Deshalb sind tausende minderjährige Flüchtlinge verschwunden

Zwei von drei verschwundenen Minderjährigen in Deutschland sind Flüchtlinge.
Zwei von drei verschwundenen Minderjährigen in Deutschland sind Flüchtlinge.  © DPA

Berlin – Die Zahl der in Deutschland vermissten Minderjährigen ist im vergangenen Jahr drastisch angestiegen.

7000 gelten als vermisst, Dreiviertel von Ihnen sind Flüchtlinge. Die Zahl der vermissten deutschen Kinder bleibt hingegen seit Jahren stabil.

"Der starke Anstieg erklärt sich durch die zusätzlich in die Statistik aufgenommenen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, von denen Tausende verschwunden sind", erklärt Daniel Kroll von der Initiative Vermisste Kinder gegenüber VICE.

Doch warum ist das so, warum verschwinden derart viele minderjährige Asylbewerber? Die meisten von ihnen haben sich mit völlig falschen Vorstellungen auf den Weg nach Deutschland gemacht.

Die Realität, dass sie hier nicht arbeiten dürfen, monatelang im Antragsdschungel feststecken und – vor allem in Berlin – in Notunterkünfte gepfercht werden, hat nichts mit ihren eigentlichen Erwartungen zu tun.

Viele minderjährige Flüchtlinge verschwinden einfach aus den Unterkünften und werden nach 24 Stunden als vermisst gemeldet.
Viele minderjährige Flüchtlinge verschwinden einfach aus den Unterkünften und werden nach 24 Stunden als vermisst gemeldet.  © DPA

Dann würden viele einfach aus den Notunterkünften abhauen und in der Großstadt untertauchen. Amei von Hülsen-Poensgen von der Berliner Flüchtlingsinitiative Willkommen im Westend erklärt bei VICE: "Bei vielen macht sich Verzweiflung breit. In der Hoffnung einen besseren Ort als die Berliner Notunterkünfte zu finden, sind viele abgehauen und gelten seither als vermisst."

Sie würden dann schnell von kriminellen Banden eingefangen und etwa als Drogenkuriere eingesetzt, da sie noch nicht strafmündig sind. Das Geld, was sie dort verdienen, verlockt, zumal viele noch Familien in der Heimat haben, die auf finanzielle Unterstützung hoffen. Schließlich haben sie dem Jungen die Flucht nach Europa oft mit ihrem letzten Hab und Gut bezahlt.

Andere gehen, etwa im Tiergarten, auf dem Strich, um ein paar Euro zusammenzubekommen (TAG24 berichtete). "Wie viele dauerhaft vermisst sind, Opfer eines Verbrechens wurden oder in einem Keller eingesperrt sind, das wissen wir nicht", sagt Andreas Meißner, der seit Jahren minderjährige Flüchtlinge betreut zu VICE.

Doch nicht alle verschwundenen minderjährigen Flüchtlingen haben ein derartig dramatischen Hintergrund. Viele sind auch einfach zu Familienangehörigen gezogen und seitdem verschwunden, bei anderen sei es noch banaler.

Etwa wenn Namen von Behörden falsch geschrieben werden. Ist beispielsweise ein Achmed als vermisst gemeldet, und ein Ahmed taucht wegen eines Übersetzungsfehlers wieder auf, bleibt Achmed statistisch gesehen verschwunden.

Titelfoto: DPA


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