Bei Kindervilla-Projekt 1,5 Millionen Euro verschwunden! Ex-Kolping-Chef wegen Betrugs vor Gericht

Dresden - Es ist sozusagen ein Jubiläum. Nur feiern will niemand. Vor zehn Jahren rückte das Landeskriminalamt zur Razzia bei Kita-König Stephan M. (54) an.

Der ehemalige Kolping-Chef Stephan M. (54) soll laut Anklage bei seinen Vertragsverhandlungen bewusst gelogen haben.
Der ehemalige Kolping-Chef Stephan M. (54) soll laut Anklage bei seinen Vertragsverhandlungen bewusst gelogen haben.  © Peter Schulze

Seit Montag wird am Landgericht Dresden endlich verhandelt. Dem Brandenburger, der schon das Kolpingwerk Sachsen in den Sand setzte, wird Betrug mit einem Schaden von fast 1,5 Millionen Euro vorgeworfen.

Ab 2002 zog Stephan M. ein Kindergarten-Imperium auf, die Firma "Kindervilla". Ganztagskindergärten, mit ausgebildeten Fachkräften, betrieben über Franchise-Nehmer. Zwei Pilot-Kitas standen in Dresden, 28 weitere sollten im ganzen Bundesgebiet folgen.

Chef Stephan M. führte die Verhandlungen mit den Franchise-Nehmern und erzählte ihnen laut Anklage das Blaue vom Himmel: Die GmbH würde Grundstücke organisieren, geeignete Gebäude errichten, für die Ausstattung sorgen.

Die Franchise-Nehmer nahmen Kredite auf, zahlten Lizenzen und Mietkautionen - und schauten in die Röhre.

Die Gelder versickerten auch auf Privatkonten

Laut Anklage versickerten die Gelder in der Firma, die schon ein Jahr nach Gründung pleite war, oder flossen auf Privatkonten von Stephan M. Im Jahr 2007 erstatteten die ersten Franchise-Unternehmer Anzeige. Es wurde ermittelt, 2009 gab es die bundesweite Razzia.

Im Jahr 2013 war die Anklage gegen Stephan M. fertig, der inzwischen wegen eines 60-Millionen-Euro-Schadens beim an die Wand gefahrenen Kolpingwerk Bewährung kassiert hatte.

Die Justizkasse wegen Fahrgeld angepumpt

Frühere Mitstreiter der Kindervilla sind bereits verurteilt. Gegen ihn als Haupttäter blieb die Anklage liegen. Unter anderem, weil die große Wirtschaftskammer über Jahre mit dem Infinus-Verfahren blockiert war.

Stephan M. schwieg zu den Vorwürfen, bat aber die Justizkasse um Geld für eine Zugfahrkarte, um an allen neun Prozesstagen pünktlich anreisen zu können. Ein Urteil soll im Dezember fallen.

Titelfoto: Peter Schulze

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