Machtkampf um Merkels Nachfolge hat schon begonnen

Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel zieht Konsequenzen aus den zwei schweren Wahlniederlagen der Union und ist bereit, den CDU-Vorsitz abzugeben (TAG24 berichtete).

Angela Merkel gab ihren Rückzug als CDU-Vorsitzende bekannt.
Angela Merkel gab ihren Rückzug als CDU-Vorsitzende bekannt.  © DPA

Kanzlerin wolle sie aber bleiben, machte die 64-Jährige am Montag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in einer Sitzung des Parteigremiums deutlich.

Allerdings werde sie bei der nächsten Wahl 2021 nicht mehr für den Bundestag kandidieren. Merkel ist seit 18 Jahren CDU-Chefin und seit 13 Jahren Kanzlerin. Bisher hatte sie immer betont, dass beide Ämter für sie zusammengehörten.

Merkel sagte, sie habe diesen Entschluss bereits in der Sommerpause für sich getroffen und wollte ihn ursprünglich Anfang November bekannt geben.

Nun hat sie es angesichts des Wahlergebnisses von Hessen vorgezogen, sie sei sicher, dass sie nur so "frischen Wind in die Sache" bringen kann.

Wer wird neuer CDU-Vorsitzender?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, für den Parteivorsitz zu kandidieren.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, für den Parteivorsitz zu kandidieren.  © DPA

Unterdessen ist der Kampf um den Vorsitz der CDU bereits entbrannt. Mehrere Kandidaten warfen seit Merkels Rückzugsankündigung ihren Hut in den Ring.

Die Nachfolge an der Parteispitze könnte auf dem CDU-Parteitag Anfang Dezember in Hamburg geregelt werden. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer will für den Vorsitz kandidieren, wie sie nach Angaben von Teilnehmern in der CDU-Vorstandssitzung ankündigte.

Nach dpa-Informationen wollen auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der frühere Unionsfraktions-Vorsitzende Friedrich Merz kandidieren. Der 62-jährige Jurist Merz war von 2000 bis 2002 Fraktionschef der Union - bis Merkel ihn von dem Posten verdrängte.

Auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer will für den Vorsitz kandidieren.
Auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer will für den Vorsitz kandidieren.  © DPA

Auch Armin Laschet, Vorsitzender des stärksten CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, könnte einen Anspruch auf den Vorsitz der Bundespartei anmelden - wenn er denn wollte. Der 57-jährige Aachener gilt als loyaler Stellvertreter Merkels in der Bundes-CDU.

Für Wolfgang Schäuble wäre es die Krönung seiner langen politischen Laufbahn, könnte er Merkel zum Ende seiner Karriere im Kanzleramt ablösen - wenn auch wohl nur als Übergangslösung.

Daniel Günther (45), Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein, gilt vor allem für CDU-Anhänger, die sich eher in der politischen Mitte oder sogar eher links einordnen, als Hoffnungsträger. Das dürfte es dem Chef einer recht geräuschlos arbeitenden Jamaika-Koalition in Kiel allerdings schwer machen, von einer breiten Mehrheit zum Bundesvorsitzenden der CDU gewählt zu werden. Günther selbst sagt von sich, er wolle zunächst erfolgreiche Politik im Land machen und als Regierungschef in seinem Bundesland wiedergewählt werden. Was danach noch kommen könnte, lässt er offen.

Würden Merz oder Spahn zum Vorsitzenden gewählt, hätte das sehr wahrscheinlich auch Auswirkungen auf die Große Koalition. Beide gelten als Vertreter des besonders konservativen Flügels der CDU, was die Zusammenarbeit mit der SPD erheblich erschweren könnte.

Mögliche Kandidaten für den CDU-Vorsitz (im Uhrzeigersinn): Armin Laschet (CDU), Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn, Friedrich Merz, Daniel Günther, Wolfgang Schäuble.
Mögliche Kandidaten für den CDU-Vorsitz (im Uhrzeigersinn): Armin Laschet (CDU), Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn, Friedrich Merz, Daniel Günther, Wolfgang Schäuble.  © DPA

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