpunkt glauben, starb Sophia Lösche aus Sicht des Verteidigers schon bei den ersten Schlägen.

Sophia Lösche starb vor etwa einem Jahr, als sie von Leipzig nach Amberg trampen wollte.
Sophia Lösche starb vor etwa einem Jahr, als sie von Leipzig nach Amberg trampen wollte.  © Polizei

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Leipzig:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0