Seehofer nach Terror in Halle: Juden sollen "ohne Bedrohung, ohne Angst" leben

Benndorf - Nachdem der Neonazi Stephan B. am Mittwoch versuchte, ein Massaker in einer Synagoge in Halle anzurichten, ist nun ein Haftbefehl gegen den 27-Jährigen beantragt. Sein Wohnhaus in Benndorf wird aktuell durchsucht. Auch zu der Identität der Opfer gibt es Neuigkeiten.

Polizisten sperren das Wohnhaus des Täters in Benndorf ab.
Polizisten sperren das Wohnhaus des Täters in Benndorf ab.  © Matthias Strauß

Nach ersten Angaben wird aktuell das Wohnhaus von Stephan B. in Benndorf abgesperrt und durchsucht. Dort soll der 27-Jährige seit 2006 zumindest teilweise mit seiner Mutter Claudia B. gewohnt haben. Die Mutter ist Grundschullehrerin im Nachbarort Helbra, gilt als sehr beliebt. Auch soll Stephan B. eine Schwester gehabt haben.

Die Anwohner in Benndorf sind entsetzt über den Täter in der Nachbarschaft. Stephan B. wird als ruhig beschrieben, man habe ihn öfter beim Joggen gesehen, er hätte nur selten gegrüßt.

Am Mittwoch hatte der rechtsextreme Stephan B. schwer bewaffnet am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur versucht, in der Synagoge in Halle/Saale ein Blutbad unter Dutzenden Gläubigen anzurichten (TAG24 berichtete). Der 27-jährige Deutsche wollte nach Angaben aus Sicherheitskreisen die Synagoge mit Waffengewalt stürmen, scheiterte jedoch.

In den ersten Stunden des Tages sammeln sich weitere Kondolenznachrichten an die Angehörigen der Opfer in Halle.

Unter anderem der Hallesche FC drückt sein tief empfundenes Mitgefühl aus, auch der Leipziger OB Burkhard Jung (SPD) findet klare Worte für die Tat und bezeichnet sie auf Facebook als "feige Morde".

In ganz Deutschland sind Gedenkminuten geplant. Die Ermittlungen zu den weiteren Hintergründen der Tat führt die Bundesanwaltschaft.

Bundesinnenminister Horst Seehofer und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff bei einer Pressekonferenz in Halle (Saale).
Bundesinnenminister Horst Seehofer und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff bei einer Pressekonferenz in Halle (Saale).  © DPA, Hendrik Schmidt

Update, 18.15 Uhr: Horst Seehofer garantiert jüdischen Gemeinden in Deutschland dauerhaften Schutz

Nach dem rechtsextremistischen Terroranschlag auf die Synagoge in Halle garantiert die Bundesregierung der jüdischen Gemeinde dauerhaft Schutz und Sicherheit. Innenminister Horst Seehofer (CSU) versprach am Donnerstag in Halle, "dass die Juden in unserem Land ohne Bedrohung, ohne Angst leben können".

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sprach von einer "neuen Qualität des Rechtsextremismus"" Nach dem Fund von vier Kilo Sprengstoff im Fluchtwagen des mutmaßlichen Attentäters gehen die Ermittler davon aus, dass der 27-jährige Deutsche noch viel mehr Menschen töten wollte. Der Täter wollte demnach ein Massaker mit weltweiter Wirkung anrichten, um damit auch Nachahmer für solche Taten zu gewinnen.

Update, 16.03 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer nannte die Ereignisse in Halle eine "Schande für unser ganzes Land". Man müsse der "Wahrheit ins Gesicht sehen." Dies sei die Bedrohung durch Rechtsextremismus, welche in Deutschland neben dem Kampf gegen Terrorismus "die zentrale Herausforderung für unser Land" sei, so Seehofer. Man wolle am morgigen Freitag eine Bestandsaufnahme mit allen Sicherheitsbeauftragten machen, um gegen derartige Verbrechen vorzugehen. Dabei gehe es vor allem auch um "das, was im Internet abläuft." So sollen gegen strafrechtlich relevante Hass-Parolen im Internet verstärkt angegangen werden. Das erfordere "einige hundert zusätzliche Planstellen."

Update, 15.52 Uhr: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff drückte bei einer Pressekonferenz mit Innenminister Horst Seehofer seine Betroffenheit aus. Er werde noch am heutigen Donnerstag die zwei verletzten Schussopfer im Krankenhaus besuchen. Am morgigen Freitag wolle man an Synagogen in ganz Sachsen-Anhalt Lichterketten bilden. "Das Land Sachsen-Anhalt ist ein Land, das weltoffen ist und das von Pluralität und Respekt vor der Menschenwürde und vor allem auch von der Religionesfreiheit getragen wird", so der Ministerpräsident. Haseloff stellte klar, dass sich die Gesellschaft durch die Ereignisse nicht auseinander bringen lassen wolle.

