Wird Frauke Petry die größte Verliererin vom Jamaika-Aus?

Frauke Petry dürfte von Neuwahlen nicht sonderlich begeistert sein.
Frauke Petry dürfte von Neuwahlen nicht sonderlich begeistert sein.  © DPA

Berlin – Dieser Schuss droht gehörig nach hinten los zu gehen. Frauke Petrys Austritt aus der AfD-Fraktion könnte sich für sie jetzt rächen. Denn bei Neuwahlen droht sie schneller wieder aus dem Bundestag zu fliegen, als ihr lieb ist.

Rückblick: Petry hatte einen Tag nachdem sie für die AfD in den Bundestag gewählt wurde (37,4 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge) überraschend erklärt, nicht für die AfD-Fraktion zur Verfügung zu stehen und als fraktionslose Abgeordnete ihr Mandat wahrzunehmen (TAG24 berichtete).

Kurz darauf verließ sie auch die AfD-Fraktion im sächsischen Landtag und trat aus der Partei aus. Als Grund gab sie sinngemäß an, dass ihr der Rechtsruck in der Partei zu groß sei und gemäßigte Kräfte – wie sie – systematisch abserviert würden. Danach initiierte sie die "Blaue Partei", die sie in den kommenden Jahren als neue konservative Kraft in Deutschland positionieren will. Eine Bundestagswahl im April käme für Petry und ihre Mitstreiter allerdings sehr früh.

Deshalb dürfte jetzt zumindest ihr Bundestagsmandat gehörig wackeln. Nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen und der erneuten Absage der SPD an die große Koalition sind Neuwahlen wahrscheinlich.

Kommt es dazu, ist eine Wiederwahl von Petry äußerst fraglich. Zum einen ist die Zeit, sich mit den Blauen im Bewusstsein der Wähler wirklich zu positionieren und von der AfD abzugrenzen, sehr kurz. Außerdem dürfte es ihr der Großteil ihrer Wähler wohl übel nehmen, unmittelbar nach der Wahl der Alternative für Deutschland den Rücken gekehrt zu haben.

Damit dürfte sie mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht vier Jahre als Bundestagsabgeordnete vor sich haben, sondern noch bevor es richtig los geht wieder den Heimweg antreten. Aber immerhin sitzt sie noch im Landtag von Sachsen, zumindest bis zu den Wahlen 2019.

Und die ehemaligen Parteifreude lästern bereits. Dass Neuwahlen Frauke Petry aus dem Bundestag katapultieren könnten, wäre beispielsweise für den AfD-Landeschef von Sachsen-Anhalt André Poggenburg ein angenehmer Nebeneffekt, ein echtes "Bonbon", wie er sich ausdrückte.

Dafür könnten sich im Falle von Neuwahlen womöglich einige von Petrys früheren Widersachern in der AfD Chancen ausrechnen, diesmal von einem besseren Listenplatz aus zu starten - vor allem in Sachsen. Vielleicht ist ja auch das Teil der "Riesenchance", die Höcke meint.

Titelfoto: DPA


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0