Mega-Bauprojekt: Kriegt Hamburg nach der Hafencity jetzt die "Science City"?

Hamburg – Nun ist es offiziell, das Zukunftsprojekt „Science City Bahrenfeld“ wird laut dem Hamburger Senat im Jahr 2020 starten. Ambitioniertes Ziel sei es, übermächtigen Forschungsstandorten wie dem Silicon Valley bei San Francisco in den USA in den kommenden Jahren Konkurrenz zu machen.

Im Bezirk Altona soll ein großflächiger Wissenschaftspark entstehen, die "Science City Bahrenfeld".
Im Bezirk Altona soll ein großflächiger Wissenschaftspark entstehen, die "Science City Bahrenfeld".  © DPA

Der Wissenschaftsstandort Hamburg soll weiter gestärkt werden. Diese Zukunftsvision gaben der Hamburger Senat, der Bezirk Altona und die Universität Hamburg gemeinsam mit dem Forschungsinstitut DESY am Dienstag bekannt.

Ein Großprojekt wie die "Science City Bahrenfeld" scheint dabei durchaus angebracht. Die Zahl der Studierenden an den Hochschulstandorten in Hamburg und Schleswig-Holstein ist laut Statistikamt Nord in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich gestiegen.

Eine gewisse "Bildungsnachfrage" ist im Norden Deutschlands folglich gegeben – nun müssen die Studierenden auch so zentral wie kostengünstig untergebracht werden und nach ihren Abschlüssen zudem noch einen Job finden. Zumindest, wenn man die Absolventen in der Region halten will.

Daran arbeitet die Stadt Hamburg bereits. Nachdem die Universität Hamburg in verschiedenen Hochschul-Rankings der letzen Jahre eher mittelmäßig abschnitt, schlägt die bildungspolitische Entwicklung von Forschung und Lehre der größten Hochschule Hamburgs bereits seit 2018 eine neue Richtung ein. Dafür gab es von der Stadt eine 500 Millionen Euro schwere Finanzspritze (TAG24 berichtete). Und die scheint sich bemerkbar zu machen.

So verbesserte die Hamburger Hochschule ihr Platzierung beim renommierten „World University Ranking 2019“ des britischen Wissenschaftsmagazins "Times Higher Education" (THE) im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 65 Plätze.

Diese durchaus positiv anmutende Entwicklung könnte durch die Ansiedlung wissenschaftlicher Institute, Einrichtungen und Unternehmen sowie dem Bau neuer Wohnungen in der "Science City Bahrenfeld" am Hamburger Volkspark langfristig fortgesetzt werden.

Die sechs wichtigsten Fragen und Antworten zur "Science City Bahrenfeld"

So könnte das neue Wissenschaftszentrums "Science City Bahrenfeld" aussehen.
So könnte das neue Wissenschaftszentrums "Science City Bahrenfeld" aussehen.  © Spengler Wiescholek Architekten Stadtplaner, WES G

1. Was ist eine "Science City"?

"Science City", zu Deutsch "Stadt der Wissenschaft", bedeutet nach der Vorstellung der Uni Hamburg, dass den klügsten Köpfen aus der Stadt und aller Welt ein kreativer, attraktiver und nachhaltiger Raum zum Wohnen und Wirken geboten werden soll.

Die Science City Bahrenfeld wäre dementsprechend ein "Stadtteil der Wissenschaft", in dem Studierende, Hochschullehrer, Forscher, Wissenschaftler und wahrscheinlich auch weitere Berufsgruppen Lernen, Lehren, Forschen, Wohnen und Arbeiten können.

2. Wo genau würde die „Science City Bahrenfeld“ liegen?

Die Science City Bahrenfeld ist als eine weiträumige Erweiterung des bestehenden Forschungscampus Bahrenfeld gedacht.

Mit der Ansiedlung wissenschaftlicher Institute, Einrichtungen und Unternehmen sowie dem Bau neuer Wohnungen soll zwischen Trabrennbahn und Hamburger Volkspark ein Stadtteil im Stadtteil entstehen. Das sieht der städtebauliche Entwicklungsplan vor, den Senat, Bezirk, Universität und das bereits in Bahrenfeld ansässige Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY vorstellten.

Wird das Projekt tatsächlich realisiert, soll es sich laut Uni Hamburg auf den gesamten Stadtteil Bahrenfeld auswirken.

(vlnr.) Franz-Josef Höing, Oberbaudirektor der Stadt Hamburg, Liane Melzer (SPD), Bezirksamtsleiterin des Bezirks Altona, Dorothee Stapelfeldt (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen und Peter Tschentscher (SPD), Hamburgs Erster Bürgermeister, st
(vlnr.) Franz-Josef Höing, Oberbaudirektor der Stadt Hamburg, Liane Melzer (SPD), Bezirksamtsleiterin des Bezirks Altona, Dorothee Stapelfeldt (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen und Peter Tschentscher (SPD), Hamburgs Erster Bürgermeister, st  © DPA

3. Wie groß wird das Bauprojekt?

Auf 125 Hektar Fläche könnten das DESY ausgebaut und die Uni-Fachbereiche Physik, Chemie und Teile der Biologie an den Forschungscampus Bahrenfeld verlegt werden.

