Bedrückende Beichte: "Darum habe ich mein Baby ausgesetzt!"

Geständnis unter Tränen: Nicole L. (26) schilderte am Dienstag im Gericht, weshalb sie ihren Säugling aussetzte.
Geständnis unter Tränen: Nicole L. (26) schilderte am Dienstag im Gericht, weshalb sie ihren Säugling aussetzte.

Von Eric Hofmann

Bautzen - Was geht nur in einer Frau vor, die ihr eigenes Kind kurz nach der Geburt auf einem Parkplatz liegen lässt? Die meisten Mütter schweigen dazu verschämt vor Gericht. Doch Nicole L. (26) packte am Dienstag in Bautzen aus.

Ein Zufallsfund in einer Sommernacht schockierte ganz Bernsdorf: Auf dem Altenheim-Parkplatz am Schmelzteich entdeckte ein Ehepaar im Sommer 2013 ein Baby, von der Mutter keine Spur.

Glücklicherweise kam das Findelkind ohne Schäden sofort ins Krankenhaus, wo es den Namen Frieda erhielt. Heute lebt es gesund und unter anderem Namen bei Pflegeeltern.

Wenige Tage nach der Tat wurde die Mutter festgenommen.

Riesenaufregung im Sommer 2013: Ein Ehepaar findet auf diesem Parkplatz das Neugeborene.
Riesenaufregung im Sommer 2013: Ein Ehepaar findet auf diesem Parkplatz das Neugeborene.

„Ich hatte doch schon mein erstes Kind verloren“, gestand Nicole L. unter Tränen. „Ich hatte absolut keine Lichtpunkte, keine Hoffnung mehr.“

Wegen ihrer Crystal-Sucht lebte ihre erste Tochter (5) bereits bei der Oma. „Wie sollte ich ihr denn erklären, dass ich noch eine Tochter habe, die bei mir leben darf“, sagte die Arbeitslose.

„Ich wollte kein Kind und habe mir auch selbst eingeredet, nicht schwanger zu sein.“

So ging sie auch zu keinem Arzt, nahm weiterhin Drogen - bis plötzlich die Wehen einsetzten: „Ich habe gerade die Küche geputzt, wollte auf die Leiter steigen, da hat es gedrückt“, schilderte sie den Geburtsbeginn.

„Da bin ich mit einem Handtuch ins Bett.“

Findelkind kurz nach der Entdeckung. Betreuer tauften die Kleine auf den Namen Frieda.
Findelkind kurz nach der Entdeckung. Betreuer tauften die Kleine auf den Namen Frieda.

Kurz hatte sie überlegt, doch einen Krankenwagen zu rufen, aber da war Frieda schon auf der Welt. „Ich habe die Nabelschnur mit einer Schere durchschnitten, dann mit einem Tütenclip abgeklemmt.“

Später stillte sie den Säugling, kuschelte sogar mit ihrer Tochter im Bett. Als allerdings ein Freund spontan vorbeikommen wollte, musste das Kind weg.

Mit dem Rad brachte sie es zu dem Heim, legte es ab und hoffte, dass es schnell gefunden würde.

Wegen Aussetzung wurde die junge Frau zu anderthalb Jahren Haft verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung.

Fotos/Repro: Helis, Satelmajer


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