Deutschland weist Erdogan-Kritiker Yigit in die Türkei aus

Berlin - Deutschland weist bis Ende Januar 2019 den türkischen Regierungskritiker Adil Yigit (60) aus. Der Journalist habe am Freitag den Bescheid dazu bekommen, wie Yigit am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Kanzlerin Merkel und der türkische Staatspräsident Erdogan bei der Pressekonferenz am 28. September in Berlin.
Kanzlerin Merkel und der türkische Staatspräsident Erdogan bei der Pressekonferenz am 28. September in Berlin.  © DPA

Er führt die Entscheidung auf seine prominente Protestaktion während einer Pressekonferenz des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan (64) und Kanzlerin Angela Merkel (64, CDU) im Kanzleramt Ende September zurück.

Damals trug der in Hamburg lebende Journalist ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift "Gazetecilere Özgürlük - Freiheit für Journalisten in der Türkei".

Als es zu Unruhe kam, griffen deutsche Sicherheitskräfte ein und brachten Yigit aus dem Saal. Erdogan lächelte.

"Das hängt zusammen, anders kann es gar nicht sein", sagte Yigit, der nach eigenen Angaben seit 36 Jahren in Deutschland lebt.

Schon im vergangenen Jahr lag bereits einmal ein entsprechender Bescheid vor. Aber der Chef der Hamburger Ausländerbehörde habe ihm versprochen, man werde schon eine Lösung finden.

Bei der PK wurde der regierungskritische Journalist Adil Yigit (60) aus dem Raum geführt.
Bei der PK wurde der regierungskritische Journalist Adil Yigit (60) aus dem Raum geführt.  © DPA

Nun werde nur einen Monat nach seiner Protestaktion im Kanzleramt die Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt, sagte Yigit. Er müsse jetzt bis 22. Januar 2019 das Land verlassen haben oder er werde abgeschoben.

Zuerst hatte die "taz" über die Ausweisung berichtet, für die Yigit als Kolumnist schreibt. In dem Artikel heißt es, als Gründe für die Ausweisung gebe die Behörde an, dass er nicht erwerbstätig sei und nicht bei seinen Kindern lebe.

Yigit gibt in Deutschland die regierungskritische Online-Zeitung "Avrupa Postasi" heraus. "Natürlich fürchte ich mich, wenn ich abgeschoben werde. In der Türkei werden Journalisten zum Schweigen gebracht."

Nach dem Putschversuch von 2016 hat die türkische Regierung Zehntausende angebliche Staatsfeinde, darunter Journalisten, Akademiker und Menschenrechtler, festnehmen lassen und viele Medienhäuser geschlossen oder auf Regierungslinie gebracht.

Titelfoto: DPA (Bildmontage)

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