Auch Holger Stahlknecht, Innenminister von Sachsen-Anhalt, sagte, man wolle "gesellschaftlich so zusammenzurücken, dass die geistigen Brandstifter keinen Nährboden in Deutschland finden". Was passierte, mache traurig, betroffen und wütend und lasse an längst vergangene Zeiten erinnern", so Stahlknecht.

Update, 15.10 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat nach dem Anschlag in Halle der Opfer gedacht. Nach seinem Besuch in der Synagoge ging er am Donnerstag schweigend zu dem nahen Döner-Imbiss, in dem der Täter am Mittwoch einen 20-jährigen Mann erschossen hatte. Zuvor hatte Seehofer bereits vor der Synagoge Blumen niedergelegt.

Generalbundesanwalt Peter Frank gab eine Pressekonferenz zum aktuellen Ermittlungsstand.
Generalbundesanwalt Peter Frank gab eine Pressekonferenz zum aktuellen Ermittlungsstand.  © Uli Deck/dpa

Update, 14.43 Uhr: Pressekonferenz der Bundesanwaltschaft - "Täter wollte weltweite Wirkung"

Am frühen Nachmittag gab es eine Pressekonferenz der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.

Bundesanwalt Peter Frank geht von einem antisemitischen und rechtsextremistischen Motiv aus. Durch die Videoaufnahmen mit der Kamera habe Stephan B. eine weltweite Wirkung erzielen wollen, ähnlich des Attentäters in Christchurch, Neuseeland. Gegen ihn wird wegen zweifachem Mord und neunfachem versuchten Mord ermittelt. Noch am Donnerstagnachmittag soll er einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Die Beweismittel, die das BKA in der Wohnung des 27-Jährigen in Benndorf sichergestellt hat, sollen nun ausgewertet werden. Vor allem anhand der Kommunikation soll ermittelt werden, ob es Personen gab, die Stephan B. angestachelt oder motiviert haben.

Wie der Generalbundesanwalt außerdem mitteilte, fand man im Auto, das Stephan B. während der Tat fuhr, vier Kilogramm Sprengstoff.

Justizministerin Christine Lambrecht verurteilt die Tat auch scharf. "Der Rechtsextremismus ist eine der größten Bedrohungen unserer Zeit", sagt sie.

Update, 14.27 Uhr: Täter war nicht polizeibekannt - und bastelte Waffen selber

Bei dem Angriff auf die Synagoge von Halle hat der Täter selbstgebaute Waffen benutzt.

Dies erfuhr die dpa am Donnerstag aus Sicherheitskreisen. Die Waffen waren demnach nicht richtig zusammengesetzt, weswegen es Ladehemmungen gegeben habe. Es werde noch geprüft, ob sich der Täter Waffen aus dem Darknet - einem nicht öffentlich einsehbaren Bereich im Internet - beschafft habe.

Stephan B. sei nach dpa-Informationen nicht mit anderen kriminellen Handlungen aufgefallen. Der 27-jährige Deutsche sei nicht polizeibekannt gewesen, hieß es in Sicherheitskreisen. Es habe intern eine bundesweite Abfrage bei Sicherheitsbehörden gegeben, niemand habe den Mann auf dem Schirm gehabt.

Update, 13.33 Uhr: Stephan B. verletzte weitere Personen auf der Flucht

Auf der Flucht vor der Polizei soll der der Täter zwei weitere Menschen verletzte haben.

Dabei soll es sich um ein Ehepaar (40, 41) handeln, das in Landsberg ein Geschäft betreibt. Mit Schussverletzungen wurden die beiden in ein Krankenhaus verbracht und werden aktuell behandelt. Das teilte die Deutsche Presseagentur mit.

Auch die beiden in Halle erschossenen Opfer wurden nun identifiziert. Es handelt sich um eine 40 Jahre alte Frau aus Halle und einen 20-Jährigen aus Merseburg.

Auch der Stephan B. wurde während seiner Flucht verletzt. In Wiedersdorf, einem Ortsteil von Landsberg, soll der Täter seinen ersten Fluchtwagen abgestellt und ein Taxi gekapert haben, wie dpa aus Sicherheitskreisen weiter erfuhr. Dabei seien weitere Schüsse gefallen. Demnach konnte der mutmaßliche Täter wenig später bei einem Autounfall auf der Autobahn 91 auf Höhe des Örtchens Werschen von Spezialkräften festgenommen werden.

Update, 13.20 Uhr: Vater von Stephan B.: "Er war ständig nur online!"

Gegenüber der "Bild"-Zeitung äußerte sich nun der Vater von Stephan B..

Sein Sohn soll kaum Freunde gehabt haben und sei ständig nur online gewesen. "Er war weder mit sich noch mit der Welt im Reinen, gab immer allen anderen die Schuld", berichtete der Vater gegenüber der Bild. Nach Angaben der Zeitung soll Stephan zunächst zwei Semester Chemie studiert, später als Rundfunktechniker gearbeitet haben. Auch eine Ausbildung bei der Bundeswehr habe der 27-Jährige absolviert.