Mit 2500 neuen Wohnungen und Erholungsräumen soll ein attraktives Umfeld für Studierende, Wissenschaftler und Kreative geschaffen werden, erklärte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD).

4. Wodurch zeichnet sich das neue Quartier aus?

"Zusammen mit der Universität und dem DESY wollen wir in den nächsten Jahren einen ganzen Stadtteil der Wissenschaft widmen", sagte Tschentscher der dpa. Die "Zukunftsvision 2040" sei eine "sehr, sehr großartige Perspektive für den Wissenschaftsstandort Hamburg". Für die Uni Hamburg stünde ein übergreifender Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft im Fokus des Projekts.

Das Quartier könnte in Zukunft aber nicht nur ein Ort für Forschung und Lehre, sondern auch für Start-ups, innovative Unternehmen, Büros und Wohnen werden.

5. In welchem Zeitraum soll die "Science City Bahrenfeld" entstehen?

Hinsichtlich der Realisierung wurde noch kein konkreter Fahrplan vorgelegt. Die politischen Fraktionen sind sich einig, dass die ersten Architekturwettbewerbe schon im kommenden Jahr, also 2020, starten sollen.

Die Betitelung des Projekts als "Zukunftsbild 2040" betitelt macht deutlich, dass die konkrete Umsetzung sich über mehrere Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, strecken könnte.

Zusammen mit der Universität und dem DESY möchte die Stadt Hamburg einen ganzen Stadtteil der Wissenschaft widmen.
Zusammen mit der Universität und dem DESY möchte die Stadt Hamburg einen ganzen Stadtteil der Wissenschaft widmen.  © Spengler Wiescholek Architekten Stadtplaner, WES G

6. Wie geht es jetzt weiter?

Dem Senat nach sollen beteiligte Einrichtungen und Institutionen, die Anwohnerinnen und Anwohner und die Öffentlichkeit sich gemeinsam am Entwicklungsprozess beteiligen.

Es sei zudem eine Informations- und Beteiligungskampagne für die Bürgerinnen und Bürger geplant.

Außerdem sollen zahlreiche Informationsveranstaltungen und Diskussionsforen die Bahrenfelder Bevölkerung, Politik, Wissenschaft, Unternehmen und Verwaltung an einen Tisch bringen, um die vorgeschlagene Entwicklung des Stadtteils zu diskutieren und Raum für Anregungen und Kritik zu bieten.

Bürgerinnen und Bürger können sich am 11. Februar um 18:30 Uhr auf dem DESY Gelände (im Hörsaal) über die Science City Bahrenfeld informieren.

Das können die Hamburger von der Science City Bahrenfeld erwarten

Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Grünen, Olaf Duge, ist der Meinung, dass Hamburg mit dem Projekt komplett neue Wege in die Zukunft der Stadt beschreitet. Das Vorhaben liefere die richtigen Antworten auf wichtige Fragen, die die technologische Entwicklung an eine Stadtgesellschaft stelle. Davon würde nicht nur der Westen Hamburgs profitieren, sondern die Metropolregion insgesamt.

Daniel Oetzel, stellvertretender Vorsitzender und wissenschaftspolitischer Sprecher der FDP, erklärte: „Die heute vorgestellten Pläne zur Science City Bahrenfeld haben das Potenzial, den Wissenschaftsstandort Hamburg deutlich nach vorn zu bringen." Er mahnt aber auch, dass das Zukunftsprojekt Science City für den Wissenschaftsstandort Hamburg aktuell zwar eine schöne Vision sei, der Senat müsse das Vorhaben nun aber auch konkret umsetzen.

Bis das offensichtlich recht hoch gesteckte Ziel, dem Silicon Valley Konkurrenz mit der "Science City Bahrenfeld" zu machen, erreicht ist, dürfte es also dauern.

Übersicht des Bebauungsplans: Das Konzept der Science City Bahrenfeld gilt mit seinem Zukunftsbild 2040 als Auftakt einer Integration von Forschung, Wissenschaft und Lehre in die neuen und die bestehenden Stadtteilstrukturen Bahrenfelds.
Übersicht des Bebauungsplans: Das Konzept der Science City Bahrenfeld gilt mit seinem Zukunftsbild 2040 als Auftakt einer Integration von Forschung, Wissenschaft und Lehre in die neuen und die bestehenden Stadtteilstrukturen Bahrenfelds.  © Spengler Wiescholek Architekten Stadtplaner, WES G

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