Mehr Geld und trotzdem wollen Bundesbeamte weniger arbeiten

Berlin - In der Regel arbeiten Bundesbeamte 41 Stunden pro Woche. Doch das ist ihnen zu viel. Per Online-Petition an den Deutschen Bundestag fordern sie darum eine 39-Stunden-Arbeitswoche.

Zollbeamte und Polizisten sind unter anderem auch am Wochenende und nachts im Einsatz.
Zollbeamte und Polizisten sind unter anderem auch am Wochenende und nachts im Einsatz.  © Sebastian Willnow/dpa

Ihr Anliegen begründen die Beamten mit Paragraf 3 des Arbeitszeitgesetzes, wonach die "tägliche Arbeitszeit 8 Stunden nicht überschreiten darf." Weshalb das nicht für Beamte gelten solle, sei nicht nachvollziehbar.

Außerdem hätten sie 2006 die Zusicherung bekommen, "dass bei besserer Wirtschaftslage wieder eine Absenkung" der Arbeitszeit erfolgt. Damals wurde die 41 Wochenstunden festgelegt.

Weshalb die Arbeitszeit bis heute nicht wieder verringert wurde, sei ohne "nachvollziehbare Begründung". Schließlich würden die Steuereinnahmen seit ein paar Jahren sprudeln. An der 41-Stunden-Woche festzuhalten sei deshalb "reine Willkür und eine nicht länger hinnehmbare Ungerechtigkeit".

Und es geht sogar noch weiter! Denn die Staatsbeamten fühlen sich offenbar als Opfer von Kosteneinsparungen. Wegen ihrer beruflichen Stellung dürften sie auch nicht streiken und sich so gegen das auferlegte "Sonderopfer" wehren.

Verglichen mit "anderen Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes sowie mit der Privatwirtschaft" werde deutlich, dass eine "Arbeitszeit von über 40 Wochenstunden sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern der EU absolut unüblich ist". Außerdem sei eine so lange Arbeitszeit "nicht mehr zeitgemäß!"

Die Bearbeitung von Anträgen kann auf dem Amt mitunter Wochen dauern.
Die Bearbeitung von Anträgen kann auf dem Amt mitunter Wochen dauern.  © 123rf.com/profile_stockbroker

Was in dieser Petition nicht erwähnt wird, ist, dass die Bundesbeamten bis 2020 rund 7,3 Prozent mehr Gehalt bekommen. Und zwar rückwirkend ab März 2,99 Prozent mehr, "ab 1. April 2019 weitere 3,09 Prozent mehr und ab März 2020 erneut 1,06 Prozent mehr", berichtet die Bild-Zeitung.

Das heißt, dass die Gehälter in der niedrigsten Besoldungsstufe von 2066 Euro Grundgehalt auf 2216 Euro steigen. In der höchsten Gehaltsstufe von 13.746 auf 14.749 Euro.

Die Reaktionen auf die Petition sind unterschiedlich. Viele User lehnen sie ab und finden, dass Beamte ebenso wie andere Menschen arbeiten sollen. Da kommen Überstunden vor und die gehen oft über 41 Wochenstunden hinaus.

Andere finden, dass es wohl kaum eine andere Berufsgruppe gibt, die so viel auch am Wochenende, an Sonn- und Feiertagen sowie nachts arbeiten muss wie eben Polizisten, Feuerwehrleute, Zoll-Mitarbeiter oder Angehörige der Bundeswehr.

Die Petition endet am 5. Juli 2018. Bislang gibt es 44.730 Unterzeichner (Stand 2. Juli 2018, 16 Uhr)

Titelfoto: Sebastian Willnow/dpa, 123rf.com/profile_stockbrok


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