Frank-Walter Steinmeier besuchte den Tatort in Halle.
Frank-Walter Steinmeier besuchte den Tatort in Halle.  © Jan Woitas/dpa

Update, 13.13 Uhr: Bundespräsident Steinmeier besucht Synagoge in Halle

Gegen Donnerstagmittag ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Halle eingetroffen.

Zusammen mit seiner Frau Elke Büdenbender und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, besuchte er die Synagoge und legte Blumen nieder.

Update, 12.48 Uhr: Schlager-Star Stefan Mross gedenkt rührend getöteter Jana L.

Moderator und Schlager-Star Stefan Mross hat sich auf Facebook mit rührenden Worten von der getöteten Jana L. verabschiedet.

"Wir sind zutiefst betroffen.Der Amoklauf in Halle hat uns unseren treusten Fan aus Halle genommen", schreibt der 43-Jährige in einem Post. Erst vor zwei Tagen habe er die 40-Jährige bei einer TV-Aufzeichnung in Leipzig getroffen. "Glücklich und voller Lebensenergie", beschreibt Mross den Schlager-Fan. Allen Freunden und Angehörigen spricht er sein Beileid aus.

Update, 12.09 Uhr: Das sagt die AfD zur Tat

Die AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag hat den "grausamen Terroranschlag" von Halle verurteilt.

"Der Täter darf nie wieder in Freiheit leben", erklärte Vorsitzender Jörg Urban am Donnerstag in Dresden. Das teilte die dpa am Donnerstag mit. Wer unschuldige und wehrlose Menschen "regelrecht massakrieren" wolle, habe die höchste Strafe verdient. Die antisemitische und hasserfüllte Begründung der Taten sei widerwärtig und verabscheuungswürdig. "Für Gewalt gibt es nie eine Rechtfertigung, sie ist immer falsch", sagte Urban. Es gelte, sich gemeinsam gegen Antisemitismus und Extremismus jeglicher Art zu engagieren. "Juden dürfen keine Angst in unserem Land haben."

Update, 11.54 Uhr: Haftbefehl gegen Stephan B. beantragt

Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, wird am Donnerstag ein Antrag auf den Erlass eines Haftbefehls gegen Stephan B. gestellt.

Gegen 14.30 Uhr soll es mehr Informationen dazu geben. Bereits am Mittwoch waren die Ermittlungen an die Bundesanwaltschaft übergeben worden.

Der HFC trauert um Fan Kevin S., der in einem Imbissladen von Neonazi Stephan B. getötet wurde. (Symbolbild)
Der HFC trauert um Fan Kevin S., der in einem Imbissladen von Neonazi Stephan B. getötet wurde. (Symbolbild)  © Picture Point

Update, 11.09 Uhr: Das ist zu den Opfern von Stephan B. bekannt

Von der Polizei sind die Identitäten der beiden Opfer des Attentats in Halle noch nicht bestätigt.

Laut der Fußball-Website "Faszination Fankurve" soll es sich bei dem in dem Döner-Imbiss getöteten Mann um einen jungen HFC-Fan namens Kevin aus Merseburg handeln. "Kevin S. wurde gerade einmal 20 Jahre alt. Feige erschossen! Unser Beileid gilt seinen Verwandten, Freunden und allen die ihn kannten!", schreiben die HFC-Anhänger auf Facebook.

Bei der Frau, die vor der Synagoge auf den Killer traf, soll es sich um die 40-jährige Jana L. aus Halle handeln. Laut dem Nachrichtenportal "Du bist Halle" war sie großer Schlager-Fan und auf Konzerten immer in der ersten Reihe zu sehen. Die Frau wurde hinterrücks von Stephan B. erschossen, als sie von der Straßenbahnhaltestelle an der Synagoge vorbeilief, wo der Täter gerade versuchte, durch die Tür einzudringen.

Mehr zum Thema

Was über den Killer Stephan B. bisher bekannt ist, lest ihr hier.

Einen Kommentar zu den Gefühlen nach so einem Terror-Anschlag, lest Ihr hier.

Den News-Ticker zum Anschlag in Halle gibt es hier zum Nachlesen.

Als unauffällig und ruhig beschreiben die Nachbarn den Täter Stephan B.
Als unauffällig und ruhig beschreiben die Nachbarn den Täter Stephan B.  © Matthias Strauß
Die Anwohner in Benndorf sind entsetzt, dass der Täter aus ihrer Nachbarschaft kommen soll.
Die Anwohner in Benndorf sind entsetzt, dass der Täter aus ihrer Nachbarschaft kommen soll.  © Matthias Strauß

Mehr zum Thema Leipzig Crime:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0