"Mit Hakenkreuzen spielt man nicht"! Familienministerin kritisiert Video-Game

Berlin - Hakenkreuze und Hitlergruß waren in Deutschland jahrelang tabu in Computer-Spielen. Doch jetzt sorgt ein Spiel im Deutschland der 1930er Jahre für Riesen-Wirbel.

In dieser Szene aus dem Spiel "Through the Darkest of Times" wird der Boykott von jüdischen Geschäftsleuten dargestellt.
In dieser Szene aus dem Spiel "Through the Darkest of Times" wird der Boykott von jüdischen Geschäftsleuten dargestellt.  © Paintbucket Games/PR

Kaum hat die Computerspielmesse Gamescom in Köln ihre Tore geöffnet (TAG24 berichtete) steht ein umstrittenes neues Spiel im Mittelpunkt.

Grund: Bei "Through the Darkest of Times" der Berliner Macher von Paintbucket Games sind erstmals in Deutschland in einem Videospiel Hitlergruß und Hakenkreuze zu sehen!

"Ich bin geschockt, dass man einer Berliner Firma erlaubt hat, das abscheuliche und beleidigende Hakenkreuz in einem neuen Videospiel zu verwenden", so Jeremy Issacharoff (63), der israelische Botschafter in Deutschland, bei Twitter fassungslos.

"Dieses entsetzliche Symbol hat keinen Platz in Deutschland und speziell in Spielen, in den Händen der Jugend."

Und auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (40, SPD) kritisiert das Spiel gegenüber der "Berliner Morgenpost" aufs Schärfste: "Mit Hakenkreuzen spielt man nicht. Gerade in Deutschland müssen wir uns auch heute unserer besonderen historischen Verantwortung immer bewusst sein."

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Jeremy Issacharoff (63), Israels Botschafter in Deutschland, üben Kritik.
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Jeremy Issacharoff (63), Israels Botschafter in Deutschland, üben Kritik.  © DPA (Bildmontage)

Hintergrund: Bislang waren solche verfassungsfeindlichen Symbole in Deutschland in Video-Spielen laut Paragraf 86a STGB verboten, während sie in Filmen und in der Kunst erlaubt waren.

Dennoch hat die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) das Spiel ab 12 Jahren freigegeben.

Denn das Spiel sei "aufgrund der klaren Gegnerschaft zum NS-Regime" sozialadäquat, erklärte USK-Chefin Elisabeth Secker in einer Stellungnahme.

Mit ihrem Beschluss bezieht sich die USK auf eine neue Rechtsauffassung der Obersten Landesjugendbehörde, wonach die Ausnahmeregel für Paragraf 86, die sogenannte Sozialadäquanz, in Zukunft auch für Computerspiele angewendet werden kann.

Dieser neue Umgang sei für Secker ein wichtiger Schritt für die Gleichbehandlung von Computerspielen mit Medien wie Film und Kunst. Weiterhin unterliege jedoch jedes Spiel mit verfassungswidrigen Symbolen einer Einzelfallprüfung.

Die ganze Kritik schmettern die Macher des Spiels erwartungsgemäß ab: "Das zeigt für mich ein antiquiertes Verständnis des Mediums Computerspiele", so Jörg Friedrich von Paintbucket Games in der "Berliner Morgenpost".

Schließlich gebe es viele Jugendliche, die überhaupt keine Filme mehr schauen. "Diese Jugendlichen lernen ihr Geschichtsbild nur aus Computerspielen – und in diesem Geschichtsbild soll es keine Nazis geben? Keinen Zweiten Weltkrieg, keinen Holocaust, keinen Antisemitismus? Das halte ich für viel gefährlicher", rechtfertigte der Spiele-Designer.

Titelfoto: dpa; Paintbucket Games/PR (Bildmontage)


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