Anti-CDU-Video: So reagieren die Parteien auf das Video von Rezo

Berlin - Verschiedene Politikwissenschaftler und politische Berater bewerten das Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo als ernstzunehmendes Risiko für die Partei. Die Union selbst hat erst am Donnerstag eine Stellungnahme veröffentlicht.

Der YouTuber Rezo hat ein Video mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU." online gestellt.
Der YouTuber Rezo hat ein Video mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU." online gestellt.  © -/Privat/dpa

Der Politikwissenschaftler Stefan Heumann etwa findet, dass das Video zwar keine CDU-Wähler-Stammwähler umstimmen werde. Aber es könnte bei der Europawahl in Deutschland durchaus dazu führen, das junge Wähler mobilisiert werden.

Ähnlich sieht es Sabine Kropp: "Die CDU läuft mittelfristig Gefahr, die jungen Menschen zu verlieren", sagte die Politikwissenschaftlerin der "Rheinischen Post".

Und der Politikberater und Blogger Martin Fuchs wies darauf hin, dass sich die jungen Leute vor allem über respektlose Reaktionen beklagen und sich nicht ernst genommen fühlen.

In dem Video des Youtubers Rezo wird die CDU massiv kritisiert (TAG24 berichtete). Es wurde bis Donnerstagabend über 5,4 Millionen Mal geklickt.

Erste Reaktionen aus der CDU waren überwiegend abweisend. Im Interview mit "t3n.de" sagte Rezo, der nur unter seinem Künstlernamen bekannt ist, dass zunächst niemand aus CDU/CSU das Gespräch mit ihm gesucht habe. "In der 'Aktuellen Stunde' hatte Axel Voss glaube ich gesagt, dass ich junge Leute anstacheln würde und keinen Plan hätte."

Der CDU-Bundestagsabgeordnete "Matthias Hauer spricht von Fake News und ein Vorsitzender der Jungen Union, Jens Münster, bezeichnet mich als linksgrünen Aktivisten, der in einem gläsernen Loft zwischen Vollbart-Hipstern in Berlin Mitte oder Knusperinchen in der Kölner Südstadt seine demagogischen Botschaften produziert.

Also kamen Diskreditierung, Lügen, Trump-Wordings und keine inhaltliche Auseinandersetzung. Im Prinzip, wie ich es bereits kenne."

Kein Video von Philipp Amthor

Der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat sich auf Twitter gleich mehrfach zu Wort gemeldet.
Der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat sich auf Twitter gleich mehrfach zu Wort gemeldet.  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Für ihre abweisenden Reaktionen auf die Kritik kassierte die CDU vor allem Entrüstung. Doch erst am Donnerstag veröffentlichte sie eine Offene Antwort an Rezo sowie eine ausführliche Stellungnahme.

Die versprochene Antwort in Form eines Video des CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor (26) blieb indes aus. Sie soll zwar gedreht worden sein, aber die CDU will das Video wohl nicht veröffentlichen. Amthor sagte am Rande einer Veranstaltung in Rostock, die CDU wolle das persönliche Gespräch suchen.

Inzwischen hat die CDU den Youtuber auch zum Meinungsaustausch eingeladen und Teile seiner Kritik berechtigt genannt. "Lass uns über Deine Kritik an der CDU sprechen, aber bitte höre auch uns zu, wie wir die Dinge sehen", schrieb Generalsekretär Paul Ziemiak am Donnerstag auf Twitter.

"Nicht als Show, sondern so, wie die meisten Menschen bei uns: aus Sorge über unsere Zukunft und über Wege, unseren Planeten zukunftsfest zu machen, über Ideen für bessere Lösungen."

Ob Rezo auf das Angebot eingeht, ist noch offen.

Spott im Netz für AKK

Als Christdemokratin offenbar nicht ganz bibelfest: Annegret Kramp-Karrenbauer.
Als Christdemokratin offenbar nicht ganz bibelfest: Annegret Kramp-Karrenbauer.  © Carsten Rehder/dpa

Viele Twitter-User sind von Ziemiaks Reaktion enttäuscht. Sie sei flach und "so leicht kann die CDU sich als Regierungspartei mit mindestens 44 Jahren Regierungsverantwortung nicht herauswinden", schreibt ein Nutzer. Ein anderer findet, "die CDU soll froh sein, dass es nicht noch mehr war."

Am Mittwoch hatte Ziemiak über Rezos Video noch von Falschbehauptungen gesprochen.

Spott im Netz gabs für CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie kommentierte das Video mit den Worten: "Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab."

Allerdings ist im Alten Testament nicht von sieben, sondern von zehn biblischen Plagen die Rede.

Von Seiten der SPD warf Generalsekretär Lars Klingbeil der CDU vor, unangemessen auf das Kritikvideo zu reagieren.

"Eine ganze Generation zu beschimpfen, wie die Union das tut, ist absolut daneben", erklärte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Auch FDP-Chef Lindner reagiert

Blaue Haare, orangefarbener Pulli: Ausschnitt aus dem Video "Die Zerstörung der CDU." des Youtubers Rezo.
Blaue Haare, orangefarbener Pulli: Ausschnitt aus dem Video "Die Zerstörung der CDU." des Youtubers Rezo.

Kritik für Rezo kam dagegen von FDP-Chef Christian Lindner. "Ich halte das Video nicht nur für einen Angriff auf die CDU, sondern auch auf den Qualitätsjournalismus", sagte er dem "Spiegel".

Rezo könne nämlich nur deshalb zu seinen vernichtenden Urteilen kommen, weil er oft nur die halbe Wahrheit erzähle.

Warum die CDU nicht einfach mit "gelassener Sachaufklärung" auf den "auf den offensichtlich sehr einseitig links geprägten Angriff" reagiert hat, ist Lindner nicht klar.

Der AfD-Bundestagsabgeordneter Paul Hampel hat sich vor den Youtuber gestellt: "Insbesondere heute am 70. Jahrestag des Grundgesetzes ist es wichtig, dass wir als AfD uneingeschränkt für das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung eintreten und Menschen wie Rezo verteidigen gegen Zensur und Verleumdung."

Und weiter: Rezos vernichtende Kritik an der Politik der CDU "trifft ins Schwarze und ist ganz auf AfD-Linie".

Offenbar hat Hampel gar nicht mitbekommen, dass Rezo auch die AfD attackiert. Mit Blick auf die Europawahl warnt er davor, zu denken, "die AfD wäre eine legitime Option. Ist sie nicht. Aber nicht nur, weil da halt Nazis drin sind, sondern auch weil die kognitiv, sag ich mal, nicht beeindruckend sind", so Rezo in seinem Video.

Titelfoto: DPA

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