"Beale Street": Eine herzzerreißende Liebesgeschichte

Ney York (USA) - "Oscar"-Preisträger Barry Jenkins (Moonlight) ist zurück! Mit seinem neuen Film "Beale Street" setzt er den Bestseller des großen amerikanischen Schriftstellers James Baldwin sehr gut um.

Mutter Sharon (r., Regina King) und Schwester Ernestine (Teyonah Parris) stehen Tish (Kiki Layne) in einer schweren Zeit zur Seite.
Mutter Sharon (r., Regina King) und Schwester Ernestine (Teyonah Parris) stehen Tish (Kiki Layne) in einer schweren Zeit zur Seite.  © PR/Tatum Mangus Annapurna Pictures/DCM

Das afroamerikanische Paar Tish Rivers (Kiki Layne) und Alonzo "Fonny" Hunt (Stephan James) kennt sich seit der Kindheit.

Im jungen Erwachsenenalter entwickelte sich eine tiefe Liebe zwischen den beiden, die nun allerdings auf eine harte Probe gestellt wird.

So muss Fonny für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, für zwei Jahre ins Gefängnis. Obwohl die Familie um Tishs Mutter Sharon (Regina King) alles tut, um zu beweisen, dass Fonny unschuldig ist, stehen die Chancen wegen seiner Hautfarbe schlecht.

Denn die angebliche Tat, die er begangen haben soll, wurde vermeintlich vom Polizisten Officer Bell (Ed Skrein) beobachtet, der Fonny auch festnahm.

Das droht die junge Familie zu zerstören. Schließlich ist die 19-jährige Tish schwanger vom 22-jährigen Fonny. Auch deshalb engagieren sie einen Anwalt, der sehr schnell merkt, wie ungerecht die Verurteilung Fonnys ist...

Diese Geschichte ist klasse umgesetzt, reicht aber nicht an die Qualität von Jenkins' Ausnahmewerk "Moonlight" heran, der 2017 drei "Oscars" gewann.

Sharon Rivers (Regina King) reist für den Beweis der Unschuld ihres Schwiegersohns sogar nach Costa Rica.
Sharon Rivers (Regina King) reist für den Beweis der Unschuld ihres Schwiegersohns sogar nach Costa Rica.  © PR/Tatum Mangus Annapurna Pictures/DCM

Damals sorgte der im positiven Sinne eigenwillige Schnitt für Aufsehen. Diesmal ist genau der die Schwäche, die "Beale Street" stellenweise ein wenig ausbremst, weil man durch die vielen Zeit- und Szenenwechsel mitunter aus dem Film katapultiert wird und sich deshalb nicht zu einhundert Prozent mit den Figuren identifizieren- und so in Gänze in die Geschichte abtauchen kann.

Das ist schade, weil die Charaktere gut ausgeschrieben sind, tiefgründige Hintergrundgeschichten spendiert bekommen haben, vielschichtig dargestellt sind und herausragend gespielt werden.

Wie in "Moonlight" treibt Jenkins sein Ensemble nämlich zu Bestleistungen an. Ob nun Newcomerin Layne oder James (Selma, Zeit für Legenden) - beide verkörpern ihre verliebten Protagonisten authentisch. Zwischen ihnen stimmt die Chemie, was auch dem Film Glaubwürdigkeit verleiht und ihn erdet.

Die Show wird beiden allerdings noch von Regina King (The Big Bang Theory, Miss Undercover 2, Boyz n the Hood) gestohlen, die für ihre herausragende Leistung sowohl mit dem "Oscar", als auch mit dem Golden-Globe-Award als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde.

King hat zwar nur wenige Szenen, spielt sich in diesen mit ihrer ganzen Erfahrung und Klasse allerdings auf charmante Art und Weise in den Vordergrund.

Fonny (l., Stephan James), Tish (M., Kiki Layne) und Danile Carty (Brian Tyree Henry) beim Essen und dem Austausch harter Lebenserfahrungen.
Fonny (l., Stephan James), Tish (M., Kiki Layne) und Danile Carty (Brian Tyree Henry) beim Essen und dem Austausch harter Lebenserfahrungen.  © PR/Tatum Mangus Annapurna Pictures/DCM

Auch die anderen Schauspieler, von denen einige bekannte Leute wie Dave Franco (Nerve), Ed Skrein (Game of Thrones), Diego Luna (Rogue One: A Star Wars Story), Colman Domingo (Fear The Walking Dead) oder Pedro Pascal (Game of Thrones) sich nicht zu schade sind, nur für eine Szene aufzutreten, überzeugen allesamt.

Doch am meisten beeindrucken die Ausgewogenheit der Geschichte und das Umgehen von Klischees. Denn "Beale Street" ist weit davon entfernt, eine typische US-Romanze zu sein.

Stattdessen werden hier viele ernste Themen wie Rassismus behandelt, es werden klare Botschaften wie "Liebe ist stärker als Hass" gesendet und es wird für Familienzusammenhalt plädiert.

All diese Aspekte werden von der überragenden Kameraführung von James Laxton (Moonlight) großartig eingefangen. Die hochwertigen cineastischen Bilder bleiben nachhaltig im Gedächtnis haften. Des Weiteren sind auch die schön ausgestatteten Locations, die gefühlvolle Musikuntermalung und die zeitversetzenden Kostüme sind Stärken des Films.

"Beale Street" ist alleine schon aufgrund seiner Machart und seiner Thematik ein erstklassiges Werk, obwohl man wegen des Schnitts nicht in Gänze in den Film abtauchen kann. Das machen die klischeefreie Geschichte, die Schauspieler mit hervorragenden Leistungen und die fantastische Kameraführung allerdings wieder wett, weshalb sich ein Kinobesuch für Genrefreunde auf jeden Fall lohnt.

Tisch (Kiki Layne) und Fonny (Stephan James) sorgen in einer brutalen Welt mit ihrer Liebe für einen Silberstreifen am Horizont.
Tisch (Kiki Layne) und Fonny (Stephan James) sorgen in einer brutalen Welt mit ihrer Liebe für einen Silberstreifen am Horizont.  © PR/Tatum Mangus Annapurna Pictures/DCM

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