Höchste Wahlbeteiligung aller Zeiten in Berlin, Grüne mit historischem Sieg, Debakel für SPD

Berlin - Für keine Partei wurde bei der Europawahl in Berlin häufiger gestimmt, als für die Grünen. Große Verlierer sind die CDU und SPD. Die FDP wurde sogar von einer Kleinstpartei überholt.

Grüne Europawahl-"Gewinner": Michael Kellner (l.r.), Sven Giegold, Annalena Baerbock, und Hannah Neumann jubeln nach der Bekanngabe der ersten Prognose der Europawahl.
Grüne Europawahl-"Gewinner": Michael Kellner (l.r.), Sven Giegold, Annalena Baerbock, und Hannah Neumann jubeln nach der Bekanngabe der ersten Prognose der Europawahl.  © DPA

Die Grünen haben bei der Europawahl in Berlin einen historischen Sieg eingefahren. Sie lagen am Sonntag nach vorläufigem Endergebnis mit riesigem Abstand an der Spitze.

Damit wurden die Grünen in der Hauptstadt erstmals bei einer bundes- oder landesweiten Wahl stärkste Kraft.

SPD und CDU sackten ab und landeten auf einem historischen Tiefstand. Die Linken verschlechterten sich ebenfalls. AfD und FDP verbesserten sich im Vergleich zur vergangenen Europawahl 2014 leicht.

Die Grünen kamen laut vorläufigem Endergebnis auf 27,8 Prozent (plus 8,8 Prozentpunkte). Zweitstärkste Kraft wurde die CDU mit 15,2 Prozent (-4,8), gefolgt von der SPD mit 14,0 (-10). Bei der Europawahl 2014 waren die Sozialdemokraten noch Wahlsieger geworden.

Auf die Linken entfielen am Sonntag 11,9 Prozent (-4,3). Die AfD verbesserte sich auf 9,9 Prozent (+2,0) und die FDP auf 4,7 Prozent (+2,0).

Erfolg in Berlin für Kleinstpartei "Die Partei", SPD am Boden

Die Satire-Partei "Die Partei" überholte sogar die FDP. Während die Liberalen auf lediglich 4,7 Prozent (+2,0) in der Hauptstadt kamen, sicherte sich "Die Partei" um Martin Sonneborn 4,8 Prozent der Stimmen (+3,2).

Der ehemalige Berliner Platzhirsch SPD konnte in keinem der zwölf Bezirke Berlins eine Mehrheit der Stimmen gewinnen. Die Grünen lagen in acht Bezirken vorne. In den Bezirken Spandau und Reinickendorf siegte die CDU, in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg die Linke.

Besonders angenehm fiel die extrem hohe Wahlbeteiligung aus, sie war in Berlin bei dieser Europawahl so hoch, wie nie zuvor. Sie lag laut Landeswahlleitung bei 60,6 Prozent.

Vor fünf Jahren hatten 46,7 Prozent ihre Stimme abgegeben. Die bislang höchste Beteiligung hatte es im Jahre 1994 mit 53,5 Prozent gegeben.

Bürgermeister Michael Müller: "Kann man nicht schönreden"

Die Grünen feiern ein historisch gutes Wahlergebnis in Berlin.
Die Grünen feiern ein historisch gutes Wahlergebnis in Berlin.

Berlins Bürgermeister Michael Müller (54, SPD) bewertet den brutalen Absturz der Sozialdemokraten in Berlin als "Alarmsignal". Ein Ergebnis unter 20 Prozent könne man nicht schönreden.

Die Vorsitzenden der Berliner Grünen, Werner Graf (39) und Nina Stahr (36), erklären das Ergebnis der Grünen als fantastisch. Das Wahlergebnis zeige deutlich, "dass die Menschen sich eine andere Politik wünschen, besonders wenn es darum geht, Europa human zu gestalten und eine radikale Wende beim Klimaschutz einzuläuten".

Die CDU bezeichnet das Ergebnis als "unbefriedigend". Laut Fraktionschef Burkard Dregger (54) hätten es die Grünen geschafft, die "die Angst vor dem Klimawandel in Zustimmung ummünzen" zu können.

Linken-Landeschefin Katina Schubert (57) sagte über das Abschneiden ihrer Partei in Berlin wie auf Bundesebene: "Das Ergebnis ist für uns eine Enttäuschung, gar keine Frage." Nun müsse in Ruhe analysiert werden, woran es gelegen habe.

AfD-Landes- und Fraktionschef Georg Pazderski zeigte sich erfreut. "Das bestätigt unseren Berliner Kurs und ist eine gute Basis, um weiter zu wachsen", erklärte er. FDP-Landeschef Christoph Meyer sagte: "Die FDP Berlin konnte ihre Kernwählerschaft erreichen."

Gut 2,5 Millionen Berliner waren zur Europawahl aufgerufen. Wie rund 400 Millionen weitere EU-Bürger konnten sie über die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments abstimmen.

Schlechtestes Ergebnis aller Zeiten: Die Berliner SPD in Schockstarre.
Schlechtestes Ergebnis aller Zeiten: Die Berliner SPD in Schockstarre.  © Wolfgang Kumm/dpa
Von einer Kleinstpartei überholt: Die Berliner FDP.
Von einer Kleinstpartei überholt: Die Berliner FDP.  © Carsten Koal/dpa

Titelfoto: DPA

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