"Asyltourismus": Bundespräsident Steinmeier rügt Wortwahl im Asylstreit scharf!

Berlin - Jetzt wird's Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (62) zu bunt! Das Staatsoberhaupt hat den erbittert geführten Asylstreit in der Union kritisiert und vor einer Verrohung der Sprache gewarnt.

Bundespräsident Steinmeier (62) kritisiert Begriffe wie die von Bayerns Ministerpräsident Söder (51, CSU) scharf. (Bildmontage)
Bundespräsident Steinmeier (62) kritisiert Begriffe wie die von Bayerns Ministerpräsident Söder (51, CSU) scharf. (Bildmontage)  © DPA (Bildmontage)

"Wir müssen zurück zur Vernunft", sagte er am Sonntag zu Moderatorin Bettina Schausten (53) im Sommerinterview der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

Angesprochen auf den von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (51, CSU) verwendeten Begriff "Asyltourismus" sagte Steinmeier, gerade an Regierungsparteien gebe es die Anforderung, "auch auf Sprache zu achten".

Söder meint damit Menschen, die erst in einem anderen EU-Staat und dann auch noch in Deutschland einen Asylantrag stellen wollen.

Auch SPD-Vize Ralf Stegner (58) kritisierte die Wortwahl bei Twitter scharf: "Wer Worte wie 'Asyltourismus', 'Asylgehalt', oder 'Anti-Abschiebeindustrie' verwendet , ist entweder ein hirnloser rechter Vollpfosten oder ein übler rechtspopulistischer Demagoge."

Laut Bundespräsident drohe speziell in digitalen Medien die "Grenze des Unsagbaren und des Unsäglichen" zu verschwimmen. Er halte nichts von übertriebener politischer Korrektheit. Aber man müsse sich verantwortungsvoll streiten. "Das verlangt auch eine gewisse Disziplin bei der Sprache".

Er habe in der jüngsten Zeit besorgte Anrufe von anderen Staatschefs bekommen, zudem hätten viele empörte Bürger geschrieben. Er hätte einige zurückgerufen und werde dann gefragt: "Wie sollen wir denn hier vor Ort mit Augenmaß, mit Vernunft um das richtige Argument streiten, wenn die große Politik ihren Vorbildcharakter nicht wahrnimmt", sagte Steinmeier mit Blick auf den Konflikt von CDU und CSU über mehr Zurückweisungen von Migranten an der Grenze.

Steinmeier betonte im ZDF, auch Begriffe wie "Achse der Willigen" seien keine "geeignete Sprache". Diesen Ausdruck verwendete Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (31, ÖVP) für eine engere Kooperation zwischen Österreich, Italien und Deutschland. Österreich hat aktuell die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Der Weg zu einer gemeinsamen Migrationspolitik in Europa sei schließlich mühsam genug: "Deswegen glaube ich sollten wir auch keine Sprache pflegen, die noch spalterisch wirken kann", mahnte Steinmeier.

Titelfoto: DPA (Bildmontage)


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